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Dienstag, 07.02.2017

Fertigmachen zur sächsischen Arktisexpedition

Die Forscher packen Container voller Messtechnik. Sie bereiten ihre Arktisexpedition vor, und die SZ fährt dort mit.

Von Stephan Schön

Aufstieg bis 1 500 Meter. Forscher vom Leipziger Tropos testen ihren Ballon unter sommerlich-arktischen Bedingungen.
Aufstieg bis 1 500 Meter. Forscher vom Leipziger Tropos testen ihren Ballon unter sommerlich-arktischen Bedingungen.

© Anja Jungnickel

Die Arktis liegt nur 90 Kilometer vor Dresden. Sie ist ein lehmig-matschiger Acker, der so langsam wieder festfriert. Dieser Acker von Melpitz in der Nähe von Torgau ist derzeit ein einmaliges Versuchsgelände für Tropos. Und das, obwohl Tropos, das Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, nicht wirklich etwas mit Landwirtschaft zu tun hat.

Tropos macht den winterlichen Härtetest für seine neuen Sensoren, für die Messtechnik am Boden und in der Luft. Dafür ist der Luftraum über Melpitz in diesen Tagen sogar für den Flugverkehr gesperrt. Es sind die letzten Vorbereitungen auf die Arktis. Danach wird die Fracht nach langen Listen zusammengepackt. Ende Mai geht es dann straff nach Norden. Wissenschaftler vom Tropos und Meteorologen der Universität Leipzig fahren mit dem Eisbrecher Polarstern bis kurz vor den Nordpol. Mindestens 82 Grad Nord ist das Ziel. Forscher der Universität Bremen und vor allem vom AWI, dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, werden mit dabei sein.

Zum AWI gehört auch jenes Schiff, mit dem die Fahrt hinein ins Nordmeer-Eis geht. Im Mai/Juni ist dann eine Forschungskampagne geplant, wie es sie bisher weltweit noch nicht gegeben hat, berichtet Andreas Macke, Tropos-Institutsdirektor und wissenschaftlicher Fahrtleiter. „Wir werden dort Dinge sehen, die so bisher unsichtbar waren.“ Neue, selbst entwickelte Messgeräte lassen die Atmosphäre und die Wolken in neuer Art betrachten. Weltweit sind noch nie so viele Instrumente zur Untersuchung von Wasser, Eis, Atmosphäre und Strahlung zeitgleich in der Arktis eingesetzt worden, sagt Andreas Macke. Von Spitzbergen aus werden zudem täglich Polarflugzeuge ihre vorgeschriebenen Schleifen über dem Eisbrecher ziehen, während die Eisstationen unten ihre Daten speichern.

Seit fünf Jahren schon laufen die Vorbereitungen für diese Expedition. Sie ist Teil des noch größeren Forschungsprojekts AC³. Geleitet wird dieses von der Universität Leipzig. Mit einer fest angestrebten Verlängerung könnte es noch bis 2028 fortgesetzt werden. Die erfolgreiche Polarstern-Expedition ist dafür eine Voraussetzung.

44 Besatzungsmitglieder sind vorgesehen. Heli-Crew sowie Wetterdienst sind an Bord. Und 47 Wissenschaftler nimmt Fahrtleiter Andreas Macke mit, darunter auch einen Wissenschaftsredakteur der Sächsischen Zeitung. Er ist ins Forscherteam integriert als Hilfswissenschaftler, als Sicherungsmann bei den zahlreichen Ballonaufstiegen, als Assistent oder für die Eisbärenwache – und Berichterstatter von Bord. Polarforschung live aus dem Norden, ganz nah dran, die wird es dann ab Ende Mai geben.