Mittwoch, 28.11.2012

Tiere sind die neuen Partner - Federvieh gegen Aggressionen

Hund und Katze helfen gegen Vereinsamung, sagt eine neue Studie. Wissenschaftler bestätigen, dass Tiere eine immer größere soziale Bedeutung bekommen.

Von Jutta Schütz

Mit ihrem Therapie-Hund besucht Beate Haase (.l) am 14.02.2001 Bewohner eines Altenpflegeheimes in Brandis bei Leipzig. Archivfoto: dpa
Mit ihrem Therapie-Hund besucht Beate Haase (.l) am 14.02.2001 Bewohner eines Altenpflegeheimes in Brandis bei Leipzig. Archivfoto: dpa

Berlin. Stundenlang im Internet unterwegs sein oder den Hund ausführen und dabei noch echte Leute treffen? Für den Trendforscher Peter Wippermann steht fest: Tiere können angesichts sich auflösender Strukturen in Alltag und Familie Halt und das Gefühl des Gebrauchtwerdens geben. „Tiere sind plötzlich Sozialpartner“, sagte Wippermann am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung einer 260 Seiten umfassenden Studie zum Verhältnis der Deutschen zu ihren Tieren. Katze und Co. könnten die Balance in einer zunehmend stressigen Gesellschaft wiederherstellen.

Die repräsentative Untersuchung hatte das Tiernahrungs-Unternehmen Mars Petcare beim Meinungsforschungsinstituts Forsa in Auftrag gegeben. Auch Wissenschaftler kommen in dem Bericht zu Wort. Das Buch knüpft an die sprichwörtliche Tierliebe der Bundesbürger an, die 22 Millionen Haustiere haben. Die Besitzer gaben nach Angaben des Industrieverbandes Heimtierbedarf im vergangenen Jahr allein 2,866 Milliarden Euro für Futter aus.

In einer Umfrage, die Teil der Studie ist, befürworten die meisten einen stärkeren Einsatz von Katze, Hund oder Kaninchen zum Beispiel in Schulen und Altenheimen. Das gibt es zwar seit langem, doch die Sozialarbeiter mit Fell, Federn oder Flossen seien noch zu wenig anerkannt, fasst die Studie zusammen. Zudem beruhe der Einsatz bisher meist auf Initiativen von Privatleuten oder Vereinen.

Hunde beruhigen, geben Orientierung, machen konzentrierter

„Heimtiere haben das Potenzial, die Folgen gesellschaftlicher Veränderungen zumindest zu mildern“, hebt der Bericht hervor. Die Psychologin Andrea Beetz von der Uni Rostock, die mit aufs Podium nach Berlin gekommen war, verwies auf positive Gesundheitseffekte. Wer einen Hund streichelt, bei dem werde Oxytocin - das sogenannte Kuschelhormon - ausgeschüttet. „Das beruhigt.“ Kinder, die schlecht lesen können, seien konzentrierter, wenn ein Hund daneben liege und stumm zuhöre. Demenzkranken könnten Tiere Orientierung geben.

Nach Einschätzung von Beetz steht die Beziehung Mensch-Tier an der Schwelle zu einer ernsthaften Wissenschaft. Es sollten mehr Tiere in der Gesundheitsförderung eingesetzt werden. Die Studie hält dazu fest, die Kosten dafür wären „lächerlich gering“.

Die Expertin Ingrid Stephan vom Institut für soziales Lernen mit Tieren präsentierte den etwas skeptischen Zuhörern ein Beispiel der besonderen Art: Gänse als Therapeuten für gewaltbereite Jugendliche. Da müsse sich höflich angenähert werden - sonst schlage das Federvieh Alarm. Auch Esel und Pferde seien im Einsatz.Doch ist nicht immer häufiger von Tieren hören, die ausgesetzt werden, weil sie im Urlaub stören oder den Besitzern nicht klar war, dass das Kaninchen jeden Tag gefüttert werden muss? Ines Krüger vom deutschlandweit größten Tierheim in Berlin sprach von einem „traurigen Trend.“

Trendforscher Wippermann, der selbst eine Katze hat, meint: Ja, es gebe auf der einen Seite eine Verwahrlosung der Beziehung Mensch-Tier. Als zweites Extrem gebe es aber auch immer mehr Vierbeiner als Statussymbol. Trotzdem: „Wir brauchen mehr Tiere in deutschen Haushalten.“ (dpa)