erweiterte Suche
Samstag, 28.04.2018

Paradies für Seeadler und Schildkröten

Im Erlebniszentrum Blumberger Mühle lässt sich beobachten, was der Mensch in freier Natur nur selten zu Gesicht bekommt.

Von Jeanette Bederke

Im Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle in der Uckermark sind die Europäischen Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) an Menschen gewöhnt.
Im Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle sind die Europäischen Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) an Menschen gewöhnt.

© dpa

Die Aprilsonne lässt nicht nur Knospen knallen, sie lockt auch Tiere an warme Plätze. Europäische Sumpfschildkröten drängen sich auf einem toten Baumstumpf im Wasser, um Sonne zu tanken. Auf kleinen Schilfinseln liegen Ringelnattern. Nebenan messen sich zwei Rotbauchunken in lauten Rufen. Was der Mensch in freier Natur nur selten zu Gesicht bekommt, lässt sich im Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle bei Angermünde in der Uckermark wunderbar beobachten. Jetzt eröffnet dort noch ein Naturgarten.

Die Sumpfschildkröten haben in dem Komplex mit 13 Hektar Freiflächen eine eigene Anlage, über die eine hölzerne Brücke führt. „Unsere Exemplare sind an Menschen gewöhnt. In freier Natur wären die längst abgetaucht, da sie extrem störanfällig sind“, sagt Mathias Otto, einer von zwölf Mitarbeitern in der Blumberger Mühle, die vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) betrieben wird. Die vor 15 Jahren eingeweihte Schildkrötenanlage ist der Besuchermagnet im Naturerlebniszentrum, bestätigt Leiterin Aija Torkler.

Vor Jahrhunderten waren die Tiere in Deutschland weit verbreitet, die Uckermark galt als nördlichste Heimat. Weil Schildkröten in der Fastenzeit jedoch verstärkt auf dem Teller landeten, wurden sie fast ausgerottet.

„Es gibt durch gezielte Auswilderungsprogramme wieder Habitate in Nordbrandenburg, in denen die europäische Sumpfschildkröte lebt. Doch die sind für den Menschen kaum zugänglich“, erklärt Otto. Der Ranger ist stolz auf den 2 000 Quadratmeter großen Weiher, in dem Bisamratten dafür sorgen, dass das Schilf nicht zu dicht und zu hoch wächst. 17 Schildkröten hat Otto in diesem Frühling bereits gezählt.

Auch in der Nachbarschaft der Freianlage geht es natürlich zu. Auf einem schwankenden Holzbohlenweg geht es ins Moor – vielstimmige Froschkonzerte inklusive. Das vor mehr als 20 Jahren begründete Naturerlebniszentrum mit dem Hauptgebäude aus Kalksandstein, Holzständerwerk und Lehmwänden – das einem hohlen Baumstumpf nachempfunden ist – liegt inmitten einer ausgedehnten 220 Hektar großen Teichlandschaft. Sie war einst von Zisterziensermönchen der Klosteranlage Chorin (Barnim) angelegt worden. Unberührt wirkt sie auch deshalb, weil sie zu DDR-Zeiten zum Staatsjagdgebiet gehörte.

„28 Seeadler leben in diesem Wasservogelschutzgebiet. Das ist einmalig in Deutschland“, erzählt Torkler. Die Blumberger Mühle sei auch zu einem Mekka für Ornithologen geworden. Fischadler und Reiher sind hier ebenso zu beobachten wie große Scharen von Zugvögeln, die im Frühjahr und Herbst Rast machen.

(dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.