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Donnerstag, 24.08.2017

Kniearthrose wird häufiger

Dass immer mehr Menschen unter der Krankheit leiden, liegt aber nicht daran, dass sie länger leben oder dicker sind.

Von Andrea Barthélémy

Mit dem Alter steigt das Risiko, an Arthrose zu erkranken.
Mit dem Alter steigt das Risiko, an Arthrose zu erkranken.

© dpa (Symbolbild)

Cambridge. Der Anteil der Menschen mit schmerzhaften Kniearthrosen hat sich seit der frühindustriellen Zeit mehr als verdoppelt. Das geht aus einer US-Studie in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) hervor. „Die große Überraschung für uns war, dass dies nicht nur geschieht, weil Menschen länger leben oder dicker sind, sondern vor allem aus anderen Gründen, die wohl mit unserer modernen Lebensumwelt zu tun haben“, sagte Erstautor Ian Wallace von der Harvard University.

Die Forscher hatten für ihre Studie mehr als 2 000 menschliche Skelette in den USA auf Kniearthrose untersucht. Einige davon (176) waren Tausende Jahre alt (6000 bis 300 vor Christus). 1 581 Untersuchte lebten in der frühindustriellen Zeit (Sterbedatum zwischen 1905 und 1940), 819 analysierte Skelette stammten aus der modernen Zeit (Sterbedatum zwischen 1976 und 2015). Die Forscher fanden bei 16 Prozent der Skelette aus der jüngsten Ära Kniearthrose, bei sechs Prozent aus der frühindustriellen Zeit und bei acht Prozent aus der Frühzeit. Das Ergebnis bereinigten sie dann – soweit möglich – nach Alter, Geschlecht und Gewicht. Doch auch danach war die Häufigkeit der Kniearthrose bei Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg starben, gut doppelt so hoch wie bei Menschen aus der frühindustriellen Zeit.

Bei Arthrose bildet sich die Knorpelsubstanz der Gelenke zurück, zugleich können Knochen-Wucherungen um die Gelenke herum entstehen. Dies ist oft mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden.

Die Erkrankung sei offenbar kein feststehendes Altersschicksal, schlussfolgern die Autoren. Um Prävention zu ermöglichen, müsse man nun noch mehr über die Risikofaktoren herausfinden. Möglicherweise seien dies zu wenig Bewegung, aber auch eine Ernährung, die zu reich an raffinierten Kohlenhydraten sei. Auch zu viel Bewegung auf asphaltierten Straßen, in falschen Schuhen, sowie Gelenkentzündungen und natürlich Adipositas könnten Kniearthrose befördern.

„Diese Studie ist hochinteressant“, sagt Karl-Dieter Heller (Braunschweig), Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Die Zahl der Kniearthrosen und Endoprothesen nehme auch in Deutschland stark zu. „Und das kann man nicht nur mit Adipositas erklären – die macht viel aus, aber nicht alles.“

Die möglichen Gründe, die die Harvard-Forscher für den Trend nennen, findet Heller plausibel. Viele Menschen bewegten sich kaum noch, im Beruf wie in der Freizeit, und sei der unterbelastete Knieknorpel zu wenig ernährt, geschädigt und irgendwann abgebaut, werde Bewegung erst recht schmerzhaft. „Das ist dann ein sich selbst unterhaltender Prozess.“

In Deutschland werden seinen Angaben nach jährlich 170 000 Knie-Prothesen und 230 000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. „Und bei den Knien werden die Patienten immer jünger. Schon etwa 20 Prozent sind unter 60 Jahren.“ (dpa)

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