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Montag, 26.06.2017

Wo Tiere Urlaub machen

In den Ferien suchen viele Hunde- und Katzenbesitzer Unterkünfte für ihre Lieblinge. Die sind entsprechend ausgebucht.

Von Ines Eifler

Die Mischlingshündin Gipsy hat schon oft die Ferien in Cindy Schulzes Hundekindergarten am Rande von Zentendorf verbracht. Seit dem Ferienbeginn am Sonnabend ist sie in größerer Gesellschaft als hier auf dem Foto.
Die Mischlingshündin Gipsy hat schon oft die Ferien in Cindy Schulzes Hundekindergarten am Rande von Zentendorf verbracht. Seit dem Ferienbeginn am Sonnabend ist sie in größerer Gesellschaft als hier auf dem Foto.

© pawel sosnowski/80studio.net

Görlitz. Die kleine Gipsy fühlt sich wohl auf Cindy Schulzes Arm. Die beiden kennen sich schon seit fast vier Jahren. Damals kam Gipsy als Welpe aus dem Tierheim in den „Hundekindergarten“ am Rande von Zentendorf, blieb aber nur kurz, weil sich ein Paar aus Görlitz bald in das Tier verliebte und es mitnahm. „Seitdem ist Gipsy immer wieder bei mir“, sagt Cindy Schulze, „immer, wenn ihre Besitzer in den Urlaub fahren“. So ist es oft: Hunde, die Cindy Schulze vermitteln konnte, manchmal bis nach Dresden, machen später Urlaub bei ihr. Sie können dann mit anderen Hunden auf der großen Wiese toben und schlafen nachts in Cindy Schulzes Haus.

Für Gipsy war es in der vergangenen Woche noch recht ruhig. Seit Ferienbeginn am Sonnabend aber ist sie in großer Gesellschaft von mehreren anderen Hunden, die meisten davon sind Tierpensionsgäste wie sie. „In den Ferien ist mehr zu tun als sonst“, sagt Cindy Schulze. Sie hat zwar immer eine größere Gruppe von Hunden in ihrem Hundekindergarten, aber außerhalb der Urlaubszeit sind die meisten Tiere Tagesgäste, die von ihren Besitzern abends nach der Arbeit wieder abgeholt werden. Im Sommer bleiben die Tagesgäste oft aus, dafür sind mehr Hunde und auch einige Katzen für ein bis drei Wochen rund um die Uhr da. Bis Ende Juli ist Cindy Schulzes Hundepension restlos ausgebucht.

Genauso ist es auch in der Tierpension von Barbara Chlebnitschek in Kunnersdorf Feldhäuser. „Die ersten haben schon im Januar für den Sommer einen Platz reserviert“, erzählt sie. Zwar sind in diesem Jahr nicht ganz so viele Tiere da wie sonst, aber das liegt nicht an mangelndem Bedarf. Sondern die Tierpensionswirtin ist mit ihren 65 Jahren seit 2017 Rentnerin und plant langsam ihren Ruhestand. Seit Freitag ist ihre Tierpension dennoch voll belegt. Bis zu elf Hunde und 25 Katzen kann Barbara Chlebnitschek aufnehmen, dazu einige Vögel. Darauf hat sie sich vor Ferienbeginn gut vorbereitet, hat alle Zimmer geputzt und hergerichtet und eine Menge Futter eingekauft. „Und ich musste ausgeruht in diese Zeit gehen.“ Denn in den nächsten Wochen wird sie rundum beschäftigt sein.

Wichtig ist für beide Tierpensionbetreiberinnen, sowohl in Kunnersdorf als auch in Zentendorf, dass sie sich mit den Tieren verstehen und die Tiere miteinander klarkommen. „Bei mir ist jeder neue Hund einen Tag zur Probe da“, sagt Cindy Schulze. Manche seien ganz leicht zu integrieren und ließen ihr Herrchen links liegen, sobald sie das große Gelände mit den spielenden Hunden sähen. Andere, zum Beispiel Spitze, seien oft sehr auf ihre Besitzer fixiert und hätten lange mit Sehnsucht zu kämpfen. „Wenn ich am Schnuppertag merke, dass der Hund sogar den 1,80 Meter hohen Zaun überwinden würde, um sein Herrchen zu suchen, dann muss ich ablehnen“, sagt Cindy Schulze. „Schließlich will jeder sein Tier gesund zurück.“ Um die Hunde gleich von Anfang an gut einschätzen zu können, holt sie sich Unterstützung von ihren eigenen Hunden, darunter eine erfahrene alte und eine ganz junge Hündin. An deren Reaktionen kann sie ablesen, wie sie das Verhalten der neuen Hunde einzuordnen hat.

Barbara Chlebnitschek sagt aus 22 Jahren Erfahrung, es dauere meist bis zu drei Tagen, bis sich ein Tier an sie gewöhnt habe. Manche Hunde brauchten diese Zeit, Katzen eher nicht, weil sie viel weniger auf den Menschen fixiert seien. „Am liebsten sind mir Tiere, die immer wieder zu mir kommen“, sagt sie. Manche Besitzer sind schon seit ihrer Eröffnung 1995 Stammkunden, inzwischen schon mit dem zweiten oder dritten Tier. Eine Katze kam sogar 20 Jahre lang jeden Sommer in die Pension.

Aber nicht alle Tierbesitzer geben ihre Lieblinge während der Ferien wirklich in gute Obhut oder lassen sie von Nachbarn oder Freunden betreuen. Das bekommt dann das Tierheim Krambambuli zu spüren. „Leider setzen manche Leute ihre Tiere einfach aus“, sagt Tierheimleiter Peter Vater, „vor und in den Ferien spüren wir das deutlich.“ Erst vorige Woche seien sieben junge Welpen im Kidrontal gefunden worden. Sie sind noch so klein, dass sie im Tierheim bleiben müssen, bis sie etwas älter sind. Peter Vater rechnet damit, dass im Tierheim auch in diesem Sommer wieder zehn bis 15 Prozent mehr Tiere Zuflucht finden als zu anderen Zeiten. Tiere von Urlaubern nimmt das Tierheim überhaupt nicht auf. „Wir kümmern uns lediglich um Fundtiere“, sagt Vater, „Tiere, die nur in den Ferien eine Unterkunft brauchen, sind in den Tierpensionen gut aufgehoben.“