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Donnerstag, 07.12.2017

Aus der Luft finden, was sich im Boden verbirgt

Freiberger Forscher testen im Erzgebirge die Rohstoffsuche mit innovativen, schonenden Methoden.

Von Martin Kloth

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Mit einer Sonde am Hubschrauber wollen Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts in Freiberg zeigen, wie sich mögliche Rohstofflagerstätten effizient und schonend aufspüren lassen.
Mit einer Sonde am Hubschrauber wollen Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts in Freiberg zeigen, wie sich mögliche Rohstofflagerstätten effizient und schonend aufspüren lassen.

© Hendrik Schmidt/dpa

Die Bürgerversammlung war gut besucht, das Thema war spannend: Rohstofferkundung rund um die erzgebirgische Stadt Geyer ganz ohne Bohrungen. Drei Jahre lang waren Hubschrauber über dem Areal gekreist und hatten mittels Sonden Daten aus der Erde gesammelt. Die Serie von Flügen aber war nur die Vorbereitung für ein Großprojekt. „Das war unser Sandkasten“, sagt Richard Gloaguen vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Geyer ist eines von drei Referenzgebieten in Europa für eine schonende Suche nach unterirdischen Rohstoffen, die in dieser Woche gestartet wird. Ziel ist es, dafür neue Technologien zu entwickeln und zu testen. Diese sind ein Teil entlang der gesamten Rohstoffkette, die die Forscher am HIF im Blick haben. In anderen Projekten geht es zum Beispiel darum, durch neue Methoden und Strategien den Abbau und die Gewinnung von Rohstoffen zu verbessern. „Wir müssen sehen, dass wir die ganze Kette umweltfreundlich halten“, sagt der Abteilungsleiter Erkundung am HIF.

Die ersten Erkundungsflüge sind im Frühjahr geplant: aus klimatischen Gründen zuerst im spanischen Gerena und Minas de Rio Tinto, dann in Geyer und schließlich im finnischen Sakatti, nördlich des Polarkreises. Ausgewählt wurden die Regionen nach den Kriterien Klima, Lagerstätten, Bergbau-Historie und Bevölkerung. In das Forschungsprojekt, das „Innovative, Non-Invasive and Fully Acceptable Exploration Technologies“ heißt, investiert die EU 5,6 Millionen Euro bis zum Oktober 2020.

Bei der Vorstellung des Vorhabens schlug den Wissenschaftlern in Geyer auch eine gewisse Skepsis entgegen. Gloaguen verspricht den Bürgern Transparenz. Vor Flügen würden die Menschen informiert, tiefe Flüge über bewohntes Gebiet seien tabu, während der Ferien und in der Brutzeit von Vögeln werde nicht geflogen. Auch die Messmethoden der Sonden seien für Mensch und Tier vollkommen unschädlich. „Das ist so ungefährlich, wie neben einem Elektroherd zu stehen“, sagt er.

Worum aber geht es? Ob für moderne Handys, Motoren und Akkus für die E-Mobilität oder Windräder für die Energiewende – die Industrie benötigt Metalle: Kupfer, Kobalt, Lithium, Wolfram, Seltene Erden und vieles mehr. Durch Wiederverwendung kann der Bedarf nicht gedeckt werden, Seltene Erden und andere Hochtechnologieelemente werden so kleinteilig verbaut, dass sie (noch) nicht recycelt werden können. „Recycling ist sehr wichtig. Eine Quote von 100 Prozent ist jedoch wie ein Perpetuum mobile – theoretisch nicht möglich“, sagt Martin Rudolph, Leiter der Abteilung Aufbereitung am Helmholtz-Institut. Daher werde es immer eine Nachfrage für primäre Rohstoffe geben.

Das HIF will Technologien entwickeln, um die Rohstoffnutzung umweltverträglich und effizient möglich zu machen. Auch mit dem Ziel, Deutschland unabhängiger von Importen zu machen. Zumal viele der begehrten Ressourcen aus geopolitisch mitunter sensiblen Regionen kommen: Seltene Erden zu mehr als 80 Prozent aus China oder Kobalt aus dem Kongo.

Die Freiberger Wissenschaftler und ihre Partner verfolgen mit dem Projekt nun drei Säulen: Entwicklung und Test von Methoden zur schonenden Rohstoffsuche, Untersuchung der Akzeptanz in der Bevölkerung sowie Anleitung zur umweltfreundlichen Erkundung. Für einen nachhaltigen Bergbau werden in den Referenzgebieten Vergleichsdaten erhoben. Sind die innovativen Methoden zur Erkundung der Rohstoffe erfolgreich, strebt das HIF dafür eine Zertifizierung an. „Wir wollen der Tüv der Exploration werden“, sagt Gloaguen.

Geyer muss dafür auf Sicht keinen aktiven Bergbau fürchten. „Bergbau wäre nicht in unserem Sinn, weil wir dadurch ein Referenzgebiet verlieren würden“, sagt Forscher Gloaguen. (dpa)

Leser-Kommentare

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  1. Neuausrichtung

    Hat sich einmal einer der subventionierten,teilweise befristet angestellten Wissenschaftler einmal Gedanken gemacht, dass bei der mauen Rohstofflage ein Gueterexport aus der Produktion von einheimischen Rohstoffe irreversibel ist und der Weltbedarf bei Billigkonkurrenz aus Fernost faktisch eine Ausweidung der Landschaft zu Dumpingkonditionen waere mit riesigen Folgekosten? Wuerde die Wissenschaft nicht selbst kurzatmig wie ein Quartalsmanager Konzepte entwerfen, sondern langfristig denken, koennte sie wirklich einmal Mehrwert schaffen, aber so nicht! Macht Euch ueber die Zukunft der saechsischen Giftmuelldeponien Gedanken! Es drohen undichte ungeregelte Giftausbreitung. Das Methan der Deponien koennte aufbereitet auch als Energiequelle erschlossen werden! Gleichzeitig wuerde das Klima geschont. Das ist sinnvoll. Der Bergbau bietet bei der heutigen Technisierung kaum Arbeitsplaetze und nachhaltige Steuereinnahmen! Das Bergrecht gehoert abgeschafft!

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