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Donnerstag, 18.02.2016

In Dresden entsteht ein Nationales Tumorzentrum

Medizinische Spitzenforschung bekommt einen großen Neubau – zum direkten Nutzen der Patienten.

Von Stephan Schön

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Professor Michael Baumann ist einer der führenden Krebsforscher und arbeitet künftig am Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT).
Professor Michael Baumann ist einer der führenden Krebsforscher und arbeitet künftig am Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT).

© Ronald Bonss

Dresden/Heidelberg. Abrissbagger rücken an. Die Kräne für den Neubau kommen im Sommer. Auf dem Gelände des Dresdner Universitätsklinikums entsteht ein neues Tumorzentrum, eines der weltweit modernsten. Hier wird den Patienten das Wissen von Spitzenforschern ganz unmittelbar zugute kommen, kündigte Medizinprofessor Michael Baumann im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung an.

22 Millionen Euro sind für einen Neubau vorgesehen. Das Geld kommt vom Land. Gemeinsam mit dem Krebsforschungszentrum Heidelberg bildet der Standort Dresden das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Es soll bis 2020 in die Top Ten weltweit aufrücken und mit Houston, New York, Toronto und Stockholm konkurrieren.

Beide Standorte, Dresden und Heidelberg, seien gleichberechtigt und gleich wichtig. Beide müssten auch gleich gut sein, sagte Baumann. In Dresden liege der Schwerpunkt auf der Strahlenbehandlung, der Chemotherapie und nun auch auf der Tumor-Chirurgie. Fünf Professoren werden gerade neu eingestellt, mindestens fünf weitere folgen in Kürze. Mit ihnen kommen neue Mitarbeiter; Geräte werden beschafft und Labors im Neubau eingerichtet.

Im Dresdner NCT werden insgesamt 40 bis 50 Professoren und mehr als 200 neue Mitarbeiter tätig sein – Tendenz steigend. Wie der Direktor des Uniklinikums, Michael Albrecht, erklärte, werde dann auf einem Viertel des gesamten Klinik-Terrains der Krebs erforscht und behandelt. Bisher seien dort schon 500 Forscher, Ärzte und Mitarbeiter in der Onkologie tätig.

150 weitere Forscher arbeiten am Helmholtzzentrum Dresden-Rossendorf an neuen Geräten und einer besseren Bestrahlung. Auch sie sind Teil des neuen Tumorzentrums. In Rossendorf entstehen zum Beispiel Kameras, die eine zellgenaue Bestrahlung von Tumoren ermöglichen. Dadurch lassen sich bisher unheilbare Tumore behandeln, so Institutsdirektor Roland Sauerbrey. In drei Jahren etwa könnten die neuartigen Protonen-Kameras existieren und in fünf Jahren dann Standard sein.

Für das Nationale Tumorzentrum in Dresden stehen jährlich 15 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Geld, das über die Forschung unmittelbar den Patienten helfen soll. Michael Baumann hofft auf künftig größere Heilungschancen. Jede zweite Krebserkrankung könne derzeit geheilt werden. Fünf Prozent größere Heilungschancen könnten es bis 2025 sein.

Es gehe aber auch darum, Leben lebenswert zu verlängern. Schlüssel dafür sei eine individualisierte Medizin, die jedem Patienten genau auf seinen Zelltyp hin die beste Behandlung biete. Dafür wiederum ist eine enorme Rechenleistung nötig. Die wird bereits an anderer Stelle auf dem TU-Campus am neuen Supercomputer aufgebaut.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Volker Volkmar

    Das mit der Medizinischen Spitzenforschung und den entsprechenden Großgeräten hört sich stets gut an. Medizinischer Fortschritt vorrangig mit technischen Geräten. Vor allem kann man es gut und öffentlichkeitswirksam verkaufen. So sind allein 22 Millionen Euro für einen Neubau vorgesehen. Für die jährlich vorgesehenen 15 Millionen Euro könnte man auch 50 Hausärzte über 30 Jahre mit einem monatlichen Budget von über 8.000 Euro für Ihre eigene Praxis, zum Beispiel in ländlichen Regionen, oder für ihre Anstellung und Förderung in einem Versorgungszentrum bezahlen, um die Basisversorgung zu sichern.

  2. DuliebeGüte

    @ Volker Volkmar: Grau ist alle Theorie. Hauptsache, schnell mal ein paar Zahlen in den Taschenrechner gehämmert; dass man dabei Äpfel mit Birnen vergleicht, ist ja egal ... Natürlich ist es problematisch, dass vor allem auf dem Land immer mehr Allgemeinärzte aufgeben, aber was nützt die beste Basisversorgung, wenn immer mehr Menschen an Krebs erkranken und ihnen nur durch (teure) Spitzentechnik und entsprechendes Personal geholfen werden kann? Bei komplizierten Tumoren kann man schlecht sagen: "Geh halt zum Hausarzt", oder?

  3. Nationaler

    Darf ein "nationales" Zentrum in diesem Zeiten überhaupt sein? Wo bleibt der Aufschrei der alles-immer-wieder-besser-Wissenden? Hier gehört ein für alle Welt offenes Zentrum hin und nichts nationalistisches!

  4. Jens

    @ 2: Die Hausärzte sind aber erwiesenermaßen der erste Schritt bei der Erkennung und erfolgreichen Behandlung einer Krebserkrankung. Die Patienten werden wegen ihrer Beschwerden in der Regel zuerst beim Hausarzt vorstellig, welcher dann bei entsprechendem Verdacht zum Spezialisten überweist. Wenn aber selbst in einer Großstadt wie Dresden immer mehr Menschen Probleme haben einen Hausarzt zu finden, wirft das ein bezeichnendes Licht auf unser Gesundheitssystem.

  5. OLdie - 88 -

    Immer diese Meckerei hier, zum K.... . Seien wir doch froh, dass für Krebskranke überhaupt neue Behandlungsmethoden erfunden und entwickelt werden. Mich wies der Hausarzt mit 83 Jahren zur Krebs-OP ein, ca 5 Std unterm Messer und ich habe es überstanden, trotz des Alters und dank der Mediziner auf allen Ebenen. Eine in unserem Lande noch fast unbekannte Methode ist das Einsetzen von einem Darmschrittmacher, auch Nero-Stimulator genannt, nach der OP. So schreitet die Technik und das Wissen unserer Arzte fort und jeder sollte sich darüber freuen, auch wenn dieses alles sehr teuer ist, denn man weiß ja auch nicht ob die Leute, die hier kritisieren, nicht auch einmal z.B. Darmkrebs-operiert werden müssen. Und was unsere Gesundheitsversorgung angeht, so sollte man einmal über unsere Grenzen schauen. Dann erst weiß man, trotz aller vielleicht noch bestehenden Mängel, wie gut es uns hier geht. Ach so, ich bin Kassenpatient. Danach fragt aber kein Arzt, wenn man auf dem OP-Tisch liegt.

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