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Montag, 03.04.2017

Mit Joghurt-Wirkstoff zum Parkinson-Medikament

Eine von Dresdner Forschern und Medizinern entwickelte Therapie könnte Tausenden Menschen weltweit helfen. Klinische Versuche sollen schon bald beginnen. Wie optimistisch ist die Fachwelt?

Von Stephan Schön

Aus einer Petrischale entnimmt eine medizinisch-technische Assistentin eine Lactobacillus-Probe.
Aus einer Petrischale entnimmt eine medizinisch-technische Assistentin eine Lactobacillus-Probe.

© dpa

Dresden. Eine zufällige Entdeckung Dresdner Max-Planck-Wissenschaftler könnte in fünf Jahren zu einem neuen Medikament gegen Parkinson führen.

Seit drei Jahren laufen erfolgreich die Forschungen. Mit den ersten Studien am Menschen und klinischen Versuchen rechnet Neurologieprofessor Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät an der TU Dresden, bereits ab dem kommenden Jahr.

Dabei hatte er 2014 zunächst kopfschüttelnd die Entdeckung vom Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik wahrgenommen. Abenteuerlich und verrückt klingend: Linksdrehende Milchsäure, wie sie insbesondere im bulgarischen Joghurt vorkommt, und Glykolsäure in unreifem Obst sind Wirkstoffe, die gegen Parkinson wirken könnten.

Die Max-Planck-Forscher Antony Hyman und Teymuras Kurzchalia arbeiten eigentlich in gänzlich anderen Bereichen als Parkinson. Doch bei einem Seminar kamen zwei ihrer neuesten Erkenntnisse zufällig zusammen. Da hatte es gefunkt. Es ist der Anfang einer großen Entdeckung, die derzeit zwar noch nicht heilen kann, aber die große Hoffnung macht. Immer neue Versuche im Labor zeigen inzwischen, diese Stoffe kommen in den Zellen genau dort an, wo sie gebraucht werden. Und sie wirken ohne Nebenwirkungen. Arbeitsunfähige Nervenzellen, tierische wie menschliche, konnten so im Labor mit D-Laktat wiederbelebt werden. Extrem geschädigte Zellkraftwerke fingen wieder an zu arbeiten.

Gelänge dies im Gehirn von Parkinson-Patienten, wäre Linderung, wenn nicht gar Heilung möglich. Doch die Forscher wissen nun auch: Die nötige Menge D-Laktat ist mit einem bulgarischen Joghurt oder zwei nicht zu erreichen. „Joghurt ist keine Alternative zu Medikamenten“, sagt Reichmann. Bulgarischer Joghurt ist zweifellos gesund und eine gute, unterstützende Ernährung. Forscher Teymuras Kurzchalia jedenfalls isst täglich einen Becher. Und auch seinen Supermarkt konnte er überzeugen, diesen ins Sortiment zu nehmen.

Neurologe Reichmann will Fakten und drängt auf klinische Ergebnisse. „2018 sollten wir schon mit ran“, sagt er. Und Firmen auch. Ein Forschungsmanager vom Max-Planck-Institut führt dazu Verhandlungen. Reichmann rechnet mit Kosten von bis zu 100 Millionen Euro bis zum Medikament. Klingt viel und lange. Doch das wäre vergleichsweise billig und schnell.

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