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Donnerstag, 04.02.2016

Suche nach den Geheimnissen der Bettwanze

Die Bettwanze – hier im Größenvergleich mit Apfelkernen – ernährt sich ausschließlich von Blut.
Die Bettwanze – hier im Größenvergleich mit Apfelkernen – ernährt sich ausschließlich von Blut.

© Sorkin/AMNH/Reuters

Dresden. Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut der Bettwanze entschlüsselt. Beteiligt an der Studie war auch der Zoologe Klaus Reinhardt von der TU Dresden, teilte die Hochschule mit. Der Professor befasst sich seit Jahren intensiv mit den unbeliebten Blutsaugern. Die Ergebnisse der neuen Untersuchungen wurden jetzt in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Das Genom der Bettwanze enthält demnach insgesamt 14 220 Gene. Die Wissenschaftler hoffen, darin Erklärungen für die außergewöhnliche Lebensweise der Tiere zu finden. So haben die Blutsauger es etwa geschafft, widerstandsfähig gegen die meisten Pestizide zu werden und sich so – nachdem sie Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet waren – jetzt wieder auf allen Kontinenten auszubreiten. Auf der Suche nach einem neuen wirksamen Mittel gegen die lästigen Insekten könnten die Gene entscheidende Hinweise liefern, meinen die Forscher.

Antwort erhoffen sie sich auch auf andere Fragen. „Bisher können wir noch nicht klären, warum sich im Genom der Bettwanze so viele DNA-Stücke von Bakterien befinden“, sagt Reinhardt. Mehr als 800 haben die Forscher entdeckt. Herausfinden wollen sie auch, wie es funktioniert, dass der Bettwanze eine einzige Blutmahlzeit für ein ganzes Jahr reicht. Zudem interessiert sie das – aus menschlicher Sicht – äußerst brutale Paarungsverhalten der Tiere. Das Männchen überfällt das Weibchen ohne Vorwarnung und durchsticht dessen Leib. Das Sperma wird direkt in die Bauchhöhle injiziert. Wie die Wanzen dabei Infektionen vermeiden, könnte nach Ansicht der Wissenschaftler für die medizinische Forschung interessant sein. (SZ/fi)