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Mittwoch, 13.05.2015

Dresdner Superhirn fängt an zu rechnen

Der neue Computer arbeitet 70-mal schneller als sein Vorgänger. Er durchschaut Kometen und Krebszellen.

Von Stephan Schön

Der Herr über die Glasfaserkabel: Wolfgang E. Nagel ist Direktor im Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen.
Der Herr über die Glasfaserkabel: Wolfgang E. Nagel ist Direktor im Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen.

© Christian Juppe

Dresden. Der viertstärkste Supercomputer Deutschlands geht heute in Dresden ans Netz. An der Technischen Universität beginnt HRSK-II seinen Job für die Forschung.

15 Millionen Euro waren dafür nötig und ein völlig neuer Maschinenraum. Der hat nochmals 45 Millionen Euro gekostet. „Diese Halle ist die bundesweit modernste und bietet auch künftigen Rechnergenerationen Platz“, berichtet Wolfgang Nagel, Leiter des Hochleistungsrechnens an der Universität. Vor allem um Energieeinsparung geht es. Aber selbst der Dresdner Supersparer verschlingt in nur fünf Jahren noch einmal seine Investitionssumme in Form von Betriebskosten. Diese Ausgaben sind aber nötig, weil immer mehr Experimente beispielsweise aus Physik, Biologie und Maschinenwesen vom Labor in die virtuelle Welt umziehen. Seine erste große Aufgabe, die der Supercomputer eben abzuarbeiten beginnt, ist die Berechnung des Inneren vom Kometen „Tschuri“. Den hatten TU-Forscher im November spektakulär mit der Rosetta-Sonde durchleuchtet. Künftig sollen im neuen Rechenzentrum vollautomatisch auch einzelne Krebszellen unter Millionen anderen Zellen entdeckt und analysiert werden.

Simulationen und Big Data sind zu einem Kern der Spitzenforschung geworden, begründet Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) die Investitionen von Bund und Land. „Hochleistungsfähige Superrechner sind eine Grundvoraussetzung für konkurrenzfähige Forschungsergebnisse und damit ein entscheidender Wettbewerbs- und Standortfaktor.“

Doch Supercomputer allein reichen eben nicht. Nach Informationen der SZ gibt es daher Pläne für ein neues Software-Institut, ein Gebäude, in dem die besten Köpfe des Fachs zusammen denken können, wenn nebenan der Supercomputer für sie rechnet.

Dresden-Leipzig wurde vom Bundesforschungsministerium vergangenes Jahr als eines von zwei Big-Data-Zentren ausgewählt. Daher sollen ab 2016 mehrere Millionen Euro teure gigantische Datenspeicher aufgebaut werden.

Wissenschaftler aus ganz Sachsen dürfen auf der neuen Maschine rechnen. Eine Kommission vergibt die Rechenzeiten. Eineinhalb Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde sind damit möglich, also 1 500 000 000 000 000. Mehrere Tausend Prozessoren takten dort, jeder Einzelne leistungsstärker als im heimischen PC.

Aber so wie ein PC ist auch das Superhirn nach fünf Jahren zu alt. „Bereits 2018 müsste die TU zumindest teilweise einen neuen Rechner bekommen, um mit ihrer Forschung arbeitsfähig zu bleiben“, sagt Nagel. Die Anträge schreibt er schon. Der Neue wäre dann wieder 100-mal schneller.