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Freitag, 04.01.2013

Wöhrl übernimmt SinnLeffers - Modehäuser sollen erhalten bleiben

Mehr als vier Jahre nach der SinnLeffers-Insolvenz beginnt für die 2.000 Mitarbeiter ein neues Kapitel: Die Nürnberger Modekette Wöhrl übernimmt die Hagener. Entlassungen oder Standortschließungen sind vorerst nicht geplant.

Der Aufsichtsratsvorsitzende von SinnLeffers, Patrick Feller (vorne, v.l.), der Unternehmer Gerhard Wöhrl, der Geschäftsführer bei SinnLeffers, Karsten Oberheide, der Unternehmer Olivier Wöhrl (hinten, v.l.), der Geschäftsführer bei SinnLeffers, Abram Nette, und ein Mitarbeiter der Presse posieren vor der Zentrale der Textilhandelskette SinnLeffers in Hagen. Wöhrl übernimmt die Textilhandelskette SinnLeffers und erhöht damit die Zahl seiner Modehäuser in Deutschland deutlich.
Der Aufsichtsratsvorsitzende von SinnLeffers, Patrick Feller (vorne, v.l.), der Unternehmer Gerhard Wöhrl, der Geschäftsführer bei SinnLeffers, Karsten Oberheide, der Unternehmer Olivier Wöhrl (hinten, v.l.), der Geschäftsführer bei SinnLeffers, Abram Nette, und ein Mitarbeiter der Presse posieren vor der Zentrale der Textilhandelskette SinnLeffers in Hagen. Wöhrl übernimmt die Textilhandelskette SinnLeffers und erhöht damit die Zahl seiner Modehäuser in Deutschland deutlich.

© dapd

Hagen. Der Nürnberger Modehändler Wöhrl übernimmt die Hagener Modekette SinnLeffers mit ihren rund 2.000 Beschäftigten. Durch den Zusammenschluss entsteht ein Handelsunternehmen mit 60 Modehäusern, mehr als 4.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 600 Millionen Euro, wie beide Unternehmen am Freitag in Hagen mitteilten. Die beiden Marken Wöhrl und SinnLeffers sollen erhalten bleiben und alle Häuser fortgeführt werden. Über die Einbindung der SinnLeffers-Zentrale in Hagen in die neu formierte Gruppe würden in Kürze Gespräche aufgenommen. In der Hagener Zentrale arbeiten rund 120 Menschen. Zum Kaufpreis gab es keine Angaben.

„SinnLeffers passt perfekt zu Wöhrl“, sagte Senior-Unternehmenschef Gerhard Wöhrl. Beide Ketten ergänzten sich nahezu ideal mit ihren Standorten und ihrer Geschäftsauffassung. Wöhrl erweitere mit dem Kauf seine regionale Reichweite deutlich. Wöhrl ist vor allem in Bayern und Ostdeutschland vertreten, SinnLeffers im Westen und Norden.

Die Übernahme bringe beiden Seiten Vorteile bei Einkauf, Marketing und Kundenansprache, sagte SinnLeffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide. Wöhrl sei als langfristig ausgerichtetes Familienunternehmen ein „gutes Zuhause“. Das Bundeskartellamt muss dem Geschäft noch zustimmen.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte, sie sei erst kurz vor der Bekanntgabe über die Fusion informiert worden. Verdi gehe davon aus, dass die Beschäftigten bei SinnLeffers zu gleichen Konditionen und Arbeitsbedingungen weiter beschäftigt bleiben. Bei Wöhrl existiere bislang keine Tarifbindung für den Einzelhandel. „Wer Geld für Expansionen in dieser Größenordnung hat, sollte auch Geld für eine tarifgerechte Entlohnung der Beschäftigten haben.“

SinnLeffers hatte im Sommer 2008 Planinsolvenz angemeldet. Seit dem Ende des Verfahrens ist das Unternehmen mit deutlich verkleinertem Ladennetz und halbierter Mitarbeiterzahl am Markt. Die Firma habe seit 2008 den Umsatz um sieben Prozent gesteigert und „substanziell in die Häuser investiert“, sagte Aufsichtsratschef Patrick Feller. SinnLeffers arbeite profitabel, Zahlen nannte Feller aber nicht.

SinnLeffers war 1997 durch die Fusion aus den zwei kleineren Traditions-Modehäusern Sinn und Leffers entstanden. Von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener KarstadtQuelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. Die DIH verkauft nun ihre Anteile. Die Hagener Kette bietet überwiegend Drittmarken an. Damit könne das Angebot jederzeit dem wechselnden Käufergeschmack angepasst werden, sagte Geschäftsführer Oberheide. Im März will SinnLeffers auch in den Online-Handel einsteigen.

Das Familienunternehmen Rudolf Wöhrl AG erzielte nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2010/11 mit 2400 Mitarbeitern an 38 Standorten vor allem in Süd- und Ostdeutschland einen Umsatz von 346 Millionen Euro. SinnLeffers beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter in 22 Häusern. Der Jahresumsatz liegt nach Angaben des Sprechers bei gut 300 Millionen Euro. (dpa)

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