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Samstag, 13.01.2018

„Wir sind tieftraurig“

Vor fünf Monaten schien alles klar. Gastronom Gunter Hühne und sein Team werden den Sachsenhof übernehmen. Warum wurde daraus nichts?

Von Marcus Herrmann

Gunter Hühne erzählt bei einem Kaffee, wieso ihm die Risiken zu groß wurden, den Nossener Sachsenhof in Zukunft zu betreiben. Er will nun erst einmal nicht mehr in einem Restaurant tätig sein, sich auf seinen Döbelner Autohandel konzentrieren.
Gunter Hühne erzählt bei einem Kaffee, wieso ihm die Risiken zu groß wurden, den Nossener Sachsenhof in Zukunft zu betreiben. Er will nun erst einmal nicht mehr in einem Restaurant tätig sein, sich auf seinen Döbelner Autohandel konzentrieren.

© Claudia Hübschmann

Nossen. Schmutzige Wäsche waschen, nachtreten, den Beleidigten spielen. Das alles will Gunter Hühne nicht. Seitdem am Abend des 19. Dezember 2017 öffentlich erklärt wurde, dass sich die Stadt und der favorisierte Betreiber für den Sachsenhof nicht auf einen Pachtvertrag für das Veranstaltungshaus einigen können, sind viele Fragen offengeblieben. Da sich die Stadtverwaltung zu den genauen Gründen nie fundiert öffentlich geäußert hat, will der Gastronom und Autohausbesitzer seine Sicht der Dinge vorbringen. „Mich haben in den letzten Wochen viele Nossener auf der Straße angesprochen, was denn los sei. Ob ich mir die neue Küche für den Sachsenhof nicht habe leisten können. Das ist natürlich nicht so“, sagt Hühne. Es hätten viele andere Gründe mit hinein gespielt, die er gerne erläutern wolle. Auf dieser Grundlage fasst die SZ die letzten Monate noch einmal zusammen, nennt Gründe für die zähen Verhandlungen und sagt, was nun mit Hühnes Restaurant-Personal passiert, das eigentlich ab Ostern in Nossen den Sachsenhof schmeißen sollte.

Wann stand wirklich fest, dass Stadt und Betreiber sich nicht einigen?

Den ernüchternden Sachstand offiziell machte Bürgermeister Uwe Anke (parteilos) am Ende der Stadtratssitzung des 19. Dezember. Man habe sich nicht auf einen gemeinsamen Vertrag für den Sachsenhof verständigen können. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gunter Hühne sein Angebot aber schon längst zurückgezogen. „Das war am 24. November“, sagt er. Je mehr Einzelheiten klar werden, desto größer die Überraschung einzelner Stadträte. Am 16. November beim Kulturgipfel im Heimatmuseum bittet Hühne eindriglich, einen überarbeiteten Vertragsentwurf innerhalb weniger Tage zu benötigen. „Ich brauchte Sicherheit für meine Kalkulation und die Mitarbeiter“, so Hühne. Ein erster Versuch war zu diesem Zeitpunkt schon gescheitert. Den ersten Entwurf für eine Pacht habe er am 25. Oktober – mehr als zwei Monate nach der Entscheidung für Hühne im Stadtrat – in seinem Briefkasten gefunden. Seine Korrekturen und Wünsche schickte Hühne am 1. November zurück. Zu einer Einigung kam es nicht. Den zweiten Entwurf schickte die Stadt am 21. November zu. Drei Tage später zog Hühne zurück.

Welches waren die Faktoren, die die Verhandlungen scheitern ließen?

Im Grunde gibt es davon drei. Der erste Faktor ist die Zeit. „Ich brauchte einen Vorlauf, wollte ein Haus mit 800 Plätzen organisieren, Ostern öffnen. Dafür bin ich noch im August mit Planern im Sachsenhof gewesen, habe mir eine Großküche planen lassen, Einrichtungsgegenstände bestellt. Hinzu kam die Ausstattung für den Cateringservice im großen Saal, technische Geräte fürs Haus“, erzählt Hühne. Die Stadt habe sich um Anschlüsse für Strom, Gas und Wasser kümmern müssen, außerdem um eine größere Abzugshaube und die für den Restaurantbetrieb nötigen Genehmigungen. Eine Einigung blieb aus. Ab der zweiten Novemberhälfte wird der Druck auf den Unternehmer immer größer. In einem Monat will er das Wichtigste geklärt haben. Hühne schaut sich Wohnungen in Nossen für die Mitarbeiter aus Ungarn an, die im Sachsenhof arbeiten sollen, kann aber noch nicht definitiv zusagen. Vor der geplanten Betriebsübernahme will er eine GmbH gründen, das Gebäude versichern, den Winterdienst klären, einen Feuerwehrbeauftragten finden.

Als der überarbeitete Vertrag aus dem Liegenschaftsamt am 21. November endlich kommt, keimt Hoffnung auf. Aber die Inhalte bergen zu viel Risiko, was der zweite Faktor ist. „Ich sollte für Geräte haften, deren Zustand ich gar nicht kenne, die vielleicht längst kaputt sind. Außerdem wollte ich nicht für Dinge bürgen, die möglicherweise versteckte Mängel haben. Dann wollte ich von der Stadt ein Konzept haben, wer im Fall von Vandalismus für Schäden aufkommt, wer zahlt, wenn bei Veranstaltungen Dritter im Sachsenhof etwas kaputt geht“, sagt Hühne. Passiert sei jedoch nichts, eine Versicherung gegen Vandalismus für ihn alleine nicht zu bekommen. Der dritte Faktor sind Feinheiten im Pachtvertrag. Den möchte Hühne gerne auf drei Jahre laufen haben und für diesen Zeitraum auch eine feste Summe vereinbaren. Doch die Stadt stimmt nur sechs Monaten zu. Darüber hinaus kommt eine klare Regelung zu den anfallenden Nebenkosten nicht zustande, diese werden zum unkalkulierbaren Risiko für den Fast-Betreiber.

Müssen die Restaurantmitarbeiter nun entlassen werden?

Nein. Hier hat Hühne gute Nachrichten. So komme seine Partnerin Annett Ossadnik als Mitarbeiterin in einer Gaststätte in Meißen unter, sein ungarischer Küchenchef samt Partnerin fangen Ende Januar im Schwerter Schankhaus an. Eine der Servicekraft aus dem Winzerhof Golk in Diera-Zehren bliebe vor Ort. Lediglich für einen „sehr zuverlässigen Küchengehilfen“ aus Rumänien sucht Hühne noch eine Anstellung.

Sind neue Verhandlungen über den Sachsenhof ausgeschlossen?

„Unser Team ist tieftraurig, dass es nicht funktioniert hat“, sagt Hühne. Er hätte mehrere Zehntausend Euro in den Sachsenhof investiert, hätten andere Voraussetzungen gestimmt. Er wolle sich nun vorerst auf seinen Autohandel in Döbeln konzentrieren, mindestens ein Jahr lang keine neuen gastronomischen Vorhaben in Angriff nehmen. Danach sei vieles vorstellbar, immerhin seien ihm auch nach dem geplatzten Sachsenhof-Deal mehrere Restaurants angeboten worden. „Wir sind gesprächsoffen“, so Hühne. Vielleicht gilt das sogar für den Sachsenhof.