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Donnerstag, 31.07.2014

Dresdner Forscher finden Wirkstoff gegen Parkinson

Es ist eine Sensation - denn die Lösung steckt in alltäglichen Lebensmitteln. Eine risikolose Behandlung der Nervenkrankheit könnte jetzt möglich werden.

Von Stephan Schön

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D-Laktat - also linksdrehende Milchsäure- in Joghurt hilft gegen Parkinson.
D-Laktat - also linksdrehende Milchsäure- in Joghurt hilft gegen Parkinson.

Dresden. Geschädigte Nervenzellen können wieder zu ihrer vollen Leistung kommen. Wissenschaftlern des Dresdner Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik ist jetzt die völlige Reparatur gelungen. Mit dieser überraschenden und wohl auch bahnbrechenden Entdeckung wollen sie heute in die Öffentlichkeit gehen. Im renommierten Wissenschaftsjournal Biology Open berichten sie bereits darüber.

Speziell bei der Parkinson-Erkrankung sind die Kraftwerke in den Nervenzellen beschädigt. Ohne Energie allerdings sterben die Hirnzellen ab oder arbeiten nicht mehr richtig. Die Dresdner Zellbiologen und Genetiker haben nun erstmals Wirkstoffe gefunden, die diese defekten Zellen reparieren können. Dabei handelt es sich um D-Laktat und Glykolsäure, was übersetzt die linksdrehende Milchsäure und eine Fruchtsäure sind. Beide Stoffe kommen in der Nahrung vor. D-Laktat gibt es bisher vor allem in bulgarischem Joghurt; die spezielle Fruchtsäure indes in unreifem Obst. Auch Pflaumen, Weintrauben und Zuckerrohr haben viel Glykolsäure. Milchsäure und Fruchtsäure gelangen mühelos vom Darm ins Blut. Sie überwinden dann die alles entscheidende Barriere, die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, und gelangen zu den defekten Zellen.

Parkinson ist in den meisten Fällen auf genetische Defekte zurückzuführen. Dutzende Gene wurden dafür bereits gefunden, unter anderem auch DJ-1. Dass genau dieses aber so entscheidend für die Energieversorgung der Nervenzellen ist, das fanden die Dresdner Forscher unter Leitung von Anthony Hyman und Teymuras Kurzchalia heraus. DJ-1 produziert ein Enzym, welches wiederum die zwei lebenswichtigen Stoffe schafft. „Damit haben wir geschädigte tierische und auch menschliche Nervenzellen in Laborversuchen wieder vollständig reparieren können“, sagt Institutsdirektor Tony Hyman.

Dass diese Stoffe vorbeugend wirken, davon sind die Forscher überzeugt. Welche Dosis für eine heilende Wirkung indes nötig ist, müssen noch Studien zeigen. Glykolsäure und die linksdrehende Milchsäure sind Standard-Nahrungsmittel. Damit werden keine Millionen Euro teuren Risikostudien nötig, die noch dazu zehn Jahre dauern. „Es wird ganz schnell gehen“, sagt Kurzchalia. Die Entdeckung ist zum Patent angemeldet. Beide Wissenschaftler wollen in Dresden eine Firma gründen für Anti-Parkinson-Joghurt und Fruchtdrinks mit Glykolsäure zum Beispiel.

Und auch als Forscher schauen sie voraus, nochmals auf DJ-1. Sie wissen, was demnächst zu tun ist. Denn DJ-1 ist ebenfalls an anderen Nervenkrankheiten entscheidend beteiligt, so auch an Alzheimer.

Biology Open doi: 10.1242/bio.20149399

Leser-Kommentare

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Insgesamt 26 Kommentare

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  1. wolfg.

    Eine gute sog. Mischkost, die die drei Säulen (Eiweiß,Kohlenhydrate,Fett)+frisches Obst u. Gemüse berücksichtigt, hilft sicher mit. Nerven schädigende Genussmittel, insbesondere Alkohol, sind zu vermeiden. Eigentlich nichts neues . ..MfG..

  2. jensi

    Wissenschafftler wollen Firma gründen--Geld sicher verdienen--und den Gewinn sicher an mich weiterleiten,weil bis jetzt haben sie ja von meinen Steuergeldern gelebt und geforscht ??!! grussi.......

  3. signhild erler

    nicht auszudenken , daß Parkinson u.auch Alzheimer in bälde heilbar wären , würde viel Leid und Einsamkeit ersparen ,lebenqualität zurückgewinnen helfen bzw.er- halten. danke den forschern ! zeigt einmal mehr ,geld muß in die forschung gesetzt werden, aber auch mehr in Kindergärten und die erforderl. Erzieherinnen , wäre möglich , wenn ich bsplw. den bericht wieder des rechnungshofes lese , wo wieder wie jährlich , viel steuergeld in den sand gesetzt wurde... eine 74 j. Dresdenerin

  4. Lars

    War mir irgendwann klar,das es mit der Ernährung zu tun haben muß,wenn Zig-Millionen von Europäern und Menschen aus den Industriestaaten ein-und dasselbe essen und trinken bzw nicht essen und nicht trinken und dann irgendeine gesundheitliche Störung entwickeln.Wer Millionen oder sogar Milliarden von Tieren aus Massentierhaltungsfabriken verspeist und dazu Getränke mit Massen von Zucker,Alkohol,Koffein in hohen Dosen aus Industriefabriken für Massen gemacht,muß sich nicht wundern,wenn die Konsumenten dann irgendwann selber so aussehen wie ein gemästetes Schwein,Rind,Huhn,Pute von innen und von aussen. Die Lösung muß so sein,sich zu ernähren wie vor der industriellen Revolution.Also viel Obst,Gemüse,Leinöl,Fisch,Tee,Vollkorn-bzw Dinkelbrot,Kräuter statt Salz usw. Also Ernährung und das Leben allgemein wieder menschengerecht gestalten !

  5. Hanne

    Es wäre toll, wenn es für diese tückischen Krankheiten bald Heilung gäbe. Ich kann jensi nicht verstehen, warum er so spottet. es kann doch jeden treffen und jeder wird froh sein, wenn ihm geholfen werden kann - jensi nicht???

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