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Freitag, 01.12.2017

Supervulkane brechen häufiger aus als gedacht

Sie können Kontinente mit Staub bedecken und aus Sommern Winter machen: Durchschnittlich alle 17 000 Jahre bricht ein sogenannter Supervulkan aus. Einer von ihnen liegt in unserer Nachbarschaft.

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Die Phlegräischen Felder bei Neapel sind bei einer Supereruption vor gut 40.000 Jahren entstanden.
Die Phlegräischen Felder bei Neapel sind bei einer Supereruption vor gut 40.000 Jahren entstanden.

© Istinuto Di Vulcanologia/dpa

Berlin Sogenannte Supervulkane brechen deutlich häufiger aus als gedacht - im Durchschnitt vermutlich alle 17 000 Jahre. Das schließen britische Forscher der Universität Bristol in der Fachzeitschrift „Earth and Planetary Science Letters“ aus Datenbank-Analysen. Bislang war man davon ausgegangen, dass entsprechende Supereruptionen nur in einem Abstand von 45 000 bis 714 000 Jahre auftreten.

Eine Supereruption ist die höchste bekannte Explosionsstufe eines Vulkans. Dabei werden rund 1 000 Gigatonnen (= 1 Billion Tonnen) Gesteinsschmelze aus dem Erdinnern ausgeworfen. Die bei einer Supereruption entstehende Aschewolke kann einen ganzen Kontinent bedecken und das Weltklima dauerhaft verändern.

Auch wenn diese extremen Ausbrüche nur äußerst selten vorkommen, kleinere Eruptionen ereignen sich mehrfach täglich irgendwo auf der Welt. Allerdings sind diese Vulkanausbrüche meist nur sehr klein oder sie finden verborgen in der Tiefsee statt. Zu einem größeren Ausbruch könnte es derzeit am Vulkan Agung auf Bali kommen. Dort rumort es schon seit einigen Wochen.

Die letzte Supereruption ereignete sich vor etwa 26 500 Jahren im Gebiet des Taupo-Sees in Neuseeland. Zum Vergleich: Der Mensch wurde erst deutlich später sesshaft. „Alles in allem können wir ein bisschen glücklich sein, seither keine Supereruption erlebt zu haben“, sagt Jonathan Rougier, einer der Autoren der Studie. „Allerdings bedeutet das nicht, dass eine Supereruption lange überfällig wäre. Die Natur ist nicht so regelmäßig.“

Eine Supereruption ist so stark, dass sie eine Landschaft aus Kratern, den sogenannten Calderen, hinterlässt. Ein typisches Beispiel ist der Vulkan Yellowstone im gleichnamigen Nationalpark in den USA. „Der sieht nicht aus wie ein Vulkan aus dem Kinderbuch, sondern ist ein System aus großen eingebrochenen Kratern“, erklärt Sebastian Müller von der Universität Mainz, der nicht an der Studie beteiligt war.

Auch in Europa hat es vor etwa 40 000 Jahren eine Supereruption gegeben. Dadurch entstanden die Phlegräischen Felder, eine Kraterlandschaft in der Nähe von Neapel. „Dort ist auch weiterhin vulkanische Aktivität vorhanden“, berichtet Müller. „Der letzte Lavaausstoß fand allerdings im Jahr 1538 statt.“

Wann ein Supervulkan ausbricht, lässt sich nicht vorhersagen. „Präzise Prognosen sind nicht möglich“, sagt Müller. „Allerdings gibt es Anzeichen, die auf eine bevorstehende Eruption hinweisen.“ Dazu zählen Deformationen an der Erdoberfläche, die Zunahme von Erdbeben oder eine veränderte Zusammensetzung austretender Gase. Werden solche Entwicklungen festgestellt, ist es möglich, die Menschen vorzuwarnen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Der Schweißer

    „Allerdings gibt es Anzeichen, die auf eine bevorstehende Eruption hinweisen.“ - Oh wie schlimm, das würde Deutschland aber die CO2-Bilanz versauen.

  2. Veit Schagow

    Es gibt auch in Mitteleuropa derartige Hotspots. vor einigen Jahren wusste kaum jemand von ihrer existenz. Aber es ist ein reißerisches Thema, das immer für Quote sorgt. Tatsache ist, dass unsere hochkomplexe Gesellschaft zusammenbrechen würde. Ernteausfälle würden zu einer Hungersnot und Verteilungskämpfen führen. Man kann mittels Vorwarnung Menschen aus den akuten Gefahrenzonen bringen, aber die Langzeitfolgen würden uns alle ins Mittelalter zurückbefördern. Neapel selbst ist in keinster Weise auf den Notfall vorbereitet.

  3. any

    Vielleicht würde das einige zum aufwachen bringen, dass das Leben in Großdstädten in 60 qm Mietwohnungen ohne Garten zur Selbstversorgung ziemlich Widernatürlich ist und dass zwei gesunde Füße eínen auch weiter als 100m bis zur Straßenbahn bringen.

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