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Xavier entwurzelt Bäume

Feuerwehren rücken mehrmals zur Schadensbeseitigung aus. Fehlalarm im Martinshof und der Nordkreis ist ohne Strom.

07.10.2017
Von Frank-Uwe Michel, Steffen Gerhardt, Carla Mattern und Bernhard Donke

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twurzelt Bäume
Am Freitagmorgen mussten die Feuerwehren Niesky und See erneut ausrücken. Auf der Straße zum Quitzdorfer Stausee hatte ein Baum die Straße versperrt. Insgesamt waren die Wehren im Raum Niesky zur Beseitigung der Sturmfolgen mehrfach gefordert.

© jens trenkler

Sturmtief Xavier sorgte nicht nur im Norden und in der Mitte Deutschlands für teils chaotische Zustände, sondern beschäftigte auch im Raum Niesky die Kameraden der Feuerwehren. Tote und Verletzte waren zum Glück nicht zu beklagen, allerdings hinterließ das Unwetter eine Reihe umgeknickter Bäume, herabgefallener Äste und Störungen in der Stromversorgung.

Zum ersten Mal am Donnerstagnachmittag wurde die Rothenburger Feuerwehr um 16.42 Uhr angefordert. „Da war in Kahlemeile ein großer Baum über die S 127 gefallen. „Ein Ast hing so kompliziert über der Straße, dass wir eine ganze Weile brauchten, die Stelle zu beräumen“, sagt David Schwarz. Der stellvertretende Ortswehrleiter musste mit zwei Fahrzeugen und 15 Mitstreitern im Laufe des Abends noch acht weitere Einsätze absolvieren. Erst gegen 21.30 Uhr hatte sich die Situation soweit entspannt, dass die Kameraden nach Hause geschickt werden konnten.

Zuvor waren sie in Rothenburg an der Uhsmannsdorfer Straße aktiv, wo ebenfalls ein großer Baum den Windböen nicht mehr stand gehalten hatte. „Parallel dazu wurden wir zu einem Einsatz mit höherer Priorität gerufen: Im Martinshof hatte ein Brandmelder angeschlagen. Dazu rückten auch die Wehren aus Nieder-Neundorf, Lodenau und Niesky als Verstärkung an. Das Ganze entpuppte sich jedoch als Fehlalarm“, erläutert Schwarz. Wahrscheinlich sei im Dachboden, wo der Brandmelder hing, Staub aufgewirbelt worden und habe ihn ausgelöst. „Allerdings braucht das natürlich Zeit. Etwa eine halbe Stunde verging, ehe wir das als falschen Alarm gecheckt hatten.“

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Gerätehaus ging es um 19 Uhr Richtung Geheege und Dunkelhäuser, wo zwei Bäume Opfer des Sturms geworden waren. Ebenfalls in Dunkelhäuser war ein Baum in die Stromzuleitung eines Hauses gefallen. „Allerdings war das Kabel nur eingeklemmt, die Stromversorgung funktionierte noch. Die Bewohner konnten sich am nächsten Tag an ihren Versorger wenden“, so Schwarz. Immer wieder hätten auch Autofahrer angehalten und die Feuerwehrleute über weitere herabgefallene Äste informiert. „Wir sind daraufhin die Gemeindestraßen abgefahren und haben das Holz eingesammelt.“

Insgesamt fünf Einsätze mussten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Deschka absolvieren. Den ersten hatten sie zusammen mit den Rothenburgern in Kahlemeile. Auch auf der S 127 in Höhe Kulturinsel war ein Baum umgefallen. Der wurde mithilfe der Insulaner schnell entfernt. Daran schloss sich die Beseitigung einer umgestürzten Kiefer in der Deschkaer Kirschallee an, ehe man am Ahornweg bezeichnenderweise einen umgefallenen Ahorn beseitigte. „19.38 Uhr informierte uns die Leitstelle über einen weiteren abgeknickten Baum an der S 127. Insgesamt war der Sturm alles andere als lustig, weil man ja nie sicher sein konnte, dass man nicht selbst von einem Ast getroffen wird“, sagt Wehrleiter Enrico Neu.

Die drei Freiwilligen Feuerwehren von Hohendubrau – Groß Radisch, Gebelzig und Weigersdorf – wurden gegen 19.30 Uhr alarmiert. Vor der Förstgener Kreuzung in Richtung Weigersdorf hatte das Sturmtief einen Baum entwurzelt, der daraufhin die Straße versperrte. Die Kameraden der Wehren beseitigten ihn. Ansonsten gab es hier nur geringen Schaden – bis auf manchen umgeknickten Obstbaum beziehungsweise das eine oder andere zerrissene Folienzelt.

Dagegen hatten die Feuerwehrleute aus Förstgen etwas mehr zu tun, wie Hans Peter Schuster berichtet. Sie mussten zwischen 18 Uhr und 22.45 Uhr viermal ausrücken, um die Straßen bis hin nach Tauer, Mücka und Steinölsa von umgestürzten Bäumen zu beräumen.

Die Nieskyer Feuerwehr musste ebenfalls zu mehreren umgestürzten Bäumen ausrücken. Der vorerst letzte Einsatz war am Freitagnachmittag in Mückenhain, wo eine angebrochene Baumkrone vorsorglich abgesägt wurde. Wie Stadtwehrleiter Steffen Block berichtet, hatten die Kameraden bis Donnerstag gegen 22 Uhr Sitzbereitschaft. Standen sozusagen auf Abruf im Feuerwehrhaus bereit. Mehrere Bäume waren in und um Niesky vom Sturm entwurzelt beziehungsweise drohten umzufallen. Hinzu, so der Stadtwehrleiter, kam noch der Fehlalarm im Martinshof, zu dem die Nieskyer mit ausrücken mussten.

Zwei weitere Alarmierungen erfolgten am Freitag. An der Straße von See nach Sproitz war ein Baum umgekippt, ein weiterer in Stannewisch auf der Nieskyer Straße. Auch hier waren Kameraden mit Motorsägen im Einsatz.

Die Rettungsleitstelle Hoyerswerda registrierte am Donnerstag 150 Einsätze, am Freitag bis Mittag rund zehn, darunter zwei gekappte 20-Kilovolt-Stromleitungen in Groß Düben. Im Schwarzen Weg lagen laut Sven Lehmann von der Feuerwehr zwei Kabel auf der Straße, die Kameraden bis in die Nachmittagsstunden am Freitag abschirmten. Teilweise fielen Telefonanschlüsse aus. Entlang der Neiße waren 875 Haushalte über 24 Stunden ohne Strom. In Krauschwitz musste die B 156 zeitweise gesperrt werden. Ebenfalls gesperrt war die Bahnlinie Cottbus-Görlitz, allerdings nicht wegen Xavier. Am Donnerstagnachmittag war ein junger Mann in Weißwasser von einem Zug erfasst worden und gestorben.

Zusätzliche Arbeit brachte Sturmtief Xavier auch für die Energieversorger. Maxi Rudolph, Pressesprecherin der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom, berichtet, dass im Landkreis Görlitz insgesamt rund 4160 Kunden ohne Strom waren. Das betraf das Gebiet von Groß Düben über Weißwasser bis Werdeck. Hauptursache waren umgestürzte Bäume und herabfallende Äste. Die Reparaturarbeiten dauerten am Freitag noch an.