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Mittwoch, 05.03.2014

Klimawandel versenkt Kulturerbe

Mit den Temperaturen steigen die Ozeane. Historische Altstädte auch an Europas Küsten können sich in Atlantis verwandeln, mahnt eine Studie.

Von Gudrun Janicke

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Auf nach Stralsund, bevor die Stadt in der Ostsee versinkt.
Auf nach Stralsund, bevor die Stadt in der Ostsee versinkt.

© dpa

Potsdam. Vom Tower of London bis zum Opernhaus in Sydney: Der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegel-Anstieg bedrohen einer Studie zufolge zunehmend das Weltkulturerbe. Auch Denkmäler in Deutschland könnten davon betroffen sein. Klettere die globale Durchschnittstemperatur in den kommenden 2.000 Jahren auf der Erde um ein Grad Celsius, seien weltweit 40 Kulturstätten unmittelbar vom Wasser bedroht, berichten Wissenschaftler. Die Studie der Universität Innsbruck und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ist im Fachjournal „Environmental Research Letters“ veröffentlicht.

In Deutschland könnten in den kommenden 2.000 Jahren die Altstädte von Lübeck, Wismar oder Stralsund betroffen sein, wo das Wasser sich breitmachen würde. Insgesamt stehen derzeit weltweit deutlich über 700 Kulturdenkmäler auf der Liste der UN-Kulturorganisation Unesco.

Klettere die Temperatur um drei Grad, würden sogar 136 Standorte auf lange Sicht unter dem Meeresspiegel liegen, betonte der Wissenschaftler Ben Marzeion von der Universität Innsbruck. Darunter seien die historischen Stadtzentren in Brügge, Neapel, Istanbul und St. Petersburg, aber auch Stätten in Indien und China. „Wenn wir den Klimawandel nicht begrenzen, werden die Archäologen der Zukunft einen großen Teil unseres Kulturerbes in den Meeren suchen müssen.“

Die Wissenschaftler haben am Computer für einen Zeitraum von 2.000 Jahren die Entwicklung des Meeresspiegels modelliert. Sie berücksichtigten dabei auch den regional unterschiedlichen Anstieg der Meere und Sturmfluten.

Klimaforscher Anders Levermann vom PIK warnte vor den Auswirkungen auf die Menschheit: „Die globale Durchschnittstemperatur hat sich bereits um 0,8 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit erwärmt. Steigen unsere Treibhausgasemissionen weiter an wie bisher, müssen wir bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer globalen Erwärmung um bis zu fünf Grad rechnen.“ Damit wären die heutigen Siedlungsgebiete von Millionen von Menschen an den Küsten betroffen. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Richard52

    wir sägen an dem Ast, auf dem wir zZ. sitzen. Die Buden, ich meinte Autos, werden immer größer, keiner braucht diese Fahrzeuge oder gibt es soviele Kleinunternehmer in jeder Stadt. Der Dieselgestank nimmt zu, weil noch keine Filter eingebaut wurden. Die Fleischproduktion und somit der Methanausstoß erhöht sich weiter. Transporte in der Luft, zu Land und zur See werden nicht reduzuiert. Übelste Schweröle werden von der Schifffahrt verbrannt ... ich höre jetzt auf, jeder sollte sich reduzieren, nicht nur zur Fastenzeit. Richard

  2. Schönauer

    Gibts dem noch was hinzuzufügen? Ausbeutung der Landschaft und Natur, Luftverschmutzung, Dresden läßt nichts aus und hat sein Welterbe schon mal ganz von alleine zerstört!

  3. Dresdner

    Nachhaltigkeit ist gerade im Freistaat nichts als eine Floskel. Es wird Massentierhaltung gefördert, der Bergbau darf weiter wichtige ökologische Flächen verschlingen, technischer Hochwasserschutz hat Vorrang vor Auenschutz, ein Umsteuern in der industrialisierten Landwirtschaft ist nicht in Sicht, Millionen Tonnen guter Erde werden nach wie vor in die Flüsse gespült, vielerorts belasten Nitrateinträge das Grundwasser usw. Es steht überhaupt nicht gut um Sachsens Artenvielfalt. ... und als einziger europäischer Staat (Stadt) ohne Not Unesco Welterbe zerstört.

  4. Heike Naumann

    Bis das Wasser nach Sachsen kommt vergeht noch viel Zeit. Früher war ja auch schon mal halb Europa unter Wasser und es ging weiter. Also keine Panik!

  5. Docthor

    Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube... so oder so ähnlich sollte man heute auch über Ersatzreligionen denken. Und wird eine schlimme Zukunft verheissen, wenn wir nicht ausreichend darben und uns bemühen, unkritisch alles "richtig" zu machen. Dann sind wir in der Endzeit vom Seeligtum ausgeschlossen und wandern in die Hölle als Strafe für unsere Sünden. So oder so ähnlich stellen sich mir derartige Prognosen oder Kassandrarufe dar (wobei sie ja noch recht hatte) Wo ist denn das Waldsterben oder der saure Regen...? Auch dort hat Wissenschaft und Technik Abhilfe geschaffen oder die Voraussagen haben sich schlicht als falsch erwiesen. Und genauso sehe ich das mit der Klimaerwärmung. Lächerlich von ca. 150 Jahren wiss. Wetterbeobachtung auf Jahrtausende zu schließen. Und hört mir auf mit Klimamodellen. Was der neue Götze COMPUTER sagt, muss also wahr sein, ja...? NEIN und nochmals nein: der Unsinn oder Sinn des Computeroutputs ist abhängig von dem des Inputs: SISO-Regel = shit in - shit out Das beste Beispiel, das diese Regel bestätigt, ist, dass es eine momentane, von Modellen nicht vorhergesehene Abkühlung gibt. Warum auch nicht... wir wissen ja noch nicht mal sicher ob wir in einer Zwischenwarm- oder Kaltzeit der letzten Eiszeit leben. Ich denke nur an die Warmzeit im ausgehenden Mittelalter....was will man also in die Simulation eingeben, welche Modelle werden benutzt, wie vollständig sind die Zusammenhänge des Simulationshintergrundes... wer kann das schlüssig beantworten....? Also weg mit der Panikmache, mit der nur Mittel eingeworben werden sollen, und hin zu einer vernünftigen Vorsorge: Was soll der Unsinn, alle Autos zu verdammen? Klar, große Protzkisten sind überflüssig aber mit Kat oder Partikelfilter ausgestattete Kompakt- oder Mittelklassewage reichen doch... Ein vernünftiger, kostengünstiger Nahverkehr bringt auch viel. Und Fleisch will ich auch essen, verdammt nochmal, und aus der Großanlage, wo die Tiere ausreichend Bewegung haben, auch grünes Gras zu fressen kriegen, von kundigen Ärzten betreut werden, ziemlich artgerecht leben (was beim Klein- und Ökobauern nicht unbedingt gegeben ist). macht mal einen Tag der offenen Tür mit bei beiden!) Ähm und das leidige Methan geht in die Athmosphäre..... jajaja... Unsinn - nur in der Großanlage wird das zur ALTERNATIVenergiegewinnung genutzt und ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb. Und was hat das Welterbe damit zu tun? Ist das Elbtal nun weniger gut ohne diesen inflationär verliehenen Faschingstitel? Fragen, Fragen, Fragen...

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