erweiterte Suche
Samstag, 16.02.2013

Feuer am Himmel

Von Ulrich Heyden, Moskau

Bild 1 von 2

  • Ein Meteorit von mindestens zehn Tonnen explodiert über dem Uralgebirge. Rauchend schießen die Trümmer auf mehrere Städte herab. Foto: Itar-Tass/Airikh Yulia
    Ein Meteorit von mindestens zehn Tonnen explodiert über dem Uralgebirge. Rauchend schießen die Trümmer auf mehrere Städte herab. Foto: Itar-Tass/Airikh Yulia

Die Lehrerin verabschiedet ihre Klasse gerade ins Wochenende. Es ist die Stadt Tscheljabinsk am Ural. „Nun Kinder, alles Gute“, die Schüler in ihren schwarz-weißen Schul-Uniformen greifen schon nach ihren Taschen, da bersten mit einem Knall alle Fensterscheiben, und kalter Wind drückt ins Klassenzimmer. Die Explosion des Meteoriten über dem Gebiet von Tscheljabinsk löst eine Druckwelle aus. Die Schäden sind erheblich. Doch das ganze Ausmaß stellt sich erst in den kommenden Stunden heraus. Bis gestern Nachmittag hatten sich allein in russischen Krankenhäusern 1 200 Menschen gemeldet. Vor allem wegen Schnittverletzungen mussten sie behandelt werden.

Atomanlagen in Gefahr

Dass es durch den Niedergang eines Meteoriten zu Verletzten kommt, ist höchst ungewöhnlich und offenbar nur damit zu erklären, dass der Meteorit sehr groß war. Mehr als 50 Jahre ist es her, dass einmal ein Mensch durch einen Meteoriten verletzt wurde. Das war 1954 in den USA. Anders nun in der Millionenstadt Tscheljabinsk.

Die Menschen waren gestern in heller Panik, denn niemand wusste zunächst, was das gleißende Licht und die drei Explosionen zu bedeuten hatten. Das Gebiet im Ural ist voller Chemie- und Nuklearbetriebe. Die Menschen rechneten schon mit dem Schlimmsten, dem Unfall in einer Fabrik. Doch wie durch ein Wunder wurde nur das Dach einer Zink-Fabrik in Tscheljabinsk zerstört. Arbeiter kamen nicht zu Schaden. Wladimir Lipunow, Mitarbeiter des Moskauer Sternberg-Instituts für Astronomie, erklärte gegenüber dem russischen Fernsehen die Folgen eines Meteoriten-Einschlags im Gebiet Tscheljabinsk hätte wegen der zahlreiche Rüstungsbetriebe, die Atombomben und thermonukleare Waffen herstellen, „viel, viel schlimmer sein können.“ „Ich ging auf den Balkon um zu sehen was passiert war“, erzählt ein junges Mädchen mit einem Pflaster am Kinn dem staatlichen russischen Fernsehkanal Pervi.

„Alle Glasscheiben flogen auf mich.“ Aber sie habe verglichen mit anderen „noch wenig“ abbekommen. Bei über 300 Gebäuden, Wohnhäusern, Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern, in Tscheljabinsk wurden die Fenster zerstört.

Die Bewohner zerstörter Wohnungen kaufen nun in ihrer Not Plastikplanen, denn nicht alle Fenster können schnell repariert werden, und nachts sinken die Temperaturen hier auf bis zu minus 18 Grad.

Bereits an drei Stellen wurden Trümmer des Meteoriten gefunden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist ein Trümmerteil im Tschebarkul-See niedergegangen. Die Russische Nachrichtenagentur Ria-Novosti veröffentlichte das Foto der kreisrunden Einschlagstelle in der Eisdecke des Sees. Die Meinungen darüber, wie groß der Meteorit war, der da am Freitagmorgen um 7.23 Uhr Moskauer Zeit in die Erdatmosphäre eintrat, gehen bei den Wissenschaftlern auseinander. Nach Meinung von Sergej Lamsin, Mitarbeiter des Moskauer Sternberg-Astronomie-Instituts, war es ein Meteorit von zehn Metern Durchmesser. Nach Meinung von Aleksandr Dudorow, Leiter der Fakultät für theoretische Physik an der Universität von Tscheljabinsk, handelte es sich um einen Meteorit von nur einem Meter Durchmesser. Nasa-Schätzungen am Abend zufolge hatte der Gesteinsbrocken einen Durchmesser von 15 Metern.

Beim Eintritt in die Erdatmosphäre habe er sich in Gas verwandelt und an Volumen zugenommen, erklärte der Wissenschaftler. Dadurch habe es den gleißenden Lichtschein gegeben. Möglicherweise habe sich in dem Meteoriten aber ein Metallkern befunden, der dann zur Erde niedergegangen sei.

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.