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Montag, 23.10.2017

Wölfe reißen zwei Dutzend Schafe

Offenbar hat das Rosenthaler Rudel wieder zugeschlagen – und ein ganzes Dorf in Ausnahmezustand versetzt.

Von Sebastian Kositz

Für Schafzüchter Sven Schlafke aus Laske ist es ein entsetzlicher Verlust. Zwei Dutzend seiner Tiere fielen der jüngsten Wolfsattacke zum Opfer.
Für Schafzüchter Sven Schlafke aus Laske ist es ein entsetzlicher Verlust. Zwei Dutzend seiner Tiere fielen der jüngsten Wolfsattacke zum Opfer.

© Foto: René Plaul

Ralbitz-Rosenthal. Beinah das gesamte Dorf ist an diesem Sonntagmorgen auf den Beinen: Überall in Laske bei Ralbitz liegen die Kadaver verendeter Schafe und verwundete Tiere, die noch mit dem Leben ringen. Offenkundig hat in den frühen Morgenstunden wieder einmal das Rosenthaler Problemrudel zugeschlagen und eine Herde mit etwa 200 Schafen attackiert. Zwei Dutzend Tiere fielen den Wölfen zum Opfer, mindestens.

Fassungslos blickt Sven Schlafke am Nachmittag auf den Haufen toter Tiere. Über den Tag hatten die Menschen aus dem Dorf gemeinsam die Kadaver zusammengetragen und verletzte Tiere geborgen. Diese mussten dann von einem Tierarzt eingeschläfert werden. In den umliegenden Wäldern und auf den Feldern patrouillierten Jäger, auch sie mussten Tiere, die sich mit ihren Verletzungen bis hier her geschleppt hatten, erlösen. Zudem mussten Schafe eingefangen werden, weil sie nach dem Angriff verschreckt geflüchtet waren.

Flatterband, hohe Zäune – alles, wie es gefordert wird, erklärt Sven Schlafke, der für seine Schafe so gut wie alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatte. Genutzt hat es allerdings nichts. Bereits zum zweiten Mal haben die Wölfe nun seine Herde angegriffen. Er findet kaum Worte für das, was sich da an diesem Sonntagmorgen abgespielt hat. Der Schock und die Verzweiflung sitzen bei ihm hörbar tief.

Forderung: „Die Wölfe müssen weg“

Doch nicht nur bei Sven Schlafke, auch im Nachbarort Ralbitz waren die Wölfe an diesem Morgen wohl wieder aktiv. Bei einem Schäfer, der in der Vergangenheit ebenfalls und trotz aller denkbaren Vorkehrungen bei verschiedenen Angriffen des Rudels inzwischen insgesamt mehrere Dutzend Schafe eingebüßt hatte, erwischte es nach Angaben der Polizei erneut zwei Tiere. Der Schäfer aus Ralbitz soll einen der Wölfe am Morgen gegen acht Uhr sogar durch den Ort laufen gesehen haben. „Die Wölfe müssen weg“, erklärt Sven Schlafke und spricht damit aus, was offenkundig viele Menschen in der Region denken.

Tatsächlich steht das Rosenthaler Rudel wegen der anhaltenden Übergriffe bereits seit Monaten im Fokus einer zunehmend härter geführten Debatte. Schon mehrfach hatte Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) die Erlaubnis zum Abschuss einzelner Wölfe des Rosenthaler Problemrudels gefordert – war damit aber immer wieder beim Umweltministerium in Dresden abgeblitzt. Erst in der vergangenen Woche hatte die Behörde das Ansinnen einmal mehr zurück gewiesen und auf die Notwendigkeit weiterer Prüfungen und Bewertungen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes bestanden.

Landrat Harig ist vor Ort

Landrat Michael Harig war am Sonntag selbst vor Ort in Laske – als Vertreter des zuständigen Landratsamtes, aber auch, um sich ein Bild über die Ausmaße zu machen. Der Politiker, in seiner Freizeit selbst Schafzüchter, erneuerte bei dieser Gelegenheit seine Forderungen nach einem Abschuss. „Ich werde nach diesem Vorfall das Anliegen in Dresden wieder vorbringen“, kündigt Michael Harig an – wohl wissend, wie er offen sagt, dass er damit möglicherweise wieder keinen Erfolg haben werde.

Aus Sicht von Michael Harig darf der Artenschutz nicht über den Schutz der Nutztiere gestellt werden. Er sieht gerade in den betroffenen Gemeinden im Landkreis den wachsenden Frust der Menschen über die gegenwärtige Situation. „Ich bin nicht gegen den Artenschutz. Aber es braucht auch endlich Verständnis für die betroffenen Nutztierhalter“, erklärt Michael Harig.

Einen ersten Vorstoß für eine Abschussgenehmigung hatte Michael Harig bereits im Frühjahr unternommen – nachdem ein Wolf in Großdöbschütz in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung aufgetaucht war. Wegen der strengen Artenschutzvorgaben war das Ansinnen aber bisher gescheitert.

Landkreis will schneller reagieren

Unterdessen kündigte Michael Harig allerdings auch anderweitig Konsequenzen an. Als Chef der Kreisverwaltung erwägt er jetzt einen Bereitschaftsdienst einzurichten, damit die Behörde bei erneuten Übergriffen rascher und noch besser reagieren kann. So seien zuständige Mitarbeiter am Sonntag gar nicht oder zumindest nicht sofort erreichbar gewesen, so Michael Harig.

Ob es in Laske und Ralbitz bei den zwei Dutzend toten Tieren bleibt, ist offen. Bis zum Abend wurde die ganze Gegend abgesucht und zumindest mit weiteren Funden gerechnet. Ein Rissgutachter soll am Montag die Kadaver unter die Lupe nehmen.