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Montag, 28.11.2016

Neue Chance im Kampf gegen den Krebs

Dresdner und Leipziger Wissenschaftler arbeiten an einer innovativen Therapie. Sie könnte vielen Menschen helfen.

Von Jana Mundus

Die Strahlentherapie wird in Dresden schon seit Jahren eingesetzt und erforscht. Mithilfe von Leipziger Wissenschaftler soll nun ein Verfahren entwickelt werden, das noch wirksamer ist.
Die Strahlentherapie wird in Dresden schon seit Jahren eingesetzt und erforscht. Mithilfe von Leipziger Wissenschaftler soll nun ein Verfahren entwickelt werden, das noch wirksamer ist.

© Philip Benjamin

Der Strahl trifft genau. Er entfaltet seine Kraft im erwärmten Gewebe des Tumors. Das ist gut durchblutet. Ein Vorteil, denn so kann das Erbgut der Tumorzellen besser zerstört werden. Sie verlieren die Fähigkeit, sich zu teilen. Weiter im Körper zu streuen. Der Krebs ist besiegt. Forscher aus Dresden und Leipzig haben jetzt ein weltweit einzigartiges Projekt begonnen. Sono-Ray nennen sie ihr Vorhaben. Gemeinsam wollen sie eine neue Form der Krebstherapie auf den Weg bringen. Wenn sie erfolgreich sind, könnten davon jährlich Tausende Patienten profitieren.

Die Methode basiert auf einer Kombination von zwei Verfahren, die einzeln bereits heute in der Tumorbehandlung eingesetzt werden: die Strahlentherapie und der fokussierte Ultraschall. „Sono-Ray verknüpft das exzellente Wissen zur Ultraschallbehandlung in Leipzig und die herausragende Forschung auf dem Gebiet der Strahlentherapie in Dresden“, erklärt Mechthild Krause, wissenschaftliche Direktorin am Oncoray, dem Nationalen Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie in Dresden. Es wird vom Universitätsklinikum, der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und dem Helmholtz-Zentrum Dresden getragen.

Die Forscher stehen ganz am Anfang ihres Projekts. Das Zusammenwirken beider Verfahren muss nun nämlich erst einmal genau untersucht werden. Ein reger Austausch wird deshalb in nächster Zeit zwischen Dresden und Leipzig stattfinden. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Arbeit der Wissenschaftler in den nächsten sechs Jahren mit insgesamt sechs Millionen Euro. Fünf Stellen werden je in Leipzig und Dresden neu geschaffen.

Die Strahlentherapie ist neben der Chirurgie und der Chemotherapie heute eine wichtige Methode in der Krebsbehandlung. Oberflächliche oder auch tiefliegende Tumore können dadurch präzise mit hohen Dosen bestrahlt werden. Ihr weiteres Ausbreiten kann so verhindert werden. Das umliegende gesunde Gewebe ist dabei weitgehend vor bleibenden Schäden geschützt. Die Strahlentherapie ist aber nur dann besonders wirksam, wenn das Tumorgewebe gut durchblutet und mit Sauerstoff versorgt ist. Doch das ist nicht immer der Fall. Oft sind die Tumore schlecht durchblutet und enthalten größere Bereiche, die deshalb sauerstoffarm sind. „Mithilfe des fokussierten Ultraschalls könnten wir diese Bereiche gezielt erwärmen“, erklärt Projektleiter Andreas Melzer, gleichzeitig Direktor des Innovationszentrums für computerbasierte Chirurgie (ICCAS) der Universität Leipzig. Sie werden dadurch besser mit Blut versorgt. Die Strahlentherapie könnte effektiver wirken.

Die Forscher wollen mit ihrer innovativen Methode neue Chancen für die Krebstherapie eröffnen. „Durch die Kombination hoffen wir, sehr viel mehr Tumorzellen zu zerstören oder ein gleichbleibendes Ergebnis bei einer geringeren Strahlendosis zu erzielen“, sagt Mechthild Krause. Das Verfahren soll nun erst einmal im Labor getestet werden. In etwa drei Jahren sollen klinische Tests mit Probanden beginnen. Wenn alles gut läuft, könnte die Therapie in gut zehn Jahren gängige Praxis bei der Behandlung von Krebskranken sein.