sz-online.de | Sachsen im Netz

Xavier knickt Bäume um und beschädigt Autos

In Weißwasser war der Sturm für die Drehleiter zu stark. In Groß Düben wurden lose Stromkabel abgeschirmt.

07.10.2017
Von Frank-Uwe Michel, Steffen Gerhardt, Bernhard Donke, Carla Mattern und Thomas Staudt

ickt Bäume um und beschädigt Autos
Gegen 18 Uhr am Donnerstag kippte Xavier eine Weide in der August Bebel Straße in Weißwasser in eine Freileitung. Aber die heftigen Böen erschwerten den Einsatz der Drehleiter der Feuerwehr Weißwasser. Über 20 Mal rückten die Kameraden aus.

© Joachim Rehle

Sturmtief Xavier sorgte nicht nur im Norden und in der Mitte Deutschlands für teils chaotische Zustände, sondern beschäftigte auch die Rettungskräfte im Landkreis Görlitz. Tote und Verletzte waren zwar nicht zu beklagen, allerdings hinterließ das Unwetter eine Reihe umgeknickter Bäume. Sie kippten auf Straßen, Radwege, Autos sowie auf Strom- und Telefonleitungen. Dabei war vor allem der Norden betroffen. Nach Informationen von Gerd Preußing, Stadtwehrleiter von Weißwasser, waren alle Feuerwehren von Sagar bis Köbeln und von Bad Muskau bis Schleife im Einsatz.

Die Weißwasseraner Kameraden waren am Donnerstag nach den am späten Nachmittag einsetzenden Sturmböen ab 17 Uhr im Dauereinsatz. Gegen 18 Uhr rückte ein Einsatzzug in die August-Bebel-Straße aus. Dort war eine Weide durch den Sturm entwurzelt worden und in die Freileitung gekippt. Der Strom musste abgeschaltet werden. Anschließend schnitten die Kameraden die Leitung frei. In der Zeit bis 23 Uhr rückte die Freiwillige Feuerwehr Weißwasser insgesamt 17 Mal aus. Bei vielen Einsätzen war die Drehleiter gefragt. Sie konnte jedoch vielfach erst nach Abflauen der starken Böen eingesetzt werden. Einige Fälle mussten bis Freitag warten. Bis 13 Uhr waren neun Kameraden siebenmal gefragt, in Bad Muskau, an der Eisarena in Weißwasser und im Braunsteichweg wegen umgestürzter Bäume. Dort lag ein Baum quer über eine Straße, ein anderer war auf ein Auto gekracht.

In Krauschwitz und in Groß Düben beschädigte der Sturm 20-Kilovolt-Stromleitungen. In Groß Düben gleich an zwei Stellen, an der Milchviehanlage im Kleindübener Weg und im Schwarzen Weg. Dort lagen laut Sven Lehmann zwei Kabel auf der Straße, die die Kameraden noch bis in die Nachmittagsstunden am Freitag abwechselnd absperrten. Teilweise fielen Telefonanschlüsse aus. Entlang der Neiße hatten 875 Haushalte über 24 Stunden keinen Strom. Noch am Freitagnachmittag wurde mit Hochdruck an der Fehlerbehebung gearbeitet. In den Abendstunden sollte die Versorgung wieder gewährleistet sein, wie Stefan Buscher vom Stromversorger Mitnetz am Nachmittag auf Anfrage erklärte.

In Krauschwitz musste zudem die B 156 in Richtung Gablenz wegen eines umgestürzten Baums abgesperrt werden. Ebenfalls gesperrt war die Bahnlinie Cottbus-Görlitz, allerdings nicht wegen Xavier. Am Donnerstagnachmittag war ein junger Mann am Bahnübergang Halbendorfer Weg in Weißwasser von einem Zug erfasst worden und gestorben. Gerd Preußing zieht zu dem Unwetter.das vorläufige Resümee: „Das war schlimm, aber nicht ganz so verheerend wie nach dem Orkan Kyrill 2007.“ Auf den Punkt brachte es die Rettungsleitstelle Hoyerswerda. Sie registrierte am Donnerstag 150 Einsätze, am Freitag bis um die Mittagszeit rund zehn.

Xavier wütete im Norden des Landkreises nach der ersten Bilanz stärker als im übrigen Kreisgebiet. Glimpflich kam der Süden aber nicht davon. Am Donnerstagnachmittag wurde die Rothenburger Feuerwehr zum ersten Mal um 16.42 Uhr angefordert. „Da war in Kahlemeile ein großer Baum über die S 127 gefallen. „Ein Ast hing so kompliziert über der Straße, dass wir eine ganze Weile brauchten, die Stelle zu beräumen“, sagt David Schwarz. Der stellvertretende Ortswehrleiter musste mit zwei Fahrzeugen und 15 Mitstreitern im Laufe des Abends noch acht weitere Einsätze absolvieren. Erst gegen 21.30 Uhr hatte sich die Situation einigermaßen entspannt.

Zuvor waren die Kameraden in Rothenburg an der Uhsmannsdorfer Straße aktiv, wo ebenfalls ein großer Baum den Windböen nicht mehr standgehalten hatte. „Parallel dazu wurden wir zu einem Einsatz mit höherer Priorität gerufen: Im Martinshof hatte ein Brandmelder angeschlagen. Dazu rückten auch die Wehren aus Nieder-Neundorf, Lodenau und Niesky zur Verstärkung an. Das Ganze entpuppte sich jedoch als Fehlalarm“, erläutert Schwarz. Wahrscheinlich sei im Dachboden, wo der Brandmelder hing, Staub aufgewirbelt worden und habe ihn ausgelöst.

Um 19 Uhr ging es Richtung Geheege und Richtung Dunkelhäuser, wo zwei Bäume Opfer des Sturms geworden waren. Ebenfalls in Dunkelhäuser war ein Baum in die Stromleitung eines Hauses gefallen. „Allerdings war die Leitung nur eingeklemmt, die Stromversorgung funktionierte noch“, so Schwarz. Immer wieder hätten Autofahrer angehalten und über weitere herabgefallene Äste informiert.

Die drei Freiwilligen Feuerwehren von Hohendubrau wurden gegen 19.30 Uhr alarmiert. Vor der Förstgener Kreuzung hatte Xavier einen Baum entwurzelt. Laut Hans Peter Schuster rückte die Wehr bis 22.45 Uhr viermal aus.