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Donnerstag, 02.01.2014

Kuschelnde Kaiserpinguine machen die perfekte Welle

Selbst kleinste Bewegungen eines einzelnen Tieres wandern durch die ganze Kolonie. Genau dies rettet sie auch vor der Kälte.

Sie drängen sich schon im Kindergarten eng zusammen. So wehren sie sich gegen die Kälte. Und nur so können sie später einmal überleben. Foto: dpa
Sie drängen sich schon im Kindergarten eng zusammen. So wehren sie sich gegen die Kälte. Und nur so können sie später einmal überleben. Foto: dpa

Dicht gedrängt stehen Tausende männliche Kaiserpinguine beim Brüten in ihrer Kolonie zusammen. Bewegt sich einer von ihnen um nur wenige Zentimeter, rücken die benachbarten Pinguine sofort nach, um die Gruppe möglichst eng beieinander zu halten und vor Kälte zu schützen, berichtet ein deutsch-französisches Forscherteam im Fachblatt New Journal of Physics. Bewegungen einzelner Pinguine pflanzen sich so als fortschreitende Welle durch die Kolonie fort.

Kaiserpinguine brüten mitten im antarktischen Winter, wenn die Temperaturen auf bis zu minus 50 Grad fallen können und der Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde über das Eis fegt. Dank ihres extrem dichten Gefieders und weil sie sich oft zu großen kreisförmigen Gruppen zusammenfinden, können die Pinguine der Kälte trotzen. In so einer Gruppe kann die Oberflächentemperatur eines Pinguins in weniger als zwei Stunden auf 37 Grad Celsius ansteigen, schreiben die Wissenschaftler Richard Gerum und Daniel Zitterbart von der Universität Erlangen-Nürnberg. In den Gruppen sind nur Männchen zu finden. Die Weibchen verschwinden nach der Eiablage ins Meer, um zu jagen. Die Männchen legen sich ihr Ei auf die Füße unter eine Bauchfalte. Sie stehen allerdings nicht völlig regungslos. Zum einen wechseln regelmäßig Tiere von den kühleren Außenpositionen ins Innere der Kolonie. Zum anderen verändert immer wieder die gesamte Kolonie über sich fortpflanzende Bewegungen ihre Position. Wie die Bewegungen ausgelöst werden und wie sich die Wellen ausbreiten, war bisher unklar.

Die Forscher untersuchten dies mithilfe eines mathematischen Modells, das unter anderem auch für die Analyse von Staus im Straßenverkehr eingesetzt wird. Sie verglichen die Vorhersagen des Modells mit Videoaufnahmen brütender Kaiserpinguin-Kolonien. Dabei fanden sie heraus, dass eine Bewegung von jedem Tier ausgelöst werden und sich in jede beliebige Richtung fortpflanzen kann. Sobald der Abstand zwischen zwei Tieren zu groß wird, rückt der Nachbar nach. Zu groß ist in diesem Fall ein Abstand von etwa zwei Zentimetern. Das ist etwa die doppelte Dicke der Gefiederschicht eines Pinguins. Die Tiere berühren sich kaum, wenn sie nebeneinanderstehen. Dadurch wird das Gefieder nicht zusammengepresst, und die Wärmedämmung bleibt erhalten. (dpa/fwt)

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