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Montag, 18.04.2011

Öko auf Rädern

Studenten entwerfen Fahrräder, die zum größten Teil aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen sollen.

Von Wiebke Fröhlich

Rahmen aus Bambus, Felgen aus Holz, Schutzbleche aus Flachsgemisch: So sieht der Prototyp eines ökologisch korrekten Fahrrads aus Berlin aus. Studenten der Technischen Universität Berlin (TU) entwickeln in einem Forschungsprojekt Fahrräder, die später einmal zu 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen sollen.

Manche Staaten denken nach der Reaktorkatastrophe in Japan über eine Energiewende nach. Die TU-Projektgruppe um Thomas Finger sieht sich schon eine Radlänge voraus: „Wir wollen die Rohstoffwende“, sagt er. Nachhaltigkeit heißt für ihn, ökologisch und ökonomisch neue Wege zu suchen – und dabei möglichst wenig Energie und Ressourcen zu verschwenden.

Dass er mit solchen Plänen in die Kategorie „Idealist“ fällt, ist Finger klar. Ein Ding der Unmöglichkeit sieht er in der Rad-Idee nicht. So neu sei das gar nicht, betont er. „Schon 1896 hat eine englische Firma Bambus-Räder produziert.“ Auch in den USA gebe es heute wieder Hersteller.

Kautschuk aus Löwenzahn

In Berlin aber soll es anders laufen, lokaler vor allem. Basis für das TU-Forschungsprojekt sind Bambus, Holz oder Hanffasern. Studenten in Frankfurt (Oder) wollen belastbare Bambussorten für Radrahmen anpflanzen. Die Reifen sollen später aus Kautschuk bestehen, der aus Löwenzahn gewonnen wird. Und Chemiker der TU sollen einen Biokleber für die Fahrrad-Tüftler entwickeln. Fünfzehn Studenten wollen so in vier Semestern ein Rad bauen, das aus Materialien „vom Acker nebenan“ besteht. Langfristig sollen möglichst alle Natur-Werkstoffe aus der Region kommen.

Bis es so weit ist, rollen die ersten Bambus-Bikes zum Üben noch auf konventionellen Gummireifen durch die Hauptstadt. In einer TU-Werkstatt jenseits des Forschungsprojekts verbauen Studenten Metallteile, ohne die ein Rad nicht auskommt: Kette, Zahnräder, Bremsschnüre, Schaltung. Während die Forschungsräder nur beste fabrikneue Technik bekommen, reichen fürs Alltagstraining vorerst die Überbleibsel von Schrotträdern.

Das Forschungsprojekt mit Partnern in der Fachhochschule Potsdam und in der Industrie mache nach einem halben Jahr schon Fortschritte, berichtet Finger. Ein Lenker aus Holz sei in Arbeit. Den nächsten Sattel will eine Studentin aus Weidenruten flechten. Licht soll später in Gehäusen aus Bioplastik Platz finden, bis dahin müssen Batteriestrahler reichen. Verkehrstauglich seien die Räder, versichert Finger. Es gebe nach sechs Monaten nur noch nicht genug Erfahrungswerte, wie lange sie halten.

In zwei Jahren zum TÜV

„Wir wollen ein Rad, das stabil ist und dem Vergleich mit einem Fahrrad aus dem Laden standhält“, sagt Finger. Nach zwei Jahren Forschung soll es geprüft werden, zum Beispiel vom TÜV. Vielleicht könne man das Öko-Rad dann später im größeren Stil in einer Manufaktur produzieren, hofft Finger. (dpa)

www.berlin-bamboo-bikes.org