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Montag, 28.12.2015

Sachsen geht auf Arktis-Expedition

Leipziger Wissenschaftler fahren mit der Polarstern ins ewige Eis. Die Sächsische Zeitung ist mit dabei.

Von Stephan Schön

Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol, aufgenommen am 16.08.2015. Leipziger Forscher wollen die Klimaveränderungen in der Arktis untersuchen.
Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol, aufgenommen am 16.08.2015. Leipziger Forscher wollen die Klimaveränderungen in der Arktis untersuchen.

© dpa

Leipzig. Wärme oder Kälte, Regen oder Sonne – unser Wetter wird in der Arktis zusammengerührt. Doch die Zutaten in der Wetterküche ändern sich. Und das stärker als an jedem anderen Ort der Welt.

„Die Arktis wandelt sich schneller, als es alle Klimamodelle vorhergesehen haben“, sagt Manfred Wendisch, Direktor des Instituts für Meteorologie an der Leipziger Universität. Unter seiner Leitung beginnt am 1. Januar ein bisher einmaliges Großprojekt. Dieser neue Sonderforschungsbereich soll die Klimaveränderungen in der Arktis untersuchen. Allein für die ersten vier Jahre stehen dafür rund zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Etwa 100 Wissenschaftler werden daran mitarbeiten, und 40 neue Stellen sind in diesem Forschungsverbund geplant, der bis zu zwölf Jahre existieren kann. Daran beteiligen sich die Universitäten Leipzig, Köln und Bremen sowie das Polarforschungsinstitut AWI und die Leipziger Troposphärenforscher vom Leibniz-Institut Tropos. Dessen Institutsdirektor ist wissenschaftlicher Fahrtleiter auf der geplanten Expedition in die Arktis. Andreas Macke wird im Sommer 2017 mit rund 50 Wissenschaftlern auf der Polarstern an die Eiskante am Nordpol fahren. Es geht um den Ozean und das Eis darauf. Forschungsflugzeuge sollen gleichzeitig die Wolken analysieren, Satellitendaten geben den Überblick. Warum das Eis der Arktis so schnell schmilzt und welche Auswirkungen dies auf das Wetter bei uns hat, sind zwei zentrale Fragen, berichtet Manfred Wendisch. Globale Höhenströmungen, sogenannte Jetstreams, steuern das Wetter. Sie bringen zum Beispiel stabil warme Weihnachtswochen wie derzeit, lange sommerliche Hitzewellen und Dürren. Oder eben auch lange kalte Phasen.

Es seien auch Biologen an Bord, ergänzt Fahrtleiter Andreas Macke. Denn schwindet das Eis, dann verschwindet viel von der Fauna darunter. Plankton zum Beispiel, das am Beginn einer langen Nahrungskette im Meer steht. Welche Folgen dies hat, ist noch nicht absehbar. Die Vorbereitungen für Dutzende Experimente auf dem Eis im Nordpolarmeer, im Wasser und in der Luft beginnen im Januar. Die Wissens-Redaktion der Sächsischen Zeitung wird über diese Vorbereitungen berichten und auch die Arktis-Expedition begleiten – als Journalist und „Hilfswissenschaftler“.

Für die Leipziger Wissenschaftler geht es danach noch lange weiter. Und es wird internationaler. Ein bereits vorhandenes Forschungsobservatorium des AWI auf Spitzbergen wird massiv ausgebaut und zur dauerhaften Station mit vielen neuen Messdaten. Schließlich soll die Polarstern nochmals ins nördliche Eis fahren, dann allerdings dort für 14 Monate bleiben: Einfrieren, driften und wieder auftauen.

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