Freitag, 19.04.2013

Wladimir Klitschko holt zum nächsten Schlag aus

Nach dem Olympiasieg von 1996 in Atlanta kämpft der Boxprofi für seinen zweiten Start bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Doch die Amateurregeln verbieten das.

Von Franko Koitzsch und Gert Glaner

Vor 17 Jahren gewann Wladimir Klitschko (rechts) das olympische Finale gegen Paea Wolfgramm aus Tonga. Foto: imago/camera 4
Vor 17 Jahren gewann Wladimir Klitschko (rechts) das olympische Finale gegen Paea Wolfgramm aus Tonga. Foto: imago/camera 4

Ungeachtet der Regeln des Weltverbandes der Boxamateure (AIBA) strebt Wladimir Klitschko einen Start bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro an. „Es ist mein Traum, bei den Sommerspielen in drei Jahren zu starten und da zu gewinnen“, sagte er im Trainingslager in Going. „Das war ein gemeinsamer Traum von mir und meinem verstorbenen Trainer Emanuel Steward. Ich hoffe, dass ich ihn erfüllen kann.“

Der Profiweltmeister bereitet sich in Österreich auf den nächsten Titelkampf am 4. Mai in Mannheim gegen Francesco Pianeta vor. Klitschko bestreitet die 23. WM und der Deutsch-Italiener die erste.

Klitschko rückte bei Olympia 1996 in Atlanta für seinen älteren Bruder nach. Der eigentlich für das Superschwergewicht nominierte Vitali Klitschko durfte aufgrund einer positiven Analyse auf ein Steroid und einer Sperre nicht teilnehmen. Sein jüngerer Bruder gewann das Finale gegen Paea Wolfgramm aus Tonga.

Einer neuerlichen Teilnahme an Sommerspielen schieben aber die AIBA-Regeln einen Riegel vor. Demnach dürfen lediglich unter 40-jährige Berufsboxer bei Olympia starten. Klitschko begeht gut vier Monate vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro seinen 40. Geburtstag. Bei Olympia 2016 können auch nur Preisboxer mit höchstens 15 Profiduellen antreten. Klitschko kommt auf 62 Kämpfe als Berufsboxer. Außerdem müsste er sich der AIBA-Profisparte anschließen. Das wäre für ihn angesichts der Regeln mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. Letztlich gibt es für Preisboxer eine begrenzte Zahl an Startplätzen. Klitschko müsste daher auch noch eine Qualifikation bestreiten, sodass er jahrelang nicht mehr für die Klitschko-Management-Gruppe (KMG) boxen dürfte.

Klitschko trat mit seinem Wunsch Gerüchten entgegen, er sei des Boxens müde geworden. „Ich plane noch für mindestens dreieinhalb Jahre“, sagte Klitschko dem „Hamburger Abendblatt“ in dessen gestriger Ausgabe. Er kann den Zuschauern keine größere Spannung versprechen. „Ich möchte die Leute weiter langweilen. Damit will ich sagen, dass es mein Ziel ist, meine Gegner weiterhin zu dominieren. Am besten wäre es, wenn ich es schaffe, im Kampf keinen Treffer abzukriegen.“

Das möchte Klitschko gegen Pianeta schaffen. Derzeit beschäftigt er sich lediglich mit dem Profi aus dem Magdeburger SES-Boxstall. Klitschko respektiert den ungeschlagenen 28-Jährigen, der Ende 2009 an Hodenkrebs erkrankte. „Francesco gewann den härtesten Kampf in seinem Leben bereits. Ich unterschätze ihn nicht.“

Anschließend bereitet Klitschko sich auf Alexander Powetkin vor. Dieses Duell kommt unter den Hammer. Bei der Auktion geht die Berliner Sauerland-Box-Promotion finanziell bis an die Schmerzgrenze. „Das ist ein Riesenkampf. Wir schmeißen alles in den Pott, was wir können“, sagte Kalle Sauerland. Er arbeitet mit der ARD zusammen. Bei ihm steht Powetkin unter Vertrag. Die Versteigerung am nächsten Dienstag in Panama ordnete der Weltverband WBA an, da sich Klitschko und Sauerland nicht einigen konnten.

Das Duell soll zwischen dem 15. Juli und dem 31. August stattfinden. Der 37-jährige Ukrainer Klitschko tritt als WBA-Superchampion an, der 33-jährige Russe Powetkin als regulärer WBA-Weltmeister. Der Kampf der beiden Olympiasieger sollte bereits zweimal stattfinden. Powetkin sagte aber beide Male ab – erst aufgrund einer Blessur, dann wegen einer Krankheit.

Auch Dritte können sich an der Auktion beteiligen. Wer das meiste Geld bietet, bekommt die Fernsehrechte und bestimmt den Austragungsort. Zudem legt der Betrag die Höhe der Börse fest. Laut WBA erhält Klitschko 75 und Powetkin 25 Prozent. Klitschkos TV-Partner RTL will den Kampf übertragen. Daher muss die KMG ein entsprechend hohes Angebot machen.

Bei der ersten Versteigerung betrug die Höchstsumme zehn Millionen Euro. Bei der zweiten Auktion lag sie bei 6,5 Millionen Euro. Experten erwarten dieses Mal ein Angebot von mehr als zehn Millionen Euro. Der geforderte Mindestbetrag beträgt eine Million Euro. (dpa mit sid und SZ/sw)

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