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Freitag, 11.03.2016

Dresdner Forscher auf Mars-Mission

Radargeräte sollen unter die Oberfläche des roten Planeten schauen. Die Suche nach außerirdischem Leben beginnt.

Von Stephan Schön

Radargeräte sollen unter die Oberfläche des roten Planeten schauen.
Radargeräte sollen unter die Oberfläche des roten Planeten schauen.

© Nasa/dpa

Der Countdown läuft. In Baikonur steht eine Proton-Rakete, startbereit. Mit vier Tonnen Hightech beladen wird sie zum Mars fliegen. Am kommenden Montag um 10.31 Uhr beginnt die westeuropäisch-russische Mission Exomars zum Nachbarplaneten. Ein zweiter Start folgt im Jahr 2018. Mit an Bord ist dann ein Radargerät, das in Dresden entwickelt wurde.

Dirk Plettemeier, Nachrichtentechnik-Professor an der TU Dresden, hat mit seinem Team eine Radarfalle für Marsgeheimnisse gebaut. Damit sollen sich Daten aus dem Untergrund einfangen lassen. „Wir können erstmals bis zu fünf Meter tief in den Marsboden hineinschauen“, berichtet Plettemeier im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung.

Die Spezialantennen sehen aus wie Bienenwaben. Sie sammeln die im Boden reflektierten Radardaten ein. Daraus entsteht ein 3-D-Bild vom Untergrund. „Bis auf wenige Zentimeter genau sehen wir, was sich unter der Oberfläche befindet.“ Sand und Steine werden sichtbar. Wasser und Eis – und die typischen Veränderungen, wie sie selbst einfachstes Leben im Boden hinterlässt. Exomars steht für Exobiologie, also außerirdisches Leben, und Mars.

Im Speziallabor der Dresdner Universität hat das Radar-Experiment seinen elektronischen Check mit Bestnoten bestanden, den Härtetest auf dem gefrorenen Boden im Uni-Gelände und in der chilenischen Atacamawüste ebenso. Dirk Plettemeier schickt ein Gerät zum Mars, wie es bisher dort noch nie gelandet ist. Es wird direkt auf den Marsrover montiert, fährt mit ihm dann kilometerweit über den Boden und blickt dabei in ihn hinein.

Das aber wohl Schwierigste für die gesamte Exomars-Mission wird die Landung. Die Kommandozentrale TGO fliegt voraus. Ihr Start am Montag muss gelingen, soll der nächste Flug mit dem Rover an Bord überhaupt Sinn machen. 2018 folgt er dann mit der Dresdner Radartechnik an Bord. Bis dahin muss die Sonde TGO stabil um den Nachbarplaneten kreisen. Bei diesem Flug um den Mars soll sie zudem die Atmosphäre erkunden. Forscher vermuten dort Methan. Es bildet sich durch Vulkane oder durch Lebewesen. Und es zerfällt nach etwa 1 000 Jahren wieder.

Vulkane aber gibt es dort seit Jahrmillionen offenbar nicht mehr. Also doch Leben? „Das wäre eine plausible Erklärung“, sagt Ralf Jaumann, Planetenforscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der SZ. „Nur müssen wir dieses Leben unter der Oberfläche suchen. Oben ist nichts mehr zu finden.“ Es ist zu heiß, zu kalt, zu verstrahlt. „Aber zwei Meter darunter sieht es schon ganz anders aus.“ Die Dresdner Wissenschaftler liefern mit ihrem Radar daher eines der wichtigsten Experimente für die Mission Exomars.