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Wird die SZ jetzt zur Fußball-Zeitung?

11.06.2016

Sehr geehrte Frau Hager,

die Sonderausgabe zur Fußball-EM am Dienstag war eine Ausnahme. Die Redaktion der SZ wollte ihren Lesern interessanten und unterhaltsamen Lesestoff rund um die Europameisterschaft bieten. Viele Themen hatten mit Fußball direkt gar nichts zu tun. Die Reportage über die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich etwa oder über Heino und das deutsche Fußballliedgut.

Gleiches gilt für die neuesten Frisurtrends der Stars oder das große Rätsel rund um die EM - als Spaß für die ganze Familie gedacht. Diese Ausgabe sollte eben nicht nur Fußballfans gefallen, sondern gerade auch Lesern, die sich sonst nicht für dieses Thema interessieren, jetzt aber in der Familie, unter Freunden und Kollegen kaum darum herum kommen. Immer wieder hören wir aus der Leserschaft: Na ja, zur EM gucke ich schon mal Fußball. Da will ich auch mitreden können.

Insofern ist es schade, dass wir Ihr Interesse, sehr geehrte Frau Hager, nicht gefunden haben. Aber das ist unsere Krux: Die Sächsische Zeitung hat über 600 000 Leser, die mit gutem Recht jeden Tag eine sehr gute Zeitung erwarten - aber diese 600 000 Individuen haben sehr unterschiedliche Erwartungen an eine sehr gute Zeitung. Die Extreme reichen in diesem Fall vom Fan, der mit Tröte und Schal zum Public Viewing zieht bis hin zum Fußball-Totalverweigerer. Ich könnte Ihnen beliebig viele Themen nennen, die ähnlich polarisieren.

Die Redaktion bemüht sich deshalb jeden Tag darum, eine gute Zeitung für alle zu bieten und ab und an zusätzlich Spezialthemen, die sich mal mehr an Wirtschaftsinteressierte richten und mal an besonders Kulturinteressierte. Gut möglich, dass sich dann der eine oder andere Fußballfan langweilt.

Aber versprochen: Die Sächsische Zeitung wird auch in der Zeit der Europameisterschaft nicht zur Fußball-Zeitung. Die Berichterstattung aus Frankreich wird sicher um die eine oder andere Seite täglich ausgeweitet, wie es jede Tageszeitung bei jedem Großereignis macht. Mehr nicht. Es wird ausreichend Raum sein für Politik, Lokales, Wirtschaft und Kultur.

Ihr Olaf Kittel

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