Montag, 10.12.2012

Immer mehr Tierarten auf dem Vormarsch

Ein Waschbär (Procyon lotor) hält einen Zwieback in den Pfoten. Etwa 500.000 Exemplare des problematischen Säugers leben in Deutschland. Foto: dapd
Ein Waschbär (Procyon lotor) hält einen Zwieback in den Pfoten. Etwa 500.000 Exemplare des problematischen Säugers leben in Deutschland. Foto: dapd

Bonn. In Deutschland finden immer mehr Tierarten eine neue Heimat. Allein rund 800 gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten seien in den vergangenen 500 Jahren von Menschen eingeschleppt und aktiv ausgesetzt worden, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, der Nachrichtenagentur dapd in Bonn.

Mittlerweile mache die Gruppe ein Prozent des gesamten Artenbestandes in Deutschland aus. „Das ist schon eine hohe Anzahl, zumal zunächst nicht abzusehen ist, wie sich die Arten verhalten werden."

Jessel sagte: „Klar ist: Ein Großteil der gebietsfremden Arten ist vollkommen unproblematisch und integriert sich hervorragend." Etwa 33 Pflanzen- und 11 Tierarten würden aber Gefahren bergen. „Einige Arten sehen auf den ersten Blick ganz putzig und wunderschön aus, bereiten aber Probleme." Dazu zählte sie den Waschbären, von dem schätzungsweise etwa 500.000 Exemplare in Deutschland leben.

„Er gefährdet in Brandenburg die Sumpfschildkröte, stellt ihnen nach und beißt ihnen den Kopf ab. Dabei ist die Sumpfschildkröte eine gefährdete Art", sagte die BfN-Präsidentin. Zudem dringe er immer häufiger in Häuser ein. In Deutschland seien allein im vergangenen Jahr 70.000 Waschbären erschossen worden. „Man wird dem nicht mehr Herr. Der Waschbär ist da und er ist nicht mehr wegzukriegen."

In Niedersachsen dränge das eingeschleppte amerikanische Heusenkraut heimische Pflanzen zurück und verstopfe den Wasserabfluss in örtlichen Gräben. Auch der Fischbestand im Rhein sei von fremd eingeschleppten Arten betroffen. „Wenn Angler im Rhein ihre Angel auswerfen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen heimischen Fisch mehr an der Angel haben, sondern eine sogenannte Grundel." Die Schwarzmundgrundel stamme aus dem kaukasischen Raum und verdränge im Rhein heimische Fische.

Erfolge durch Naturschutzmaßnahmen

Neben den von Menschen hergebrachten Arten wie eben der Waschbär und die Pflanze Ambrosia kehrten auch wieder häufiger Tiere freiwillig zurück nach Deutschland. Der Wolf und der Seeadler hätten „sich aufgrund von erfolgreicher Naturschutzmaßnahmen ausgebreitet", sagte Jessel. „Das sind im Gegensatz zur Einschleppung natürliche Prozesse." Die Rede sei von deutschlandweit etwa 120 Wölfen. „Das werte ich als Erfolg." Von den bedrohten Seeadlern gebe es inzwischen wieder 700 Brutpaare.

Nach Einschätzung von Jessel werden sich die Lebensräume der Tiere weiter verschieben. „Wir werden durch den Klimawandel noch eine ganze Menge neuer Arten bekommen, die eigentlich an trockenere und wärmere Umgebungen gewöhnt sind", sagte die Naturschutzexpertin. (dapd)

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