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Donnerstag, 14.02.2013

Die Gefahr aus der Tiefe des Alls

Deutsche Forscher arbeiten an neuen Methoden, um einen drohenden Asteroiden-Einschlag zu verhindern

Von Kathrin Streckenbach

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Das wird eng: Morgen zieht ein Asteroid an der Erde vorbei. Schon mit einem einfachen Fernglas ist er in den Abendstunden zu beobachten.Illustration: Nasa
Das wird eng: Morgen zieht ein Asteroid an der Erde vorbei. Schon mit einem einfachen Fernglas ist er in den Abendstunden zu beobachten.Illustration: Nasa
  • Das wird eng: Morgen zieht ein Asteroid an der Erde vorbei. Schon mit einem einfachen Fernglas ist er in den Abendstunden zu beobachten.Illustration: Nasa
    Das wird eng: Morgen zieht ein Asteroid an der Erde vorbei. Schon mit einem einfachen Fernglas ist er in den Abendstunden zu beobachten.Illustration: Nasa

Es klingt nach Science-Fiction und Hollywood und ist doch wichtige Forschungsarbeit. Mitarbeiter des Raumfahrtunternehmens Astrium untersuchen, wie man Einschläge von Asteroiden auf die Erde verhindern kann. Wie Bruce Willis im Actionfilm „Armageddon“ sieht Noah Saks nicht gerade aus. In Jeans und T-Shirt sitzt er an einem Tisch im Raumfahrtunternehmen am Bodensee. Hin und wieder streicht er sich eine schwarze Locke aus der Stirn. Und doch: Im besten Fall könnten der gebürtige Australier und sein Team eines Tages die Welt vor einem Asteroiden retten -– eben ähnlich wie Schauspieler Bruce Willis in dem 1998 gedrehten Film, in dem eine Gruppe Spezialisten die Zerstörung der Erde durch einen heranrasenden Himmelskörper abwenden muss.

Denn Saks leitet am Astrium-Standort Friedrichshafen die Arbeiten am internationalen Forschungsprojekt Neoshield. Bei der im Januar 2012 gegründeten Kooperation arbeiten insgesamt 13 Partner aus Forschung und Industrie daran, wie Einschläge von Asteroiden und Kometen auf die Erde verhindert werden können. Geleitet wird das Projekt von Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es ist auf dreieinhalb Jahre angelegt und wird von der Europäischen Union mit vier Millionen Euro unterstützt.

Täglich 70 neue Asteroiden

Drei Varianten gebe es für ein solches Bedrohungs-Szenario durch einen Asteroiden, sagt Harris. Hat man ein paar Jahre Zeit für seine Ablenkung, könnte man zum Beispiel eine Raumsonde in seine direkte Nähe bringen. Ihre Gravitation würde sich auf den Asteroiden auswirken und ihn ganz langsam – wie von einem Seil gezogen – von seiner ursprünglichen Flugbahn ablenken. Diese Möglichkeit wird derzeit in den USA untersucht.

Muss es schneller gehen, gibt es eine Variante, die mehr Ähnlichkeit mit „Armageddon“ hat und an der momentan Russen forschen: Eine nukleare Explosion unmittelbar auf oder neben einem Asteroiden. „Diese Möglichkeit wird aber sehr kontrovers gesehen“, sagt Projektleiter Harris. Zur dritten Art des Abwehrens forscht Saks mit etwa zehn weiteren Astrium-Kollegen in Friedrichshafen, Bremen, Stevenag (England) sowie Les Mureaux und Toulouse (beide Frankreich). Ihre Idee ist es, eine Raumsonde auf dem Asteroiden einschlagen zu lassen und ihn dadurch von seiner Bahn abzubringen. „Sehr realistisch“, urteilt Harris. Denn was auf den ersten Blick klingt wie eine völlig abstrakte und theoretische Gefahr, kann durchaus eine Bedrohung werden. Aktuelles Beispiel ist der Asteroid „2012 DA14“, der morgen der Erde ganz schön nahe kommt: Mit 7,6 Kilometern pro Sekunde wird der rund 50 Meter große Asteroid an der Erde vorbeiflitzen. Gefährlich werden soll es aber nicht: Der Asteroid werde kaum näher als 27 500 Kilometer an die Erde herankommen und sie daher nicht berühren, erklärt dazu Nasa-Manager Donald Yeomans.

Entdeckt wurde „2012 DA14“ erst im vergangenen Jahr. Genau darin liege auch das größte Risiko durch Asteroiden und Kometen, sagt Saks. „Kleinere Asteroide sind nur schwer zu finden. Wir wissen einfach nicht genau, wo sie sind.“ Etwa 600 000 Asteroiden befinden sich nach Angaben der Nasa derzeit in unserem Sonnensystem. 8 000 davon sind laut DLR als „Near Earth Objects“ (Neo) identifiziert worden -– also als potenziell gefährlich. Und jeden Monat kommen 70 weitere hinzu. Um einen Einschlag abzuwehren, brauche es aber einige Jahre Vorlauf, sagt Saks. „Wenn die Gefahr da ist, müssen wir direkt loslegen. Dann kann man keine Studien mehr machen.“

Das Loch in der Erde

Was passiert, wenn ein Asteroid auf die Erde kracht, zeige zum Beispiel der Barringer-Krater in Arizona (USA) mit einem Durchmesser von 1 200 Metern oder die Tunguska-Region in Sibirien, in der 1908 die Explosion eines Asteroiden Millionen von Bäumen entwurzelte. Schäden, die auch bereits durch kleinere Asteroiden oder Kometen verursacht werden können, heißt es dazu beim DLR. Die Daten, die von den Wissenschaftlern während des Projekts gesammelt werden, sollen daher kontinuierlich in Computersimulationen einfließen. Am Ende der dreieinhalb Jahre sollten aber nicht nur Kenntnisse über Asteroiden und eine mögliche Abwehr vorliegen, sagt Harris. Ziele seien auch eine Art Demo-Mission und ein Notfallplan für den Fall der Bedrohung. Wer dann allerdings die politische Verantwortung tragen würde, sei momentan noch völlig unklar, erläutert Harris. Die Frage werde in einigen Tagen auf einem Treffen der Vereinten Nationen in Wien beraten.

Prinzipiell sind Zusammenstöße im All weder selten noch grundsätzlich schädlich. Im Gegenteil. Sie sind nach Angaben des Kometenforschers Alan Harris ein völlig natürlicher Prozess. „Die Natur schickt uns diese Dinge“, sagt der Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. „Deswegen gibt es Leben“, sagt der Forscher.

Bei einem solchen Einschlag auf der Erde seien überhaupt erst lebenswichtige Materialien und Stoffe wie Wasser auf den Planeten gekommen. Die Tatsache, dass nun Menschen hier lebten, bedeute allerdings nicht, dass dieser natürliche Prozess nun aufhöre. „Das geht weiter. Unsere Sache ist es jetzt, uns vor den Folgen zu schützen“, sagt Harris. „Wir müssen wissen, wie wir uns dagegen wehren können.“ Neoshield entwickelt eine solche Strategie, um das Leben zu schützen. (dpa)

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