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Dienstag, 09.02.2016

Mensch verbreitete Bienenvirus

Seit Jahren gehen weltweit ganze Bienenstöcke ein – wohl durch eine unheilvolle Doppelinfektion.

Von Nadja Wolf

Die Varroamilbe bringt die Erreger mit ihrem Biss in den Kreislauf von Bienen.
Die Varroamilbe bringt die Erreger mit ihrem Biss in den Kreislauf von Bienen.

© University of Salford/Stephen Martin

Die gefährliche Infektion, die seit Jahrzehnten Bienen massiv zusetzt, ist durch den Menschen von Europa aus weltweit verbreitet worden. Ein internationales Forscherteam berichtet im Fachmagazin Science, dass die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) die ursprüngliche Quelle des Flügeldeformationsvirus (DWV) ist. Befeuert wurde dessen Ausbreitung demnach durch Kontakt mit der Varroamilbe. „Diese Studie zeigt erstmals, dass Europa das Rückgrat der globalen Verbreitung der Bienen vernichtenden Kombination von Flügeldeformationsvirus und Varroa ist“, sagt Erstautorin Lena Wilfert von der englischen University of Exeter.

Seit Jahren gehen weltweit ganze Bienenstöcke ein. Als Verursacher stehen verschiedene Faktoren in Verdacht – darunter Parasiten und Pestizide. Eine Schlüsselrolle spielt vermutlich die Varroamilbe (Varroa destructor) zusammen mit dem Flügeldeformationsvirus (DWV; Deformed Wing Virus). Die aus Asien stammende Milbe, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts von der Östlichen Honigbiene (Apis cerana) auf die Westliche Honigbiene übersprang, bringt das Virus mit ihrem Biss in den Kreislauf von Bienen. Forscher vermuten, dass diese Doppelinfektion Honigbienen – und anderen Insekten – massiv zusetzt.

Um die historische Entwicklung nachzuvollziehen, analysierte das Team das Erbgut von 246 Virusproben aus 17 Ländern weltweit und verglich dies mit bereits beschriebenen Gensequenzen des Virus. Demnach stammen die weltweit kursierenden Virusvarianten von einer Quelle, der Westlichen Honigbiene. Den letzten gemeinsamen Vorläufer datieren die Forscher auf Mitte des 20. Jahrhunderts – mithin also auf jene Zeit, als die Varroamilbe die Westliche Honigbiene befiel.

Durch den Handel habe der Mensch das Virus von Europa aus nach Nordamerika, Australien und Neuseeland gebracht. Dass die Pandemie natürliche Ursachen haben könnte, glauben die Forscher nicht. „Wäre das eine natürliche Ausbreitung, dann würden wir eine Übertragung in nahe gelegene Länder erwarten“, erklärt Wilfert. „Wir haben aber festgestellt, dass die Virenpopulation in Neuseeland aus Europa stammt.“

Während die Virusinfektion in Abwesenheit der Milbe meist glimpflich verläuft, habe die gleichzeitige Ausbreitung der Varroamilbe die Gefahr für Bienen erheblich verstärkt, betonen die Wissenschaftler. Sie fordern strikte Gesundheits- und Handelskontrollen für Bienen und eventuell kontaminiertes Material. (dpa)

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