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Donnerstag, 07.08.2014

Dresdner Forscher durchleuchten Kometen

Nach zehn Jahren ist die Raumsonde Rosetta am Ziel. Ein spektakuläres Unternehmen kann nun beginnen.

Von Stephan Schön

Für ihr Rendezvous mit „Tschuri“ musste Rosetta einiges auf sich nehmen: Zehn Jahre, fünf Monate und vier Tage flog die Raumsonde durchs All, umkreiste die Sonne fünfmal und legte rund 6,4 Milliarden Kilometer zurück. Gestern hat sie ihr Ziel erreicht.
Für ihr Rendezvous mit „Tschuri“ musste Rosetta einiges auf sich nehmen: Zehn Jahre, fünf Monate und vier Tage flog die Raumsonde durchs All, umkreiste die Sonne fünfmal und legte rund 6,4 Milliarden Kilometer zurück. Gestern hat sie ihr Ziel erreicht.

© reuters

Angekommen. Nach rund sechs Milliarden Kilometern Reise und mehr als zehn Jahren hat die europäische Raumsonde Rosetta gestern ihr Ziel erreicht. 67P/Tschurjumow-Gerassimenko heißt der Komet, der 404 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Vom europäischen Kontrollzentrum der Esa in Darmstadt wurde die Sonde dorthin navigiert.

Es ist die spektakulärste Kometenmission, die es bisher gegeben hat. Am 11. November soll von Rosetta aus schließlich das Landegerät Philae auf dem Kometen abgesetzt werden. Es wird den Kern erforschen: Staub, Eis, Gas und Gestein. All dies stammt aus der Zeit vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, als sich unser Sonnensystem zu bilden begann. 21 Experimente sind für die Erforschung des Kometen vorgesehen. Eines der wichtigsten wurde maßgeblich in Dresden entwickelt, finanziert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Wissenschaftler der TU Dresden werden gemeinsam mit Forschern aus Grenoble und Katlenburg-Lindau erstmals einen Kometen durchleuchten. Mit elektromagnetischen Wellen will das Team von Professor Dirk Plettemeier die Struktur, Dichte und Zusammensetzung des Kometen studieren. Bereits vor 15 Jahren als Student hatte Plettemeier seine Mitarbeit an der Rosetta-Sonde begonnen. Jetzt ist er Professor für Hochfrequenztechnik an der Dresdner Universität. Sein Experiment ist das einzige, das den Kometenkern komplett untersucht. „Wir werden das bis auf wenige Meter genau hinbekommen“, kündigt der Wissenschaftler an. Angesichts der etwa fünf Kilometer Größe des Kometen sei das aber eine echte Herausforderung.

Nach zehn Jahren Odyssee durchs Sonnensystem und drei Jahren Winterschlaf war Rosetta erst im Januar geweckt worden und wurde seitdem getestet. Die Technik aus Dresden hat ihre Prüfung bestanden und funktioniert bestens. Schon während der Landung von Philae werden daher die Instrumente der TU die Messungen beginnen. Vom Lander aus wird die Kometenoberfläche im Sinkflug abgetastet. Später dann schickt die Rosetta-Sonde regelmäßig elektromagnetische Wellen direkt durch den Kometenkern aus Eis, Staub und Stein hindurch zum Landeapparat. Der sendet die Wellen zurück.

Aus diesen Daten können die TU-Forscher ihr 3-D-Modell errechnen. Hochkomplexe Gleichungen sind dafür nötig, auch die wurden maßgeblich in Dresden entwickelt. Sie müssen allerdings umgeschrieben werden, denn der Komet ist nicht annähernd so rund wie erwartet. Wie die ersten Detailaufnahmen von gestern zeigen, ist er nicht nur extrem unförmig, sondern auch stark zerklüftet.

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