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Mittwoch, 30.12.2015

Wurde Nomi entführt?

Bei Pirna sind mehrere Katzen verschwunden. Die Besitzer hegen einen bösen Verdacht. Die Polizei warnt aber vor Gerüchten.

Von Carina Brestrich

Nomi ist wieder da: Zwei Wochen lang war die zwölf Jahre alte Katze verschwunden. Nun ist sie wieder zurück bei ihrer Familie. Besitzerin Katrin Herrmann glaubt nicht, dass Nomi einfach so weggelaufen ist.
Nomi ist wieder da: Zwei Wochen lang war die zwölf Jahre alte Katze verschwunden. Nun ist sie wieder zurück bei ihrer Familie. Besitzerin Katrin Herrmann glaubt nicht, dass Nomi einfach so weggelaufen ist.

© marko förster

Pirna. Für die Herrmanns aus Mühlsdorf war das Weihnachtsfest dieses Jahr ein ganz besonderes. Schließlich hätte um ein Haar ein Familienmitglied gefehlt: Katze Nomi war zwei Wochen lang verschwunden. Und das, obwohl sie sich eigentlich nie über die Grundstückgrenzen hinaustraut. „Am Ende hatten wir die Hoffnung schon aufgegeben“, erzählt Katrin Herrmann. Schließlich führten die Aushänge mit Nomis Foto zu dem entscheidenden Hinweis.

Eine Frau entdeckte die Katze kurz vor den Feiertagen im Nachbarort Daube. Wie sie dahingekommen ist, kann sich die Familie nur so erklären: „Wir glauben, dass sie jemand gefangen hat. Sowohl das Namensschild als auch das Flohhalsband fehlten.“ Noch etwas anderes bekräftigt sie in ihrer Annahme: Zur selben Zeit verschwanden auch in umliegenden Orten Katzen, wie die Herrmanns gehört haben. Ein Zufall?

Mit ihrem Verdacht ist die Mühlsdorfer Familie nicht allein. Birgit Weinrich aus Pirna vermisst ihre Katze mit dem ausgefallenen Namen Gurke seit Juni. Was ihren Stubentiger zugestoßen sein mag, und ob das Tier überhaupt noch lebt – das will sich die Heilpraktikerin gar nicht ausmalen. Immer wieder hört sie in ihrer Naturheil-Praxis Geschichten von vermissten Katzen.

Viele Gefahren für Freigänger

Und immer wieder ist dabei von Katzenfängern die Rede. So kursieren Gerüchte über mafiose Banden, die die schnurrenden Vierbeiner wegen ihres Fells fangen. Unterwegs sollen die allerdings nicht nur in der Sächsischen Schweiz sein. Vielmehr spekulieren Katzenbesitzer aus ganz Deutschland in Internetforen über die Gründe für das Verschwinden ihrer Katzen. Die Rede ist dabei auch von Animal Hoarding, einer krankhaften Tiersammelsucht, bei der die Betroffenen meist viele Tiere auf sehr kleinem Raum halten.

Dem Landratsamt sind solche Fälle bislang nicht bekannt. Auch wie viele Katzen in den vergangenen Monaten im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge verschwunden sind, kann die Behörde nicht sagen. Zwar würden Bürger immer wieder mal Vermutungen über die Gründe des Verschwindens ihrer Katzen äußern. Konkrete Hinweise über Katzenfänger oder katzenhortende Menschen sind beim Veterinäramt aber bislang noch nicht eingegangen.

So kann auch Amtstierärztin Benita Plischke nur vermuten, warum Katzen plötzlich verschwinden: „Wenn Katzen im Freien unterwegs sind, dann bestehen verschiedenste Gefahren für die Tiere“, sagt sie. Die Streuner könnten etwa dem Straßenverkehr, Revierkämpfen, Raubvögeln oder anderen Raubtieren zum Opfer fallen. Eine Katzenfellmafia dagegen erscheint der Veterinärmedizinerin als unwahrscheinlich. Denn das würde zum einen auffallen und sich zum anderen für die vermeintlichen Täter finanziell nicht lohnen, sagt Benita Plischke. „Eine Einfuhr wäre da wahrscheinlicher.“ Aber auch illegal: Seit 2009 ist der Handel mit Katzenfellen EU-weit verboten.

Suche über Facebook vielversprechend

Wie das Landratsamt vermutet auch die Polizei nicht-kriminelle Ursachen hinter dem plötzlichen Verschwinden von Katzen. Stattdessen warnt sie vor Verschwörungstheorien. So halten sich Horrorgeschichten über Katzenfänger schon seit den 90er-Jahren. Bisher jedoch seien der Polizei weder zu verdächtigen Katzenfängern noch zu katzenhortenden Menschen Hinweise bekannt. „An solchen Aussagen ist meist nicht viel dran“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion in Dresden. Dass sie in Umlauf geraten und so auch Unsicherheit bei Katzenhaltern verbreiten, liegt vor allem an den sozialen Netzwerken wie Facebook. „Dort verbreiten sich Gerüchte oder Informationen vom Hörensagen sehr schnell“, sagt er.

Erst, wenn wirklich konkrete Hinweise vorliegen, sollten sich Katzenbesitzer an die Polizei wenden. Andernfalls rät sie, sich bei den Tierheimen in der Umgebung zu melden und diese über das vermisste Tier zu informieren.

Im Tierheim in Pirna etwa gehen tatsächlich immer wieder Anrufe von verzweifelten Katzenbesitzern ein. Weiterhelfen kann dies bei der Suche aber nur bedingt. „Wir empfehlen den Betroffenen Aushänge zu machen und über soziale Netzwerke zu suchen“, sagt Tierheimleiterin Meika Jehn. Das erhöhe die Chancen, den geliebten Stubentiger wiederzufinden, führe allerdings nur in Einzelfällen zum Erfolg: „Leider finden die Besitzer ihre Katzen nur selten wieder“, sagt Meika Jehn.