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Kaum gefunden – schon bedroht

06.10.2017

nden – schon bedroht
Zu Ehren des deutschstämmigen kolumbianischen Forschers Federico Medem erhielt die besonders farbenprächtige Art den wissenschaftlichen Namen Trachemys medemi.

© Carlos del Valle

Dresden. Forscher haben Schmuckschildkröten einer Grenzregion Kolumbiens zu Panama einer eigenen Art zugeordnet. Die Tiere seien erstaunlicherweise mit Arten verwandt, die in mehreren Tausend Kilometer Entfernung vorkommen, teilten die zu Senckenberg gehörenden Naturhistorische Sammlungen in Dresden am Freitag mit. Zu Ehren des deutschstämmigen kolumbianischen Forschers Federico Medem erhielt die besonders farbenprächtige Art den wissenschaftlichen Namen Trachemys medemi.

Die Forscher hatten das Aussehen und das Erbgut kolumbianischer Schmuckschildkröten untersucht und dabei festgestellt, dass es im Río Atrato nahe der Grenze zu Panama eine genetisch völlig isolierte Gruppe der Tiere gibt. „Sie sind nicht mit den benachbarten Schmuckschildkröten-Arten verwandt, sondern mit Schmuckschildkröten aus Brasilien, die durch den Amazonas getrennt in mindestens 3700 km Entfernung leben“, erklärte Uwe Fritz, Direktor der Sammlungen.

Obwohl ihr kleines Verbreitungsgebiet zum Teil in Schutzgebieten liege, seien die Tiere stark bedroht, hieß es. „In Kolumbien werden in der Fastenzeit vor Ostern unvorstellbare Mengen von Schmuckschildkröten gefangen, da sie als „Fisch“ gegessen werden dürfen“, erklärte Mario Vargas-Ramírez von der Universidad Nacional und Erstautor der im „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ veröffentlichten Studie. „Zudem verkleinern Waldrodungen den natürlichen Lebensraum der Tiere.“ Daher sei ein umfassendes Schutzkonzept nötig, so die Forscher. (dpa