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Montag, 28.08.2017

Nur nicht schweppern!

Mit einem besonderen Tanz ist das Folkloretanzensemble der TU jetzt in Polen zu Gast. Es wird zum Botschafter Deutschlands.

Von Jana Mundus

Ein Balanceakt für die Damen. Mit Gläsern auf dem Kopf tanzen sie über die Bühne. Die Choreografie ist viele Jahrzehnte alt.
Ein Balanceakt für die Damen. Mit Gläsern auf dem Kopf tanzen sie über die Bühne. Die Choreografie ist viele Jahrzehnte alt.

© Folkloretanzensemble Thea Maass

In der Probe darf gemogelt werden. Die gefüllten Weingläser auf den Köpfen der Tänzerinnen werden noch durch dünne Stricke gehalten. Beim Auftritt ist das anders. Da gibt es keine Tricks. „In diesem Fall hilft nur noch pure Körperspannung“, sagt Choreografin Maud Butter. Trotz des kniffligen Unterfangens: Das Stück mit den Weingläsern ist einer der Lieblingstänze des Folkloretanzensembles „Thea Maass“ der TU Dresden. In dieser Woche zeigen sie ihn beim 30. Internationalen Folklore-Festival im polnischen Katowice. Für die Dresdner der Höhepunkt im Jahr.

Schon 1950 wurde das Ensemble gegründet. Drei Jahre später übernahm die Choreografin und Tanzregisseurin Thea Maass gemeinsam mit Aenne Goldschmidt den Aufbau der Tanzgruppe im Staatlichen Volkskunstensemble der DDR. Zusammen beschäftigten sie sich mit deutscher Folklore, entwickelten Tänze, die Klassiker wurden. So auch die Pfälzer Suite „Wenn im Herbst die Trauben reifen“, bei der es nicht nur für die Frauen und ihre Weingläser kompliziert wird. Die Männer springen auf Stühlen über die Bühne. Normalerweise fallen weder Gläser noch Stühle dabei um.

Die Amateurtanzgruppe ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Heute besteht sie aus 40 Tänzern und Musikern, die das Ensemble bei Auftritten unterstützen. Unter den Mitwirkenden sind Studenten, aber auch viele, die ihren Abschluss schon längst gemacht haben. „Das älteste Mitglied ist 22 Jahre dabei“, erklärt Maud Butter, die 2005 die künstlerische Leitung übernahm. Geprobt wird einmal pro Woche. Die Nachwuchsgruppe mit Tänzern, die das vorhandene Repertoire in gut zwei Jahren erst einmal einstudieren müssen, probt zusätzlich einen zweiten Tag. Jeden Monat gibt es ein gemeinsames Probenwochenende und seit Jahren fährt die Gruppe über Ostern zusammen ins Trainingslager nach Sebnitz. „Das schweißt natürlich zusammen.“

Seit Freitag sind sie nun in Katowice. Neben den Dresdnern nehmen neun weitere internationale Tanzgruppen aus Algerien, Irland, Italien, Polen, Serbien, der Türkei oder Simbabwe am Festival teil und zeigen bis zum Sonntag ihre traditionellen Tänze. Mit insgesamt zwölf Choreografien ist „Thea Maass“ nach Polen gefahren. Mit den Tänzen wird das Folkloretanzensemble zum Botschafter Deutschlands. Traditionelle Tänze aus allen Ecken es Landes gehören zum Repertoire. Nicht nur die.

Zu jedem Tanz gibt es das passende Kostüm, meistens aufwendig gestaltete Trachten. „Da schöpfen wir zum Glück aus einem großen Fundus“, sagt Maud Butter. Müssten neue Kostüme angeschafft werden, würde die Ausstattung für eine Person schnell bis zu 1000 Euro kosten. Geld, das das Ensemble nicht hat. Die Reise nach Polen finanziert der Studentenrat mit. Der Kostümfundus muss deshalb gut gepflegt werden. Dafür arbeitet das Ensemble schon seit Jahren mit der Kreativabteilung des Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerks zusammen. „Die ersetzen Stoffe an einem Kostüm oder nähen neue Knöpfe an. Eine große Hilfe für uns.“

Folklore, das weiß Maud Butter, klingt für viele altbacken und langweilig. Die meisten staunen dann, wie abwechslungsreich und anspruchsvoll die Tänze sind. Trotzdem hat sie manchmal Angst, dass dem Ensemble irgendwann der Nachwuchs fehlt. „Bisher hatten wir diese Situation zum Glück noch nie.“ Doch sie will lieber vorbereitet sein. Deshalb wirbt sie immer wieder dafür, zum Probetraining zu kommen. Viele sind in der Vergangenheit geblieben.

www.tu-te.de

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