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Freitag, 11.11.2016

Dresdner Forscher entwickeln virtuelle Flugzeuge

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt kommt nun auch nach Sachsen und gründet hier ein Software-Institut.

Von Stephan Schön

So sieht es aus, wenn die Strömung um einen Deltaflügel per Computer berechnet wird.
So sieht es aus, wenn die Strömung um einen Deltaflügel per Computer berechnet wird.

© DLR

Dresden. Auf dem Campus der Technischen Universität Dresden entsteht ein neues Forschungsinstitut für Software. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhält ab 2017 von Bund und Land das dafür nötige Geld. Erstmals kommt damit ein DLR-Institut nach Sachsen. Das teilte Thomas Jurk, SPD-Bundestagsabgeordneter, am Donnerstagabend nach der entscheidenden Sitzung des Haushaltausschusses der Sächsischen Zeitung mit.

Jurk und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatten fast zwei Jahre lang die politischen Verhandlungen dafür geführt. Mehrfach stand das Projekt auf der Kippe, jetzt ist es beschlossen. Jährlich sind nun etwa acht Millionen Euro für Dresden vorgesehen. Außerdem werden 2,4 Millionen Euro über Projekte erwartet. Der Freistaat Sachsen wird bis Ende 2018 ein Gebäude auf dem Campus der TU Dresden errichten. Acht Millionen Euro hat das Land dafür zugesagt. Der Landesanteil an den jährlichen Kosten beträgt rund 800 000 Euro, berichtet Thomas Jurk.

Am 24. November soll das Dresdner Institut formal in den DLR-Bestand gehen. Mit 50 Software-Spezialisten wird es dann 2017 starten, Wachstum ist vorgesehen. Es geht um Robotik, Sicherheit und Luftfahrt, berichtet Informatikprofessor Wolfgang Nagel. Er ist für den IT-Campus der TU verantwortlich und vor allem für den Supercomputer. Auch den wird das DLR nutzen können. Zusätzliche Hochleistungsrechner als Ergänzung sind später vorgesehen.

In dem neuen DLR-Institut für Software-Forschung und Simulation geht es um virtuelle Produkte. Das sind zum Beispiel Flugzeuge, die virtuell im Rechner fliegen und dabei Flugdaten wie in der Realität liefern. So wird der Testflug schon weit vor der ersten Fertigung möglich. Fehler sind dadurch schneller korrigierbar.

Außer in Dresden können künftig fünf weitere neue DLR-Institute forschen, unter anderem in Hamburg zu Luftfahrtsystemen. Mit Hamburg wird Dresden eng zusammenarbeiten, wie überhaupt mit dem gesamten DLR, dem größten Forschungszentrum Deutschlands mit seinen etwa 8 000 Mitarbeitern. Dass Dresden nun ein Standort davon wird, TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen findet das hervorragend. Schon jetzt sind an seiner Universität an die 1 200 Informatiker, Elektrotechniker und Mikroelektroniker tätig. „Informatik-Ökosystem“ nennt er dies. Und das DLR-Institut rückt mit seiner sehr industrieorientierten Forschung dort mitten hinein.

Mit Folgen für Sachsens Wirtschaft. „Software ist eines der ganz großen Zukunftsthemen“, sagt Wirtschaftsminister Dulig. „Sie ist nahezu überall drin.“ Ohne eigene Forschung gerate der Standort schnell in Abhängigkeiten.

››› Warum Vögel flattern, Flugzeuge aber besser nicht … (DLR-Homepage)