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Dienstag, 21.11.2017

Wo mieten, kaufen, wohnen sich jetzt lohnen

Eine neue Studie sieht schwarz für den Wert von Immobilien in Sachsen. Die Kauflaune der Menschen dämpft das nicht.

Von Dominique Bielmeier

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„Betongold“ nennen es Wirtschaftswissenschaftler, wenn sie die vermeintliche Sicherheit von Immobilien vor Wertverfall beschreiben. In Zeiten niedriger Zinsen investieren viele Menschen lieber in Häuser und Wohnungen als in Geldanlagen. Doch auch die sind nicht vor Wertverlust gefeit, zeigt eine Studie der Postbank.
„Betongold“ nennen es Wirtschaftswissenschaftler, wenn sie die vermeintliche Sicherheit von Immobilien vor Wertverfall beschreiben. In Zeiten niedriger Zinsen investieren viele Menschen lieber in Häuser und Wohnungen als in Geldanlagen. Doch auch die sind nicht vor Wertverlust gefeit, zeigt eine Studie der Postbank.

© Christin Klose/dpa

  • „Betongold“ nennen es Wirtschaftswissenschaftler, wenn sie die vermeintliche Sicherheit von Immobilien vor Wertverfall beschreiben. In Zeiten niedriger Zinsen investieren viele Menschen lieber in Häuser und Wohnungen als in Geldanlagen. Doch auch die sind nicht vor Wertverlust gefeit, zeigt eine Studie der Postbank.
    „Betongold“ nennen es Wirtschaftswissenschaftler, wenn sie die vermeintliche Sicherheit von Immobilien vor Wertverfall beschreiben. In Zeiten niedriger Zinsen investieren viele Menschen lieber in Häuser und Wohnungen als in Geldanlagen. Doch auch die sind nicht vor Wertverlust gefeit, zeigt eine Studie der Postbank.

Landkreis Meißen. Die Zinsen sind niedrig wie nie, die Sehnsucht nach dem Eigenheim und dem idyllischen Landleben wächst. Gerade viele junge Familien sind daher auf der Suche nach einem Haus oder einer Eigentumswohnung, auch im Landkreis Meißen. Doch eine neue Studie der Postbank dämpft die Euphorie: Der Wert von Immobilien in Sachsen soll in den kommenden Jahren flächendeckend sinken, echte Immobilienschätze seien bei uns kaum zu finden. Trotzdem lohnt ein zweiter Blick auf die Zahlen. Die Ergebnisse im SZ-Überblick.

Was hat die Studie der Postbank untersucht?

Für den Wohnatlas 2017 hat das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) insgesamt 402 deutsche Landkreise und kreisfreie Städte untersucht und anhand von Regionaldaten wie Bevölkerungs- und Altersstruktur, Einkommen und Wohnausgaben errechnet, wie sich der Wert von Immobilien bis 2030 verändern wird. Grobes Fazit: In 45 Kreisen und Städten sind die Bedingungen besonders günstig. In mehr als der Hälfte aller Kreise und Städte können Haus- und Wohnungsbesitzer davon ausgehen, dass ihre Immobilie bis 2030 an Wert zulegen wird. Doch, wie so oft: Das West-Ost-Gefälle ist groß.

Wo lohnt sich der Kauf von Immobilien gerade besonders?

Zu den begehrtesten Standorten zählen laut Georg Hoogendijk, Geschäftsführer der Postbank Immobilien GmbH, die Landkreise rings um Hamburg. Auch nahe Berlin gebe es „vergleichsweise günstige Immobilien mit Potenzial“, außerdem zum Beispiel in mehreren Kreisen im Dreiländereck Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen.

In den Großstädten sind die Immobilienpreise den Mieten dagegen längst enteilt: In München, Hamburg und Berlin liegen die Kaufpreise schon bei rund 30 Jahresnettokaltmieten. Deshalb sind die Chancen für Investitionen außerhalb der Großstädte deutlich besser.

Wie schneiden Sachsen und der Landkreis Meißen ab?

Das Stadt-Land-Gefälle zeigt sich auch im Freistaat: Nur in den Städten Dresden und Leipzig entwickeln sich die Preise in den nächsten Jahren positiv und Investitionen lohnen sich. In Chemnitz und den sächsischen Landkreisen ist dagegen nicht mit einem Wertgewinn oder sogar mit einem Verlust zu rechnen (siehe Grafik).

Bis 2030 werden die Immobilienpreise im Landkreis Meißen nach der Berechnung des HWWI um 1,85 Prozent sinken. Im vergangenen Jahr zahlten Käufer hier durchschnittlich rund 19,6 Jahresnettokaltmieten für eine Wohnung von 100 Quadratmetern. Damit würde sich der Trend umkehren, denn von 2012 bis 2016 sind die Preise um fünf Prozent gestiegen. Rund 1 300 Euro kostete der Quadratmeter im vergangenen Jahr. Vier Jahre zuvor waren es noch rund 1 200 Euro. Verglichen mit der Preissteigerung in Leipzig (Stadt: 29 Prozent, Landkreis: 30 Prozent), Dresden (16,5 Prozent) und der Sächsischen Schweiz (16 Prozent) ist das noch moderat.

Wo hat der Landkreis die Nase vorn?

Meißen ist einer der wenigen Landkreise, in denen das Wachstum des verfügbaren Einkommens in den Jahren 2012 bis 2016 (5,3 Prozent) über dem Wachstum der Preise (5 Prozent) liegt. Sind dagegen in der Landeshauptstadt die Preise um satte 16,5 Prozent gestiegen, waren es bei den Löhnen im gleichen Zeitraum nur elf Prozent. Außerdem können sich im Kreis Meißen – wie in den meisten deutschen Kreisen – Familien mit zwei Kindern und durchschnittlichem regionalen Haushaltseinkommen immer noch mehr als 200 Quadratmeter Wohnfläche leisten.

Wie sieht die Realität auf dem Immobilienmarkt aus?

Der Markt lässt sich von den Prognosen nicht abschrecken und boomt regelrecht, vor allem in der Stadt Meißen. Hier haben sich die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser in bestimmten Segmenten laut Immowelt.de innerhalb eines Jahres verdoppelt. In Riesa und Radebeul steigen die Kaufpreise für Häuser laut dem Portal seit Mai wieder steil an, in Großenhain seit November 2016. Die Preise für Wohnungen bleiben in Radebeul und Riesa dagegen seit einem Jahr fast stabil, in Großenhain wurden vor allem kleinere Wohnungen (40 bis 80 Quadratmeter) von März bis Mai um rund 120 Euro je Quadratmeter teurer.