Samstag, 16.02.2013

Ein astronomischer Streifschuss für die Erde

Fast hätte es noch einmal geknallt, aber dann gewaltig. Doch der Asteroid 2012 DA14 fliegt vorbei und verschwindet wieder im All.

Der Blick auf den nahenden Asteroiden 2012DA14. Während die Sterne als Striche erscheinen, bleibt der Bote aus dem All als Punkt erkennbar. Das Teleskop wurde exakt mit ihm geschwenkt. Foto: Nasa
Der Blick auf den nahenden Asteroiden 2012 DA14. Während die Sterne als Striche erscheinen, bleibt der Bote aus dem All als Punkt erkennbar. Das Teleskop wurde exakt mit ihm geschwenkt. Foto: Nasa

So nah war noch nie ein Klumpen dieser Größe der Erde gekommen. Keiner, der vorhergesehen wurde. Ein 65 Meter breiter Asteroid nähert sich, und seit gestern fliegt er wieder in die Tiefe des Alls zurück. Mit kosmischen Maßstäben gesehen ein Streifschuss für die Erde. Und dennoch, mit dem Meteoritenschauer vom Freitag hat dieser absolut nichts zu tun. Außer einem Fakt vielleicht: die Erde steht viel öfter unter kosmischem Beschuss, als wir wohl wahrnehmen.

Zum Crash mit 2012 DA14 kam es zum Glück nicht. Denn dann hätten die Schäden noch ganz anders ausgesehen als im Ural. Jener Meteorit war wohl nur wenige Meter groß. 2012 DA14 indes hat einen einen Durchmesser von 65 Metern und eine Masse von etwa 400000 Tonnen. Am hellsten war der Asteroid 2012 DA14 in Deutschland nach Auskunft der Europäischen Raumfahrtagentur Esa um 20.40 Uhr zu sehen. Da erschien er gerade über dem Osthorizont.

Das erste Bild des Asteroiden im Anflug hatte am Mittwoch ein Experte in Australien geschossen. Zuerst gesehen wurde er jedoch von spanische Astronomen. Das war vor knapp einem Jahr. Sie hatten „2012 DA14“ im Rahmen des Esa-Space Situational Awareness Programms entdeckt. „Dies war das Ergebnis unserer Alltagsarbeit“, erinnert sich der spanische Astronom Jaime Nomen vom Observatorium OAM auf Mallorca. Das kleine Team von acht Mitarbeitern, darunter einige Amateur-Astronomen, hatte den Asteroiden vor einem Jahr aufgespürt. Am Freitag sollte der Kleinplanet an der Erde so nahe vorbeirasen wie kein vorhergesagter Himmelskörper dieser Größe je zuvor.

„Wir verbringen Tag und Nacht am Computer, denn so ein Asteroid kann jeden Augenblick auftauchen“, berichtete der 52-Jährige der Zeitung „ABC“. „Dann muss man sofort reagieren, weil man sonst das Objekt wieder verliert.“ In der Nacht zum 23. Februar 2012 hatte ein Teleskop der OAM-Beobachtungsstelle La Sagra (LSSS) im Südosten Spaniens die ersten Bilder des Asteroiden aufgefangen. Die Daten wurden automatisch von einem Computerprogramm ausgewertet und gefiltert.

Da aufgrund der aufgespürten Koordinaten die Möglichkeit bestand, dass der Himmelskörper sich der Erde nähern und als ein „Near Earth Object“ (Neo) erweisen könnte, wurden automatisch die Wissenschaftler alarmiert. „Ich hatte in jener Nacht die Beobachtungen auf einem Segelschiff vor der Küste von Tarragona ausgewertet“, berichtete Nomen. „Wir entdecken jede Nacht fünf oder sechs solche Objekte. Aber an der Flugbahn konnte ich sehen, dass dies ein besonders interessanter Fall war.“

Ein zweites Teleskop wurde darauf ausgerichtet, den Himmelskörper zu verfolgen. Die Spanier sind stolz, dass sie trotz ihrer bescheidenen Mittel den Asteroiden als Erste entdeckt haben. „Die allermeisten ’Near Earth Objects‘ werden von den USA aus aufgespürt, aber wir stehen weltweit an zweiter Stelle“, sagt Nomen. Er und seine Kollegen entdeckten in den vergangenen fünf Jahren mehr als 6500 Asteroiden, darunter 67 erdnahe Objekte.

Das Besondere am Himmelskörper 2012 DA14 ist, dass seine Umlaufbahn dem Orbit der Erde ähnelt. „Er benötigt für einen Umkreis 366,24 Tage, etwa einen Tag mehr als die Erde“, erläutert Nomen. „Zweimal im Jahr kreuzen sich die Umlaufbahnen. Wenn die Erde auf die Außenbahn gerät, wird sie vom 2012 DA14 überholt. Und wenn sie die Innenbahn einnimmt, zieht sie an dem Asteroiden wieder vorbei.“ (dpa/SZ/sts)

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