Montag, 21.01.2013

Affen haben Sinn für Gerechtigkeit

Warum sollte man teilen, wenn man auch alles für sich alleine behalten kann?

Schimpansen fressen in einem Safaripark in Hilvarenbeek, Niederlande (Symbolfoto).
Schimpansen fressen in einem Safaripark in Hilvarenbeek, Niederlande (Symbolfoto).

©dpa

Washington. Schimpansen haben einen Sinn für Fairness. Sie teilen Futter gerecht mit einem Artgenossen -– zumindest, wenn sie andernfalls selbst Einbußen fürchten müssen. Ein solches Gespür wurde bisher nur Menschen zugeschrieben, berichten US-Forscher in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („Pnas“).

Die Studie zeige aber, dass sich Schimpansen ganz ähnlich wie Menschen in der gleichen Situation verhielten. Die Forscher um Darby Proctor von der Georgia State University (Atlanta/US-Staat) hatten mit sechs Schimpansen das sogenannte Ultimatum-Spiel gespielt. Zwei Affen bilden dabei jeweils ein Team. Einer der Schimpansen darf nun zwischen zwei Spielsteinen wählen, den der zweite Affe dann im Anschluss bei einem menschlichen Betreuer gegen eine Futter-Belohnung eintauschen kann. Ein Spielstein steht für eine gerechte Futterverteilung: Beide Affen bekommen dabei die Hälfte des Futters. Wählt der erste Affe hingegen den anderen Spielstein, geht der Großteil des Futters an ihn selbst. Allerdings besitzt der zweite Schimpanse die Möglichkeit, den entgegengereichten Spielstein abzulehnen. In dem Fall gehen beide Affen leer aus.

Wie die Experimente zeigten, verhielten sich die Schimpansen in diesem Spiel ziemlich fair. Sie entschieden sich häufiger für den Spielstein, der eine gerechte Verteilung des Futters garantierte. In Experimenten, in denen der zweite Schimpanse keine Möglichkeit der Zurückweisung hatte, agierten die Tiere jedoch in der Regel deutlich egoistischer: Sie entschieden sich für den Spielstein, der ihnen den Großteil des Futters sicherte.

Das Verhalten der Affen sei ganz ähnlich wie das des Menschen in entsprechenden Versuchen, berichten die Forscher. Zahlreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass Menschen aus westlichen Kulturen beim Ultimatum-Spiel ihren Spielpartnern in der Regel die Hälfte der Belohnung zukommen lassen. Menschen spielen dabei meist um Geld. Und auch sie sicherten sich allerdings einen größeren Anteil des Gewinns, wenn ihr Partner keine Möglichkeit des Einspruchs hat.

„Bis zu unserer Studie gingen Verhaltensökonomen davon aus, dass das Ultimatum-Spiel nicht mit Tieren gespielt werden könne oder dass Tiere stets die egoistische Option wählen würden“, erläutert Mitautor Frans de Waal. (dpa)

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