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Montag, 22.05.2017

Sächsische Forscher brechen zum Nordpol auf

Mit dem Eisbrecher in die Wetterküche Europas. Zum Expeditionsteam gehört ein Journalist der Sächsischen Zeitung.

Von Stephan Schön, zzt. Bremerhaven

SZ-Redakteur Stephan Schön geht mit an Bord.
SZ-Redakteur Stephan Schön geht mit an Bord.

© Thomas Kretschel

Leipzig/Bremerhaven. Eine der größten Forschungsexpeditionen unter sächsischer Leitung startet jetzt ins Eis. Mit einem so noch nie da gewesenen Aufwand, mit so vielen Sensoren und Messgeräten, werden Wetter und Wolken der Arktis einen Monat lang gemessen.

Von Spitzbergen aus fliegen ab Montag mehrmals täglich zwei Polarflugzeuge über das Eis. Eines direkt in die Wolken hinein, das andere darüber. Geleitet wird diese Messkampagne von Manfred Wendisch, dem Direktor des Meteorologie-Instituts der Universität Leipzig. Mit fast 50 Wissenschaftlern ist er dafür auf Spitzbergen. Ihnen folgt am Mittwoch von Bremerhaven aus der Eisbrecher Polarstern. Unter dem wissenschaftlichen Kommando von Fahrtleiter Andreas Macke, Chef des Leipziger Instituts für Troposphärenforschung (Tropos), rücken dann nochmals 55 Forscher ins ewige Eis vor.

Doch das arktische Meereis ist gar nicht mehr so ewig, es könnte schon in 50 Jahren verschwunden sein. Nie gab es seit Messbeginn dort weniger Eis als in den letzten zwei Jahren. Und es wird dort schneller wärmer als überall sonst auf der Erde. Mit Folgen vor allem für die mittleren Breiten. Genau dort leben auch wir. Extrem kalte Winter in Nordamerika, milde ohne Schnee in Europa, Hitzewellen im Sommer – einer der Auslöser für all das befindet sich am Nordpol. Es geht um jene Luftströmungen, die auch bei uns das Wetter mitbestimmen. Möglicherweise sind genau sie es auch gewesen, die in diesem Jahr den Frühling haben praktisch ausfallen lassen. Wie aber wirken dabei die Wolken? Verstärken sie dies alles noch? Das will Tropos-Forscher Andreas Macke mit seinem Team herausfinden.

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Nicht nur die Polarstern ist daher mit Sensoren und Messtechnik vollgepackt, auch auf dem Meereis sollen die Wissenschaftler Stationen errichten und mehrfach täglich einen großen Fesselballon steigen lassen. Dort mit dabei ist dann auch die Sächsische Zeitung mit ihrem Wissenschaftsredakteur als Hilfswissenschaftler. Nach mehr als zwei Jahren Vorbereitung gemeinsam mit den Wissenschaftlern vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) wird dann die Luft über der Arktis neu vermessen. Vom kleinsten Partikel bis hin zu den großen Strömungen. Alles zeitgleich.

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