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Donnerstag, 22.06.2017

Forscher sind aus dem Nordpol-Eis zurück

Die Expedition am Nordpol unter sächsischer Leitung hat auf neue Art Wissen über das Klima gesammelt. Die Daten erklären, wie sich das Klima – auch bei uns – verändert, wenn das Eis im Norden schmilzt.

Von Stephan Schön, zzt. Longyearbyen, Spitzbergen

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Das Eis des Nordpolgebietes liegt hinter der Expedition.
Das Eis des Nordpolgebietes liegt hinter der Expedition.

© Stephan Schön

  • Das Eis des Nordpolgebietes liegt hinter der Expedition.
    Das Eis des Nordpolgebietes liegt hinter der Expedition.
  • Jetzt hat die „Polarstern“ Spitzbergen angesteuert.
    Jetzt hat die „Polarstern“ Spitzbergen angesteuert.
  • Unter sächsischer Leitung hatten Forscher Klimadaten im Eis gesammelt.
    Unter sächsischer Leitung hatten Forscher Klimadaten im Eis gesammelt.
  • Jetzt verlässt ein Teil der Forscher den Eisbrecher.
    Jetzt verlässt ein Teil der Forscher den Eisbrecher.

Nach vier Wochen im Eis zurück an Land: Die Arktis-Expedition mit dem Eisbrecher Polarstern unter sächsischer Leitung – und begleitet von der Sächsischen Zeitung – ist zu Ende. Eis, Wasser, und winzigste Partikel aus der Luft sind gesammelt, eingefroren oder als lange Datenreihen im Rechner gespeichert. Diese Daten sollen besser als bisher erklären, wie sich das Klima – auch bei uns – verändert, wenn das Eis im Norden so weiter schmilzt.

„Die Expedition war in jeder Hinsicht erfolgreich. Wir hatten zudem viel Glück bei der Wahl unserer großen Eisscholle“, erklärt der Leipziger Fahrtleiter Andreas Macke. Diese Scholle war groß genug für alle, hatte altes Eis und junges. „Wir haben das, was wir messen wollten, geschafft“, sagt Macke – sichtlich zufrieden, selbst ziemlich geschafft und letztlich froh, dass die Eisbären-Guards ihre Waffen nie nutzen mussten.

In Leipzig leitet Macke das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos). Dort geht es vor allem um jene Luftschichten über uns, die Wetter und Wolken bestimmen. Die Polarstern war daher auf Wolkenmission. Aber nicht nur. Vom Eisbrecher aus wurde eine Eisstation aufgebaut. 49 Wissenschaftler aus fast 20 Instituten, dazu noch Meteorologen und Piloten waren auf der Eisscholle im Einsatz. Während die Forscher ihre Proben genommen haben, hat auch die Polarstern – vollgepackt mit Messcontainern – Proben gesammelt. Am Ballon ist mit Sonden die Atmosphäre bis in 2 000 Meter Höhe untersucht worden und Sentinel-Satelliten lieferten dazu beste Bilder der Polarregion aus dem All. Die Universität Leipzig lässt zudem gemeinsam mit dem Polar- und Meeresinstitut AWI derzeit immer noch zwei Messflugzeuge über dem Eis kreisen.

Auch die Polarstern wird wieder aktiv, sie legt heute wieder ab. An Bord sind weiterhin zwei Container voller Messtechnik aus Leipzig und einige Wissenschaftler aus Sachsen. Die Fahrtleitung hat jetzt AWI-Biologe Hauke Flores. Er wird mit dem Schiff noch einmal zurück zur großen Eisscholle fahren, um die letzten driftenden Geräte einzusammeln, sofern das Eis dort noch nicht zerbrochen, zerquetscht oder einfach nur auf dem Weg nach Süden schon geschmolzen ist.

Die Eis-Scholle bei 82 Grad Nord war über Wochen weit genug weg, um von der Kommunikation so ziemlich abgehängt zu sein. Normale Mails waren auf 50 Kilobyte begrenzt. Das heißt nur Text, kein Facebook, kein TV, alles Offline. Sehr viel weniger ist da möglich, als bei einem Smartphone, bei dem die Datenrate aufgebraucht ist. Selbst der Weltraum ist da besser verbunden. Jedes für die Zeitung gesendete 2 MB-Bild aus der Nordpol-Region indes bedeutete ziemlichen Aufwand.

Die gesamte Expedition wird im Oktober in einer SZ-Spezialausgabe „EiSZeit“ vorgestellt – gedruckt in 3-D.

Mehr unter www.szlink/Expedition

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Thomas Reiter

    Aufgrund der Verbindungsmöglichkeiten mit geostationären Relaissatelliten haben wir von der ISS eine Datenrate von bis zu 150Mbps - das ist doch um einiges höher, als von den Polregionen der Erde.

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