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Samstag, 18.03.2017

Winzling mit Superauge

Schau mir in die Augen: Die Raubfliege lauert auf Beute.
Schau mir in die Augen: Die Raubfliege lauert auf Beute.

© dpa

Cambridge. Eine kleine Raubfliege beeindruckt Wissenschaftler mit ihren Jagdkünsten im Flug. Die Winzlinge nutzen eine ausgefeilte Flugstrategie, um ein vorbeifliegendes Beutetier abzufangen, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Current Biology. Grundlage der Jagdkünste sei eine extreme Sehschärfe der Zweiflügler.

Die selbst nur etwa sechs Millimeter großen Raubfliegen könnten Beutetiere unter zwei Millimeter Größe aus einer Entfernung von mehr als einem halben Meter sehen. Das Team um Trevor Wardill von der britischen Universität Cambridge hatte die Raubfliegen der Art Holocephala fusca in ihrem natürlichen Lebensraum mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt. Mithilfe einer speziellen Apparatur ließen die Forscher ein bis vier Millimeter große, an einer Angelschnur angebrachte Kügelchen – vermeintliche Beutetiere – an den sitzenden Fliegen vorbeiziehen. Diese gingen daraufhin zum Angriff über. Während sie die Verfolgung aufnahmen, hielten sie zunächst einen ganz bestimmten Kurs, mit dem sie an einem bestimmten Punkt genau mit dem Beutetier zusammengetroffen wären.

Dass auch die kleinen Raubfliegen diese im Tierreich weitverbreitete Strategie nutzten, sei zwar nicht völlig überraschend, war aber bisher unbekannt. Dann beobachteten die Forscher etwas Unerwartetes: Wenn sich die Fliegen auf knapp 30 Zentimeter ihrem Beutetier genähert hatten, bremsten sie ab und änderten ihre Flugbahn, bevor sie die Beute attackierten. Dieses spezielle Manöver erhöhe die Trefferchancen, schreiben die Forscher. Die Fliegen vermeiden dadurch, an ihrer Beute vorbeizurasen. Sie fliegen stattdessen kurzzeitig eher neben ihrem Opfer her, als es auf direktem Weg anzupeilen.

Die Forscher vergleichen das mit einem Staffellauf, bei dem die Läufer vor der Übergabe des Stabes mit gleicher Geschwindigkeit in die gleiche Richtung laufen. So sei es wesentlich einfacher, den Stab zu übergeben, als wenn sie etwa aufeinander zuliefen. Ein derartiges Manöver sei noch bei keinem anderen fliegenden Tier beobachtet worden.

Dass die Fliegen trotz des winzigen Gehirns und winziger Augen zu derart ausgefeilten Flugmanövern fähig seien, liege vor allem daran, dass ihnen ihre Augen eine enorme räumliche Auflösung ermöglichten. Sie verfügen an einer zentralen Stelle über eine sogenannte Fovea, einen Punkt, an dem das Sehen am schärfsten ist. Die Fliegen seien damit selbst zehnmal größeren Libellen im Hinblick auf die räumliche Auflösung überlegen. (dpa)