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Freitag, 27.12.2013

Frühreif oder Spätzünder?

Im Gegensatz zu Menschen und Schimpansen sinken die Schilddrüsenhormone bei Bonobos erst im späten Erwachsenenalter ab.

Von Annett Stein

Spiel der Hormone: Sozialverhalten und geistige Fähigkeiten der Bonobos sind davon beeinflusst.
Spiel der Hormone: Sozialverhalten und geistige Fähigkeiten der Bonobos sind davon beeinflusst.

© ZB

Das Kind im Manne – bei Bonobos bleibt es lange erhalten. Ursache könne ihr Spiegel an Schilddrüsenhormonen sein, der bis ins hohe Erwachsenenalter auf Teenie-Niveau bleibe, berichten deutsche und belgische Forscher im Journal of Human Evolution.

Männliche Bonobos sind zeitlebens auf Unterstützung durch ihre Mütter angewiesen, pflegen freundschaftliche Beziehungen zu Weibchen und sind weniger aggressiv als ihre nahen Verwandten, die Schimpansen. Bei diesen sinken die Schilddrüsenhormone ebenso wie beim Menschen deutlich früher ab.

Die Forscher um Verena Behringer vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hatten die hormonellen Veränderungen von rund 200 in Zoos lebenden, ein bis 56 Jahre alten Bonobos (Pan paniscus) und Schimpansen (Pan troglodytes) untersucht. Die Urinanalysen zeigten bei Schimpansen hohe Hormonwerte in der Jugend mit einem Abfall während der Pubertät.

Bei den Bonobos dagegen lagen die Messwerte des Schilddrüsenhormons Triiodthyronin (T3) bis ins Erwachsenenalter auf Jugend-Niveau. Die Männchen übertreffen in der Konzentration der Schilddrüsenwerte dabei sogar noch die Weibchen.

„Hohe Schilddrüsenhormonwerte reduzieren möglicherweise die Aggression bei männlichen Affen”, erklärt Verena Behringer. Möglicherweise bevorzugten Bonobo-Weibchen mit Schilddrüsenhormon „gedopte” Männchen als Partner. „Jetzt gilt es herauszufinden, welche biologische Bedeutung die erhöhten Schilddrüsenhormone bei den Bonobos im Detail haben.“

Der anhaltend hohe T3-Spiegel sei zudem ein Indiz für eine verzögerte Entwicklung der geistigen Fähigkeiten, berichten die Forscher. Triiodthyronin (T3) spielt ebenso wie das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) eine wichtige Rolle bei Gehirnentwicklung, Körperwachstum und Fortpflanzung. Psychologische Studien deuteten darauf hin, dass die kognitive Entwicklung bei Bonobos verglichen mit der bei Schimpansen tatsächlich verzögert ist.

Der Hormonabfall des Menschen liege zwischen dem der beiden Affenarten, erläutert Verena Behringer. Darum sei offen, welche von ihnen den ursprünglicheren Rhythmus repräsentiere. „Mit anderen Worten, ob der Schimpanse frühreif oder der Bonobo ein Spätzünder ist.”

Die zu den Menschenaffen gehörenden Bonobos leben südlich des Kongos in der Demokratischen Republik Kongo. (dpa/fwt)

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