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Montag, 12.11.2012

Sachsen braucht mehr Schutz vor extremem Wetter

In einer regionalen Klimastudie fordern Wissenschaftler, dass wir uns besser auf immer häufigere Starkregen und Hitze einstellen.

Von Stephan Schön

Dresden. Ohne grünere Städte, eine neue Art von Landwirtschaft und bessere Flutvorsorge werden schon in wenigen Jahren die Folgen des Klimawandels in Sachsen gravierend sein. Folgekosten in Milliardenhöhe seien dann zu erwarten. Das geht aus der bisher größten Klimafolgen-Studie (Regklam) für Sachsen hervor. „Es muss mehr Bewegung in die regionale Klimaanpassung kommen“, heißt es gleich auf der ersten Seite des Berichts. Es folgt die bisher schärfste Ermahnung von Politik und Wirtschaft.

Bernhard Müller, Direktor des Instituts für ökologische Raumentwicklung und zugleich Regklam-Projektleiter, sagt: „Wenn wir nicht handeln, werden überhitzte Städte zur tödlichen Gefahr besonders für Risikogruppen. Wenn wir nicht intelligenter bauen, wird Wohnen finanziell zu einem Fass ohne Boden.“ Durch Zusatzkosten für Kühlung und Verschattung zum Beispiel. Während südeuropäische Städte auf Hitze eingestellt sind, sind die Städte hier mit solchen Extremwetterlagen oft überfordert.

Am Mittwoch wird die bisher unveröffentlichte Regklam-Studie, das regionale Klima-Anpassungsprogramm für die Region Dresden, im Sächsischen Landtag vorgestellt. Meteorologen, Bauingenieure, Bodenkundler, Ökonomen, Hydrologen aus Forschunsginstituten, Universitäten und staatlichen Verwaltungen sind daran beteiligt, finanziert vom Bundesforschungsministerium. Ende 2013 wollen sie ein komplettes regionales Klima-Anpassungsprogramm vorlegen.

Es zeigt sich aber schon jetzt, was am nötigsten ist: grüne Inseln in den Städten zum Beispiel und Gebäude, in denen man auch bei 35 Grad draußen noch gut leben kann. Es geht um Kanalisationen, die mehr als bisher durch Starkregen überflutet werden können. Beispielhaft wurde eine Risikokarte für Dresden erstellt, aus der hervorgeht, in welchen Straßen die Fluten zuerst aus den Gullys kommen würden.

Das Erzgebirge muss sich vom Wintersport auf Wanderurlaub umstellen, der Ackerbau dort indes profitiert von den wärmeren Temperaturen. Notdienste, Altersheime und Kliniken seien nicht ausreichend auf die bevorstehenden Veränderungen eingestellt, so die Studie. Und das Klima verändere sich schneller, als es die Wissenschaft erwartet habe.