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Dienstag, 19.03.2013

Die „Hogwarts an der Oder“?

An der Homöopathie scheiden sich die Geister. Gegner erklären sie rundweg für unwirksam. Die Universität Viadrina hat trotzdem einen Lehrstuhl für Alternativmedizin und steht jetzt in der Kritik. Im Hintergrund geht es um viel Geld von der Pharmaindustrie.

Von Haiko Prengel

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Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, unseriöse Pseudo-Wissenschaften zu fördern. Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) bildet Ärzte und Apotheker in alternativer Medizin aus - etwa auf dem Gebiet der Homöopathie.
Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, unseriöse Pseudo-Wissenschaften zu fördern. Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) bildet Ärzte und Apotheker in alternativer Medizin aus - etwa auf dem Gebiet der Homöopathie.

© dpa

  • Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, unseriöse Pseudo-Wissenschaften zu fördern. Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) bildet Ärzte und Apotheker in alternativer Medizin aus - etwa auf dem Gebiet der Homöopathie.
    Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, unseriöse Pseudo-Wissenschaften zu fördern. Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) bildet Ärzte und Apotheker in alternativer Medizin aus - etwa auf dem Gebiet der Homöopathie.
  • Das Hauptportal der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).
    Das Hauptportal der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Frankfurt (Oder). Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, unseriöse Pseudo-Wissenschaften zu fördern. Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) bildet Ärzte und Apotheker in alternativer Medizin aus - etwa auf dem Gebiet der Homöopathie. Gefördert wurden aber auch schon Masterarbeiten über Telepathie und Hellsehen.

So forschte ein Berliner Orthopäde über einen speziellen Spiegel, der Kontakte zu Außerirdischen ermöglichen soll. IntraG-Institutsleiter Harald Walach bezeichnete dies auf dpa-Anfrage als «vernünftiges Experiment». Kritiker sprechen dagegen von einer «Zauberschule». In Wissenschaftsblogs wird - in Anspielung auf die Harry-Potter-Filme - über die «Hogwarts an der Oder» gespottet. Vor kurzem hatte die in Berlin erscheinende «Tageszeitung» über das Thema berichtet.

Ein Sprecher des Potsdamer Wissenschaftsministerium nannte die Forschung am IntraG «fragwürdig» und verwies auf den Abschlussbericht der Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg. Diese empfahl der Uni Viadrina 2012, das Institut zu schließen. Dem Lehrkörper des IntraG fehlten «medizinische Kenntnisse». Ein wissenschaftlicher Hintergrund vom Range universitärer Medizin lasse sich nicht hinreichend feststellen. «Das ist auch unsere Position», erklärte der Ministeriumssprecher. Man stehe grundsätzlich zu dem Gutachten der Kommission.

IntraG-Institutsleiter Walach wies die Kritik als «komplett überzogen» zurück. Sein Institut arbeite nicht unwissenschaftlich, sondern sei Opfer einer «Kampagne». Über den Nutzen von alternativen Heilmethoden wie der Homöopathie wird seit langem heftig gestritten. Anhänger schwören auf die Wirksamkeit der kleinen Kügelchen (Globuli). Diverse Studien haben ergeben, dass diese aber nicht wirken und mögliche Effekte allenfalls auf dem Vertrauen der Patienten beruhen (Placebo-Effekt).

Die Pharmaindustrie fördert das IntraG mit Geldern in beträchtlicher Höhe. Allein der Homöopathiemittel-Hersteller Heel bezahle pro Jahr 100.000 Euro, bestätigte Institutsleiter Walach entsprechende Angaben der «taz». Weitere 100.000 Euro für eine Stiftungsprofessur brächten vier Alternativmedizin-Unternehmen auf. Hinzu kämen Projektförderungen.

Die Europa Universität Viadrina ist nicht die einzige Hochschule, an der homöopathische Lehren mit privater Hilfe gefördert werden. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung etwa fördert Naturheilkunde und Homöopathie und finanziert seit 2009 eine Stiftungsprofessur für Komplementärmedizin an der Berliner Charité - etwa Homöopathie oder Chinesische Medizin. Potenziale hat dieser Markt offenbar auch in Deutschland. «60 Prozent der Bevölkerung nehmen Komplementärmedizin in Anspruch», sagte Alternativprofessor Walach von der Universität Viadrina. (dpa)

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