erweiterte Suche
Donnerstag, 25.02.2016

Wenn CO2 nach oben blubbert

Was passiert bei einem Leck in unterirdischen Speichern mit den Bodenlebewesen?

4

Mofetten sind kleine Öffnungen im Boden, aus denen CO2 austritt, das aus dem Erdmantel oder der Erdkruste stammt.
Mofetten sind kleine Öffnungen im Boden, aus denen CO2 austritt, das aus dem Erdmantel oder der Erdkruste stammt.

© FSU/Felix Beulig

Hohe Konzentrationen von Kohlendioxid im Untergrund können das Nahrungsnetz und den Stoffwechsel im Boden langfristig verändern. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam um Kirsten Küsel von der Universität Jena.

Für die Studie hatten die Wissenschaftler Bodenorganismen und Stoffkreisläufe an einer natürlichen Kohlendioxidquelle, einer sogenannten Mofette, und in einem Vergleichsboden untersucht. An der Studie haben auch Forscher der Universitäten Wien, Greifswald und Oslo sowie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie (Jena) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (Leipzig) mitgearbeitet. Ihre Arbeit ist im Journal Nature Microbiology veröffentlicht worden.

Das Team nahm den Boden in einem kleinen Tal im tschechischen Bäderdreieck unter die Lupe. Hier strömt als Spätfolge des Vulkanismus CO2 in großen Mengen natürlich aus der Tiefe. Die Wissenschaftler sammelten von 2012 bis 2014 dreimal pro Jahr Proben an einer Mofette und an einem Vergleichsboden ohne erhöhte CO2-Konzentration, der nur wenige Meter entfernt war. Sie fanden heraus, dass Kohlendioxid die Lebensbedingungen im Boden stark verändert. „In dem Boden von der Mofette fanden wir deutlich mehr organisches Material, also Reste von abgestorbenen Pflanzen und Tieren, die normalerweise von kleinen Bodentieren und von Einzellern, Bakterien und Pilzen abgebaut werden“, berichtet Biogeowissenschaftler Felix Beulig.

Der Mechanismus, der dies bewirkt: Bodentiere werden ausgeschlossen, und die Gemeinschaft der Mikroorganismen verschiebt sich hin zu weniger vielfältigen, dafür aber höher spezialisierten Arten, erklären die Forscher. Dadurch sei das Nahrungsnetz im Boden weniger effizient beim Abbau von organischem Material, das sich daraufhin im Boden angereichert hätte. Mit den Ergebnissen könnten die Umweltrisiken einer unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid besser beurteilt werden. Möglich seien so Rückschlüsse auf die Folgen, wenn ein solcher Speicher undicht würde.

Um einen weiteren Anstieg der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu vermeiden, wird auch die unterirdische Einlagerung dieses Treibhausgases diskutiert. In Deutschland gibt es derzeit allerdings noch keine wirtschaftlich genutzten Speicher unter Tage. Diese sind nach Einschätzung von Experten auch in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Dass unterirdische Kohlendioxid-Speicher Bodenorganismen und Pflanzen beeinträchtigen, hält Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau für unbestritten. Das belegten auch Studien des Umweltbundesamtes. Allerdings müsse es bei der Gefährdungsabschätzung eine differenziertere Bewertung geben, sagte er. So sei der Kohlendioxidfluss in einer Mofette deutlich größer als bei einem Leck aus einem unterirdischen Speicher. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Bernd

    Und was machen wir nun mit den tausenden Co2 Quellen die rings um Sizilien auf dem Meeresboden vor ich hin blubbern, völlig ungefragt. Zustöpseln ? Oder nimmt sich Deutschland federführend des Problems an und kompensiert das mit irgendwelchen Co2 Zertifikaten die dann munter gehandelt werden. Wer verbietet den Vulkanen das "rülpsen", ist das national zu regeln oder ist die UNO zuständig?

  2. gunterkrause

    @Bernd „Und was machen wir nun ...“ ? - Na gar nichts! Diesen Kreislauf gibt es ja schließlich schon ziemlich ewig. Also: CO2 aus Vulkanismus, aus Stoffwechselprozessen(sprich: Atmung), und mit der umgekehrt stattfindenden Bindung von Kohlenstoffen bei Verwitterung und Photosynthese, in deren Ergebnis halt Carbone gebildet wurden, herrschte da auch laaange Zeit ein etwaiges Gleichgewicht. Heute verbrennen wir die so ruck, zuck mal schnell ...

  3. Bernd

    @2 Genau, was ich aber meine ist, dass Co2 mit seinem 0,04% Volumenanteil an der Erdatmosphäre eher gering aber höchst wichtig für die Pflanzenwelt ist. Der Co2 Anteil schwankt seit Millionen von Jahren und seit diesen Zeiten hat er permanent Einfluss auf Klimaschwankungen gehabt, also zu Zeiten wo an den Mensch noch nicht mal der liebe Gott gedacht und der Treibhauseffekt für die Dinosaurier ein Fremdwort war! Nun wird der Co2 Gehalt durch "Umweltinteressierte" ganz seriös mit 380 ppm angegeben. Huuuch, 380 ppm klingt ja viel gefährlicher als 0,04% ! Umweltinterssierte , damit ich meine ich Leute a la couleur, jene welche sich wirklich für den Klimaschutz engagieren oder aber auch die die damit richtig Kohle ( nein nicht die aus der Lausitz) verdienen wollen. Da gab es mal in den 60iger einen Film "Die Verkäufer der Luft" ob den der Schäuble gesehen hat ?

  4. gunterkrause

    @ Bernd Und was heißt schon „...gering ...“ ?? Da gab es einmal einen Paracelsus, der wusste schon, dass es die Dosis ist, die etwas zu Gift macht. Oder auch zu etwas Nützlichem! Also was ist nun viel, und was ist wenig? Speziell in der irdischen Atmosphäre? Auch schon seit Arrhenius geistert durch die Wissenschaften, bei Null % CO2 wäre es hier so grob zitiert, 30 Grad kälter. Es hat sich aber leider noch kein „Luftverkäufer“ gefunden, dieses „Experiment“ praktisch zu belegen ;-). Oder andersherum betrachtet, so 99,6 % der Stoffe der irdischen Atmosphäre weichen sehr typisch von einem verbleibenden Rest der Atmosphäre ab. Und dieser bescheidene Rest an Gasen macht nun zufälligerweise, und zwar Struktur-bedingt, diesen Treibhauseffekt. Und ich würde mich nie darauf verlassen, dass Schäuble in der 60er Jahren UdSSR-Filme angesehen hat ;-).

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein