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Mittwoch, 27.09.2017

Wolf reißt Damwild in Daubitz

26 Tiere sterben, nachdem sich der Wolf Zugang in ein Wildgatter verschafft hat. Nun soll es besser geschützt werden.

Ein Wolf tötet 26 Tiere in Daubitz.
Ein Wolf tötet 26 Tiere in Daubitz.

© dpa

Daubitz. Er muss nicht nur einmal dagewesen sein. Diese Vermutung liegt nahe, wenn am Dienstag vor zwei Wochen 26 tote Tiere in einem Wildgatter in Daubitz entdeckt wurden. Da der Eigentümer des Wildgatters für Damwild den Vorfall nicht öffentlich machen wollte, ist dieser erst in dieser Woche bekannt geworden. Auf Nachfrage im Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in Rietschen wurde der SZ der Vorfall bestätigt. „Uns liegt inzwischen das Gutachten des Wolfsachverständigen vor, in dem der Wolf als Verursacher genannt wird“, sagte Jana Endel vom Kontaktbüro.

Der Wolf hatte leichten Zugang zu dem Damwild, das wurde bei der Schadensbegutachtung am 12. September festgestellt. „Der Zaun ist sehr alt, und es fehlte ein Schutz gegen Untergraben durch den Wolf“, erklärte die Wolfsexpertin. Da das Wildgatter einen hohen Bewuchs aufweist und nicht alle Ecken jeden Tag aufgesucht werden, hat der Wolf, es können auch mehrere Tiere gewesen sein, wahrscheinlich über mehrere Tage am Damwild seinen Hunger gestillt.

André Klingenberger vom Sachsenforst und zuständig für die Koordinierung Herdenschutz und Beratung von Tierhaltern ist überzeugt, dass dieser Wolfsriss hätte vermieden werden können. „Vor zehn Jahren bekam der Betreiber vom Freistaat Elektrolitze zum Schutz seines Gatters zur Verfügung gestellt. Aber die war inzwischen eingewachsen und außer Betrieb“, sagt der Forstfachmann.

Jetzt geht es darum, die noch verbliebenen Tiere vor einem weiteren Wolfsangriff zu schützen. Wie aus dem Kontaktbüro zu erfahren ist, sollen dazu zwei freiwillige Arbeitseinsätze an dem Wildgatter stattfinden. Am Mittwoch und Sonnabend will der Betreiber gemeinsam mit Helfern die Umhausung wolfsicher machen. Dabei geht es nicht allein um den Schutz vor dem Wolf, sondern auch darum, das Gatter so herzurichten, dass im Fall eines Wolfsübergriffs die Entschädigung gezahlt wird.

Jetzt könnte es auch eine geben, ist sich André Klingenberger sicher, denn das Damwild ist in einem mit einem Zaun abgesperrten Gebiet untergebracht. Dennoch wäre ein Festzaun mit Untergrabungsschutz um das gesamte Gatter besser, urteilt er.

In seinem Ausmaß fällt der Daubitzer Fall von anderen Wolfrissen schon auf. Das bestätigt die Statistik des Wolfsbüros: 2017 wurden dem Freistaat Sachsen bis zum 13. September 63 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet. In 24 Fällen wurde der Wolf als Verursacher festgestellt beziehungsweise kann nicht ausgeschlossen werden. Dabei wurden 65 Tiere getötet, fünf verletzt und acht Tiere sind vermisst. Im Jahr davor wurden 71 Fälle an Übergriffen auf Nutztiere und Gatterwild gemeldet. In 43 Fällen war der Wolf als Verursacher wahrscheinlich oder nicht auszuschließen. Getötet wurden 219 Tiere. Die hohe Zahl begründet sich dadurch, dass eine Schafherde mit 70 Tieren in Schwepnitz und eine mit 31 Tieren in Cunnewitz (beides Kreis Bautzen) dem Wolf zum Opfer fielen. In Kaltwasser starben 15 Schafe auf einen Schlag. Schaut man sich die Wolfschäden für Sachsen längerfristig an, zeigt sich nach einem Hoch 2011 mit 38 Angriffen und absinken auf 20 im Folgejahr seitdem wieder ein Ansteigen.

Rückblickend von dem aktuellen Fall in Daubitz schlug mit hoher Wahrscheinlichkeit der Wolf am 1. September in Weigersdorf zu. Sein Opfer wurden zwei Schafe. Dieser Fall ist noch in Bearbeitung. Fest steht der Wolf als Täter bei dem Übergriff in Kodersdorf am 30. August (SZ berichtete). Dort wurden zwei Schafe getötet und eine Ziege, die auf ihrer Flucht im Schöps ertrank. Was bei diesem Vorfall aufhorchen lässt, ist die Tatsache, dass es der Wolf bis an die Wohnhäuser heran geschafft hatte, um die Haustiere zu reißen.