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Montag, 17.07.2017

Wo das Runde nicht ins Eckige muss

In Ottendorf-Okrilla rollt beim Soccergolf der Fußball über das Fairway. Die Trendsportart bietet für jedermann eine riesige Portion Spaß.

Von Nadine Steinmann

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Der Fußball ist drin! Simon spielt bei schönstem Sommerwetter liebend gern Fußballgolf in Ottendorf-Okrilla. Auf 18 Bahnen muss er dabei Ballgefühl beweisen und verschiedene Hindernisse überwinden. Archivfoto: Willem Darrelmann
Der Fußball ist drin! Simon spielt bei schönstem Sommerwetter liebend gern Fußballgolf in Ottendorf-Okrilla. Auf 18 Bahnen muss er dabei Ballgefühl beweisen und verschiedene Hindernisse überwinden. Archivfoto: Willem Darrelmann
  • Der Fußball ist drin! Simon spielt bei schönstem Sommerwetter liebend gern Fußballgolf in Ottendorf-Okrilla. Auf 18 Bahnen muss er dabei Ballgefühl beweisen und verschiedene Hindernisse überwinden. Archivfoto: Willem Darrelmann
    Der Fußball ist drin! Simon spielt bei schönstem Sommerwetter liebend gern Fußballgolf in Ottendorf-Okrilla. Auf 18 Bahnen muss er dabei Ballgefühl beweisen und verschiedene Hindernisse überwinden. Archivfoto: Willem Darrelmann
  • Interaktiver SchlossbesuchDass die Bierstadt Radeberg ein Schloss hat, dürfte längst nicht mehr so viele überraschen. Denn das interaktive Museum hat sich weit über Radeberg hinaus als familientauglich einen Namen gemacht. Montag geschlossen. Fotos: Thorsten Eckert

    Interaktiver Schlossbesuch

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  • PlanetenwanderwegDas gibt es wohl nur in Radeberg: Spazieren gehen zwischen Planeten! Start ist am Schloss, von dort geht’s auf dem „normalen“ Wanderweg ins Hüttertal. Dort stehen dann spannende Info-Tafeln mit den Planeten unseres Sonnensystems.

    Planetenwanderweg

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  • BierstadtpfadStadtführung per Handy? Auch das ist in Radeberg möglich. Auf dem Bierstadtpfad zwischen Bahnhof und Schloss durch die Innenstadt. Auf bunten Info-Tafeln gibt es Wissenwertes – und per QR-Code zudem spannende Hintergründe aufs Handy.

    Bierstadtpfad

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Es sind nur noch wenige Meter bis zum Ziel. Ein sanfter Schuss, der sollte genügen. Doch was ist, wenn der Schuss zu zart ist, und der Ball nur Zentimeter vor dem Loch liegen bleibt? Oder wenn zu viel Kraft im Spiel ist, und der Ball über das Zielloch hinweghüpft? Gelingt der Schuss am besten mit der Fußspitze oder mit der Seite? All diese Gedanken macht sich der kleine Simon nicht. Er schießt einfach – und landet einen Treffer! Die Freude ist groß, der Junge hüpft siegesgewiss um das Loch herum. Wenn er so weiter macht, holt er sich den Gesamtsieg an diesem Tag. Nur noch wenige Bahnen liegen vor ihm.

Doch was spielt Simon überhaupt? Hier ein paar Tipps: Es geht um Präzision, es geht um Fußball, es geht um Treffsicherheit und vor allem um den Spaß. Der weltweit bekannte Spruch „Das Runde muss ins Eckige“ des ehemaligen deutschen Bundestrainers Sepp Herberger trifft bei diesem Spiel aber nicht zu. Auch, wenn der Fußball das wichtigste Spielgerät ist. Doch statt ins Eckige muss der Fußball bei dieser Trendsportart ins Runde. Haben Sie es erraten? Na klar! Simon spielt Fußballgolf. Und zwar in Ottendorf-Okrilla.

Seit 2011 gibt es die knapp fünf Hektar große Anlage auf dem Wachberg kurz vor den Toren der sächsischen Landeshauptstadt. Sie ist bis heute einzigartig in Sachsen und wird von dem Ehepaar Ralf und Dagmar Fellendorf betrieben. Die international anerkannte Sportart, in der sogar Weltmeisterschaften ausgetragen werden, verbindet dabei das Fußballspielen mit dem Golfen. Ähnlich wie bei dem vor allem in England beliebten Spiel, müssen die Teilnehmer einer Partie insgesamt 18 Bahnen absolvieren und den Ball mit möglichst wenig Schüssen – idealerweise mit 72 oder weniger – in das Ziel manövrieren. Dabei gilt es, Strecken zwischen 21 und 125 Metern zu überwinden. Klingt im ersten Moment einfach, ist es aber nicht. Denn natürlich sind die 18 Bahnen keine geradlinig angeordnete Strecke. Stattdessen geht es um Kurven, über Hindernisse, durch den Wald, an Teichen und Steinen vorbei sowie über Bäche und Sandbunker hinweg.

Einige Hindernisse kosten dabei sogar dem begabtesten Fußballspieler einige Nerven. Wie zum Beispiel die Bahn Nummer fünf. Mit 125 Metern ist sie nicht nur eine der längsten, sondern auch eine der schwierigsten Bahnen. Nicht umsonst haben die beiden Betreiber für diese Bahn fünf Par veranschlagt. Dieser Wert steht wie beim Golfen für die Anzahl an Schlägen, die ein guter Spieler benötigt, um den Ball in das Zielloch zu bekommen. Doch was macht die Bahn so tückisch? Generell müssen die Spieler hier vor allem Treffsicherheit und Zielgenauigkeit beweisen. So gilt es zunächst, den Ball am großen Sandbunker vorbei zu bringen. Anschließend muss das runde Leder in eine gute Position gebracht werden. Denn die größte Herausforderung ist es nun, den Fußball durch einen großen Reifen zu spielen. Vorbei schießen oder drüber hinweg spielen zählt natürlich nicht. Der Fußball muss durch den Reifen hindurch, egal wie viele Versuche der Spieler braucht.

Doch auch wenn das Fußballgolfen in Ottendorf-Okrilla so einige Herausforderungen mit sich bringt, so bietet diese Trendsportart vor allem eine riesige Portion Spaß. Und: jeder kann es spielen. Sei es der Enkel mit seiner Oma, die Fußballfreunde aus dem Fußballverein, Familien, junge Pärchen, die Mädchen-Clique oder der Einzelspieler. Auch der Kindergeburtstag wird hier zum unvergesslichen Erlebnis und die Firmenfeier auf der Ottendorfer Anlage stärkt vor allem das Teambewusstsein. Beim Fußballgolfen müssen die Spieler also weder das Talent von Tiger Woods haben, noch die Schnelligkeit von Thomas Müller. Es ist ein Erlebnis für jedermann.

„Das Schöne bei uns ist zudem, dass die Gäste keinen Eintritt bezahlen müssen. Sie können auch gern einfach so zu uns kommen und im Biergarten etwas essen und trinken. Auch eine Partie auf unserem großen Schachfeld ist möglich“, so Dagmar Fellendorf. Die zahlreichen Liegestühle auf der Anlage bieten zudem die Möglichkeit, sich neben den Bahnen einen Gemütlichen zu machen und die Sonne mit einem kühlen Blonden in der Hand zu genießen. Lediglich das Fußballgolf selbst (und natürlich Speisen und Getränke) kosten einen kleinen finanziellen Betrag.

Der junge Simon ist mittlerweile übrigens an der letzten Bahn mit der Nummer 18 angekommen. Diese Bahn ist immerhin 73 Meter lang und der Ball muss zunächst in einem Waldstück unter einem quer liegenden Baum durch- und anschließend an einem großen Stein vorbeigespielt werden. Die letzte Bahn ist zudem die Einzige, an der Sepp Herbergers Spruch „Das Runde muss ins Eckige“ ausnahmsweise zutrifft. Denn hier gilt es tatsächlich, den Fußball zum krönenden Abschluss in ein kleines Tor zu schießen. Eine Aufgabe, die für den fußballbegeisterten Simon kein Problem darstellt. Mit Schwung und absoluter Treffsicherheit manövriert er das runde Leder in das eckige Tor.