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Montag, 10.07.2017

Wohnen ohne Hindernisse

Sachsen übernimmt Vorreiterrolle und legt als erstes Bundesland eine Studie zu den Wohnbedürfnissen von Menschen mit Behinderungen vor.

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© Miroslawa Müller

Ist im Bad genügend Bewegungsspielraum vorhanden? Kann die Wohnung schwellen- und stufenlos erreicht werden? Können die Fenster trotz Behinderung geöffnet werden? - Diesen und vielen anderen Fragen wurde in einer großangelegten und gezielten Studie zur Wohnsituation von Menschen mit Behinderungen nachgegangen. Vorgestellt wurde diese neue Studie während der 6. Offenen Tagung des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Frühjahr dieses Jahres in Dresden. Mehr als 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nahmen an der Diskussion teil. Die Studie wurde vom Sächsischen Staatsministerium des Innern in Auftrag gegeben und ist eine Maßnahme des Aktionsplans der Staatsregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, der im vergangenen Jahr beschlossen wurde.

Diskrepanz zwischen Angebot und Bedarf an barrierefreiem Wohnraum

„Bedarfsgerechten barrierefreien Wohnraum zu finden, stellt nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Familien mit Kindern und viele ältere Menschen vor große Schwierigkeiten. Wie die Studie verdeutlicht, sind das aktuelle Angebot und der zukünftige Bedarf an barrierefreiem Wohnraum weit voneinander entfernt“, so der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Stephan Pöhler. „Die Anpassung des Wohnungsbestandes wird sich zu einer der dringendsten gesellschaftlichen Aufgaben im Freistaat Sachsen entwickeln.“

Für die Studie wurden 2 400 Antworten von Menschen mit Behinderungen aller Altersgruppen sowie unterschiedlichsten Arten an Handicaps im Landkreis Bautzen, dem Erzgebirgskreis und der Stadt Leipzig exemplarisch ausgewertet. Dabei wurden insbesondere motorische oder sensorische Einschränkungen berücksichtigt und die spezifischen Wohnanforderungen für diese Personengruppen ermittelt. In fünf Kriterienkatalogen wurde aufgeführt, wie die Ausstattung von Wohnung und unmittelbarem Umfeld aussehen sollte, damit sie bedarfsgerecht ist. Danach ist momentan nur bei etwa 12 Prozent der Wohnungen für Menschen mit einer motorischen Behinderung von einer Bedarfsgerechtigkeit auszugehen, bei Wohnungen für Menschen mit einer sensorischen Beeinträchtigung liegt der Wert dagegen bei 42 Prozent. Der größte Anpassungsbedarf besteht bei Wohnungen und dem Umfeld für Menschen, die einen Elektro-Rollstuhl oder Rollstuhl mit Hilfsperson benötigen. „Die Ergebnisse bestätigen die Erwartungen: Viele Menschen mit Behinderungen wohnen in Wohnungen, die ihren Einschränkungen nicht gerecht werden“, so Stephan Pöhler.

Um den Handlungsbedarf, der aus der Studie hervorgeht, voranzubringen, erarbeitet das sächsische Innenministerium eine entsprechende Richtlinie zur Anpassung von Wohnraum an die Bedürfnisse von behinderten Bewohnern, um deren Alltag zu erleichtern. „Wir werden weitere Anstrengungen unternehmen, um die Bedarfsgerechtigkeit insbesondere für Rollstuhlfahrer zu verbessern“, betonte Innenminister Markus Ulbig.

Links: Die neue Studie „Bedarfsgerecht barrierefreier Wohnraum in Sachsen“ ist unter folgenden Links abrufbar:

ENDBERICHT Barrierefreies Wohnen

sowie: Studie Bedarfsgerecht barrierefrei Wohnen