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Mittwoch, 18.08.2010

Wir würden viel mehr iPhones verkaufen – wenn wir könnten

Der Holländer Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom, über lange Wartezeiten für das iPhone, die Zukunft des Festnetzes und den Dresdner Fernsehturm.

Herr van Damme, dürfen wir Sie siezen?

Ja, natürlich. Ich weiß, das Duzen fällt in Deutschland nicht allen so leicht.

Sie duzen alle ihre Mitarbeiter?

Ja, 80 bis 90 Prozent. Das geht ziemlich schnell. Umgekehrt nicht immer. Ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass das Duzen hilft. Es nimmt die Distanz.

Wie ist die Telekom durch die Krise gekommen?

Ganz gut. Im vergangenen Jahr spürten wir einige Umsatzrückgänge im Ausland. Aber extreme Einbrüche wie in manch anderen Branchen hatten wir nicht. So ist beispielsweise die Zahl der Roaminganrufe von Geschäftsleuten gesunken. Das wurde zum Teil kompensiert durch mehr nachgefragte Dienste wie Videokonferenzen im Inland. Dieses Jahr haben wir uns im Inland sehr gut gehalten, wir haben erstmals seit vielen Jahren den Deutschland-Umsatz stabilisieren können. Dieses Jahr merken wir wenig von der Krise.

Wie entwickeln sich Ihre Marktanteile in Deutschland?

Stabil. 46 Prozent der Kunden mit Breitbandanschluss sind bei der Telekom. Im Mobilfunk liegen wir beim Marktanteil nach Umsatz bei 37 Prozent. Da sehen wir auch noch Wachstum, vor allem beim mobilen Datenverkehr.

Vor allem durch Smartphones wie dem iPhone?

Ja, in erster Linie durch Smartphones, die ein extrem starkes Wachstum verzeichnen, aber auch durch die steigende Nutzung von Laptops.

Hat die Zahl der iPhone-Nutzer die Erwartungen der Telekom erfüllt?

Übererfüllt. Das Produkt ist sehr erfolgreich. Wir könnten noch viel mehr iPhones verkaufen, wenn Apple mehr liefern könnte.

Wie lange ist derzeit die Wartezeit für das iPhone 4?

Neun bis zehn Wochen. Wir stehen aber weiterhin eng mit Apple in Verbindung, um die Lieferschwierigkeiten schnellstmöglich zu beheben.

Wie viele verkaufen Sie täglich?

Das hängt von der Lieferung ab. Wir verkaufen täglich mehrere Tausend iPhone 4. Wenn wir so viele Geräte von Apple bekommen würden, wie wir brauchen, dann könnten wir noch mehr verkaufen. Durch die Lieferengpässe schaffen wir das nicht.

Ist ein Ende der Lieferengpässe absehbar?

Nein, vorerst leider nicht.

Wird der Exklusivvertrieb Ende dieses Jahres auslaufen?

Unsere Zusammenarbeit ist langfristig angelegt und sehr erfolgreich. Aber die Branche ist schnelllebig. Das heißt nicht, dass es nicht auch in einer funktionierenden Partnerschaft zu Veränderungen kommen kann. Apple hat in vielen Ländern sein Vertriebsmodell umgestellt. Was das für den deutschen Markt bedeutet, werden wir sehen. Wir sind da intensiv mit Apple im Gespräch.

Ein Drittel der Handynutzer findet sich im Tarifdschungel nicht zurecht. Wird das künftig noch schlimmer?

Das Wort Dschungel kann ich verstehen. Wir bemühen uns, den Bedarf jedes Kunden zu erfüllen. Das hat tatsächlich zu einer hohen Anzahl von Tarifen geführt. Wir sind dabei, die Tarife weiter zu vereinfachen, auf wenige zu reduzieren.

Ist mobiles Internet zu teuer?

Das ist eine Frage des persönlichen Budgets: Für manche ist das sicher der Fall. Aber wir sehen, dass immer mehr Menschen mobiles Internet benutzen. Die Kunden, die mobile Internetangebote nutzen wollen, sind auch bereit, dafür zu zahlen.

Wie sieht dieses Wachstum in Zahlen aus?

Wir hatten im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum im Datenverkehr von 46 Prozent. Im zweiten Quartal dieses Jahres lag das Wachstum sogar bei mehr als 50 Prozent.

Brauche ich das Festnetz eigentlich noch?

Absolut. Die Datenmengen im Festnetz sind so groß und die Wachstumserwartungen so hoch, dass wir es nicht schaffen werden, diese Datenmengen alle über Funk zu übertragen, auch nicht in zehn Jahren. Man braucht Festnetz für Geschwindigkeiten von 50 oder 100 Megabit pro Sekunde, die wir in der Zukunft erreichen. Man kann das auch über Funk mit LTE-Technik übertragen, doch da ist man abhängig von der Anzahl anderer Nutzer in einer Funk-Zelle. Deshalb brauchen wir noch das Festnetz.

Viele halten die Telekom sowohl im Festnetz als im Mobilfunk als zu teuer. Was sagen Sie diesen Kunden?

Immer noch die Hälfte der Deutschen entscheidet sich im Festnetz für uns, ein Viertel im Mobilfunk. Gott sei Dank gibt es nicht nur Kunden, die allein am Preis interessiert sind, sondern auch an Qualität.

Und die Qualität stimmt bei der Telekom?

Ja, nicht alles, aber es funktioniert. Die Kunden sagen uns mit Marktanteilen, dass sie sehr zufrieden sind. Die Zahl der Beschwerden sinkt. Die Termintreue nimmt zu.

Wie hoch ist die Zahl der Rückkehrer ins Netz der Telekom?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren eine Million Kunden zurückgewonnen. Und das sind Kunden, die für die hochwertigeren Produkte zurückkommen.

Gibt es Vorgaben, wie schnell Probleme im Festnetz gelöst werden sollen?

Ja, laut unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen in 24 Stunden. Als US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr in Dresden war, gab es diesen großen Kabelbruch. Da haben wir das Hauptkabel innerhalb von zehn Stunden repariert, damit der US-Präsident im Hotel wieder unbeschwert im Internet surfen konnte. 10000 Telekom-Mitarbeiter sind täglich beim Kunden unterwegs und kümmern sich um diese und andere Angelegenheiten.

Wie viele dieser Mitarbeiter sind ausgelagert?

Wir fahren Fremdleistungen immer mehr zurück. Wir versuchen, mehr Kundenprobleme im Haus zu lösen. Wir haben in Dresden, Leipzig und Chemnitz drei große Service-Center aufgebaut. Das in Leipzig wird nach Umsetzung der Migration mit etwa 900 Mitarbeitern das größte in Deutschland sein.

Sie nannten bei Ihrem Amtsantritt vor einem Jahr das Ziel, die Zahl der Kunden, die gleichzeitig einen Handy- und Festnetzvertrag der Telekom haben, um ein Prozent zu steigern. Schaffen Sie das dieses Jahr?

Ja, das geht sehr erfolgreich. Statt des avisierten Kundenanteils von 23 Prozent geht es sogar in Richtung 25 Prozent.

Weniger schnell kommen Sie beim Breitbandausbau in ländlichen Gebieten voran. Wie viele weiße Flecken auf der Breitbandlandkarte werden dieses Jahr in Sachsen verschwinden?

Eigentlich gibt es keine weißen Flecken mehr, denn wir bieten auch eine Satellitenlösung an. Damit kann man überall in Deutschland zwei Megabit pro Sekunde empfangen. Wir haben bei einem Megabit eine Abdeckung 89 Prozent in Sachsen erreicht. Erst vergangene Woche haben wir die Ausschreibung im Vogtland gewonnen. Dort werden wir 40 Kommunen zusätzlich mit Breitbandanschlüssen versorgen – mehr als die Hälfte der Haushalte über Festnetz, die anderen über Funk.

Wo investiert die Telekom noch in Sachsen?

Wir binden dieses Jahr 450 Standorte in Sachsen mit Glasfaser an und statten mindestens 25 Standorte mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE aus.

Eine letzte Frage: Stimmt es, dass es einen Investor für den Dresdner Fernsehturm gibt?

Sie wollen ihn kaufen?

Würden wir als Interessent zu spät kommen?

Der Dresdner Fernsehturm steht nicht zum Verkauf. Um ihn aber für die Dresdner zu öffnen, braucht es einen solventen Betreiber mit einem tragfähigen Konzept. Dieser ist nach unseren Erkenntnissen nicht in Sicht. Aber wir bleiben bei dem, was wir gesagt haben: Wenn sich ein Investor findet, sind wir für Gespräche offen.

Gespräch: Nora Miethke und Dieter Schütz