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Donnerstag, 20.12.2012

Wird die Pille danach rezeptfrei?

Eine ganze Reihe von Medikamenten, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, können in vielen anderen Ländern ohne Rezept gekauft werden. Zwar gibt es auch hierzulande zahlreiche freiverkäufliche Arzneimittel, aber für viele Medikamente wird eben ein Rezept des Arztes benötigt, wenn das jeweilige Mittel gekauft werden soll.

Auch die sogenannte „Pille danach“ ist hierzulande verschreibungspflichtig, wird jedoch sowohl in fast 30 anderen europäischen Ländern als auch in den Vereinigten Staaten auch ohne ärztliches Rezept ausgegeben. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, diese Pille zur Notfallverhütung als freiverkäuflich einzustufen und die Ausgabe nicht an das Vorhandensein eines Rezeptes zu binden.

Was ist die „Pille danach“?

An der Bezeichnung „Pille danach“ lässt sich bereits ableiten, worum es sich bei diesem Medikament handelt. Und zwar ist es mit der sogenannten Notfallpille möglich, den Eintritt einer Schwangerschaft zu vermeiden, obwohl zuvor ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Allerdings muss die Einnahme kurze Zeit nach dem Verkehr erfolgen, damit die Wirkung noch zufriedenstellend eintreten kann. In der Regel dürfen nicht mehr als drei Tage zwischen dem Verkehr und der Pilleneinnahme vergangen sein. Dabei ist wichtig zu wissen, dass sich der Grad der Wirksamkeit mit jeder Stunde, die nach dem Sex mit der Einnahme gewartet wird, ein wenig verringert. Optimal wäre es also, die Pille möglichst sofort nach dem Verkehr zu nehmen, falls dieser ohne den gewohnten Schutz stattgefunden hat.

Die Notfallpille hat nichts mit einer Abtreibungspille zu tun

Nicht selten wird die Notfallpille (Pille danach) mit der umstrittenen Abtreibungspille RU-486 gleichgesetzt bzw. verwechselt. Mit dieser Abtreibungspille hat die „Pille danach“ jedoch überhaupt nichts zu tun. Denn während die Notfallpille dafür sorgt, dass eine Schwangerschaft gar nicht erst eintreten kann und wie eine normale Antibabypille zu behandeln ist, verursacht die Pille RU-486 tatsächlich einen Abgang. Daher ist der Name Abtreibungspille auch berechtigt, denn es hat hier bereits eine Empfängnis stattgefunden. Der Wirkstoff der „Pille danach“ ist in aller Regel das bekannte Gelbkörperhormonderivat Levonorgestrel (LNG).

WHO empfiehlt die Abgabe der Notfallpille ohne ärztliches Rezept

Die „Pille danach“ wird in vielen Ländern unter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen angeboten. Die WHO hat sich bereits seit längerer Zeit dafür ausgesprochen, das Medikament rezeptfrei auszugeben. Das Arzneimittel ist zum einen über viele Jahre hinweg gut erprobt und prinzipiell ist es zum anderen sicherlich sinnvoller, eine nicht gewünschte Schwangerschaft zu verhindern, als eventuell später eine Abtreibung vorzunehmen. Daher sehen es auch viele Experten als nicht mehr zeitgemäß an, dass die Ausgabe der Notfallpille in Deutschland noch an ein ärztliches Rezept gebunden ist. Denn mehr als den Arzt aufsuchen und zu sagen „Ich hatte ungeschützten Verkehr, möchte aber kein Kind, bitte verschreiben Sie mir die Pille danach“ erfolgt in vielen Fällen ohnehin nicht. In dieser Situation würde wohl kaum ein Arzt die Ausstellung des Rezeptes verweigern, sodass es sich im Prinzip nur um eine überflüssige Formalität handelt. Zudem folgen bereits 28 Länder dem Rat der WHO, Deutschland allerdings nicht. Die SPD-Bundestagsfraktion möchte dies nun ändern, und hat daher einen Antrag gestellt, dass die Ausgabe der „Pille danach“ zukünftig rezeptfrei erfolgen darf. Viele Patienten greifen auch auf das Internet zurück, denn es gibt auch Anbieter die eine Ferndiagnose anbieten und somit eine Verschreibung der Pille danach ohne persönlichen Kontakt zum Arzt ermöglichen. Wenn Sie hier klicken können Sie ein Beispiel für solch einen Anbieter einsehen. Ein solcher Service ist natürlich nur mit einer schnellen Versandabwicklung möglich, da die „Pille danach“ so schnell wie möglich eingenommen werden sollte.

Rezeptfreie Ausgabe der Notfallpille hat im Grunde nur Vorteile

Nach Ansicht der SPD werden durch die einfachere Möglichkeit, die „Pille danach“ zu erhalten, nicht nur nicht gewünschte Schwangerschaften verhindert, sondern gleichzeitig dürfte auch die Zahl der Abtreibungen zurückgehen. Denn der Aufwand, der mit der Besorgung der Notfallpille verbunden ist, wird natürlich deutlich geringer, wenn dieses Medikament nicht mehr rezeptpflichtig ist. Zudem könnten sich die betroffenen Frauen das Medikament sofort in der Apotheke besorgen und müssten nicht erst einen Termin beim Arzt machen, den es vielleicht erst in zwei Tagen gibt. Durch die schnellere Einnahme wird wiederum erreicht, dass die Wahrscheinlichkeit der Wirkung höher ist. Bisher war es vor allen Dingen die Union, die eine Freigabe der Notfallpille ohne Rezept verhindert hat. Aus Sicht der CDU/CSU gibt es ethische Bedenken, weil der Wirkstoff LNG die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle verhindern kann, sodass quasi bereits begonnenes Leben zerstört würde. In der Medizin ist diese Annahme eher umstritten. Gesichert ist jedoch, dass LNG keine „zerstörende“ Wirkung mehr hat, falls die Einnistung der Eizelle bereits stattgefunden hat.