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Freitag, 13.10.2017

„Wir haben schon ein Bett für Quentin Tarantino“

Die Planungen fürs Neiße-Filmfest 2018 laufen – Festivalleiterin Antje Schadow über Wünsche, Träume und Sorgen.

Von Irmela Hennig

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In Potsdam-Babelsberg hat US-Regisseur Quentin Tarantino schon eine Straße, die seinen Namen trägt. In der Oberlausitz würde er ein Bett zum Schlafen vorfinden, wenn er zum Neiße Filmfest kommen würde. So scherzen die Veranstalter des Festivals. Sie rechnen zwar nicht unbedingt mit Tarantino, wollen aber mehr Prominenz für das Spielfilmfest begeistern.
In Potsdam-Babelsberg hat US-Regisseur Quentin Tarantino schon eine Straße, die seinen Namen trägt. In der Oberlausitz würde er ein Bett zum Schlafen vorfinden, wenn er zum Neiße Filmfest kommen würde. So scherzen die Veranstalter des Festivals. Sie rechnen zwar nicht unbedingt mit Tarantino, wollen aber mehr Prominenz für das Spielfilmfest begeistern.

© dpa

  • In Potsdam-Babelsberg hat US-Regisseur Quentin Tarantino schon eine Straße, die seinen Namen trägt. In der Oberlausitz würde er ein Bett zum Schlafen vorfinden, wenn er zum Neiße Filmfest kommen würde. So scherzen die Veranstalter des Festivals. Sie rechnen zwar nicht unbedingt mit Tarantino, wollen aber mehr Prominenz für das Spielfilmfest begeistern.
    In Potsdam-Babelsberg hat US-Regisseur Quentin Tarantino schon eine Straße, die seinen Namen trägt. In der Oberlausitz würde er ein Bett zum Schlafen vorfinden, wenn er zum Neiße Filmfest kommen würde. So scherzen die Veranstalter des Festivals. Sie rechnen zwar nicht unbedingt mit Tarantino, wollen aber mehr Prominenz für das Spielfilmfest begeistern.
  • Antje Schadow ist eine von zwei Leiterinnen des Neiße-Filmfestivals. Sie arbeitet ehrenamtlich.
    Antje Schadow ist eine von zwei Leiterinnen des Neiße-Filmfestivals. Sie arbeitet ehrenamtlich.

Momentan können sich Filmemacher aus Deutschland, Polen und Tschechien wieder bewerben um die Teilnahme am Neiße-Filmfestival. Die Dreiländer-Veranstaltung lädt sie ein, neue Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme für Wettbewerbe mit insgesamt 10 000 Euro Preisgeld einzureichen. Laufen wird Sachsens einziges Erwachsenen-Spielfilmfest vom 15. bis 20. Mai 2018 im Dreiländereck. Kürzlich kamen die Organisatoren zu einer Klausur zusammen, um zu besprechen, wie es weitergehen soll mit der Veranstaltung. Die SZ sprach mit Antje Schadow von der Festivalleitung.

Frau Schadow, vor ein paar Jahren gab es den Versuch, US-Schauspielerin Reese Witherspoon zum Neiße-Filmfest einzuladen. Das ist letztlich am fehlenden Geld gescheitert. Etwas Prominenz täte dem Fest aber sicher gut. Gibt es Ideen, wen man 2018 in die Oberlausitz holen könnte?

Nächstes Jahr liegt unser Schwerpunkt auf dem Thema der 68er mit den Ereignissen in Deutschland, Polen und Tschechien. Da bietet sich einiges an. Wir haben scherzhaft schon darüber gesprochen, den Filmemacher Quentin Tarantino einzuladen, der 70-Millimeter-Filme dreht und die Technik jener Zeit nutzt. Oder Sänger Tom Waits, dessen Laufbahn damals begonnen hat. Wir haben auch geklärt, wer wo schlafen könnte. Aber im Ernst, es gibt Ideen. Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland ist eine wichtige Filmgröße, die wir einladen wollen. Wirklich konkret ist noch nichts.

Prominente Gäste gelten als eine Möglichkeit, mehr Publikum für das Filmfest zu gewinnen. Wie sieht denn da die Bilanz für 2017 aus?

Wir hatten bislang um die 6 300 Besucher. Noch laufen aber ein paar Rahmenveranstaltungen und es sind nicht alle Aktionen jenseits der eigentlichen fünf Festivaltage ausgewertet. Wir waren kürzlich beispielsweise auf der Weltausstellung zur Reformation in Wittenberg zu Gast mit einer Filmreihe aus dem Festival. Am Ende kommen wir vielleicht auf 6 500 Gäste.

Das wären etwa 500 Besucher mehr als im Jahr 2016. Ein kleines Plus – sind sie damit zufrieden?

Zufrieden sind wir damit nicht. Aber Tatsache ist, wir machen kein Massen-Programm. Wir zeigen anspruchsvolle Filme, die nicht unbedingt ein Riesenpublikum anlocken. Das erklären wir auch immer wieder unseren Fördermittelgebern. Aber natürlich wollen wir wachsen.

Gibt es Ideen, wie das gelingen kann?

Wir wollen vor dem nächsten Festival unter anderem verstärkt um Zielgruppen werben. Das bedeutet, dass wir zu bestimmten thematischen Filmen Leute aus Verbänden, Vereinen oder auch Berufsgruppen einladen, die damit zu tun haben.

Beim Schwerpunkt 68er wären das vielleicht die Geschichtslehrer?

Ja, zum Beispiel. Wenn wir Geld bekommen, soll eine Honorarkraft beschäftigt werden, um solche Zielgruppen anzusprechen.

Wenn wir das Geld bekommen – das bedeutet, die Mittel für 2018 stehen noch nicht?

Wir haben Geld beantragt und sind optimistisch. Aber wir haben noch keine Zusagen.

Das Festivalbudget 2017 lag bei rund 260 000 Euro. Reicht das aus?

Wir wollen nicht unbescheiden sein, aber wenn wir beispielsweise zum Dokumentarfilmfestival nach Leipzig schauen, da steht ein Millionen-Budget zur Verfügung; allein die Stadt Leipzig gibt künftig über eine halbe Million Euro. Für uns wäre das Doppelte vom bisherigen Budget schon gut. Wir hoffen, dass wir 2018 etwas mehr als die 260 000 Euro zur Verfügung haben. Als Festival, das in drei Ländern und drei Sprachen unterwegs ist, brauchen wir einfach auch mehr Mittel als Filmfeste, die auf eine Stadt und ein Land begrenzt sind. Marketing in drei Ländern und der großen Region Dreiländereck zu machen, das kostet richtig Geld.

Wie sieht es denn mit Sponsoren aus?

Wir haben welche und versuchen, weitere zu gewinnen. Auch da laufen Gespräche, sind aber noch nicht abgeschlossen.

Das Preisgeld für die Wettbewerbe ist vergangenes Jahr ein ordentliches Stück gewachsen...

Naja, wenn man das mit den Preisgeldern bei den Festivals vergleicht, sind unsere 10 000 Euro bescheiden. In Cottbus, Leipzig oder Dresden werden 60 000 bis 80 000 Euro verteilt. Wir wollen uns gern steigern und sind in Verhandlung. Es wird hoffentlich einen kleinen Sprung vorwärts geben, aber nicht einen so großen Schritt wie 2017. Da waren es mit einem Schlag 4 000 Euro mehr, unter anderem, weil der Freistaat Sachsen erstmals den mit 5 000 Euro dotierten Neiße-Filmpreis vergeben hat.

Herzstück des Filmfestes ist der Spielfilmwettbewerb für neue deutsche, polnische und tschechische Produktionen. Die letzte Ausgabe bot viele sehr ernste Filme. Würde etwas mehr Humor dem Wettbewerb nicht guttun?

Unbedingt. Wir wünschen uns mehr Humor im Wettbewerb, ich auf alle Fälle. Aber es ist eine sehr hohe Kunst, anspruchsvolle Filme mit Humor zu machen, keine Schenkelklopfer. Die tschechischen Filmemacher sind da ganz gut. Sie haben eine liebevolle, schelmische Art, können über sich selbst lachen. Polnische und deutsche Filme sind eher ernst. Es liegt eben auch an den Einreichungen und an dem, was wir überhaupt an Filmen finden.

Eine Nebenreihe unter dem Thema „Komödie“ wäre also schwierig?

Ich glaube nicht, dass wir dafür genügend Filme zusammenbekommen.

Die Zahl der Spielstätten ist zuletzt um fünf auf 23 gewachsen, die Anzahl der gezeigten Filme um zwölf auf 132 – soll das Wachstum so weitergehen?

Nein. Bei den Langspielfilmen wollen wir von 72 auf 64 schrumpfen. Es sollen auch weniger Spielstätten werden. Das umzusetzen, ist schwierig. Denn wir wollen niemanden verprellen. In den nächsten Wochen wird es also verstärkt Gespräche mit den Spielstätten geben. Und auch wenn wir deren Anzahl reduzieren möchten, prüfen wir doch die jährlich neuen Anfragen von Häusern, die gern als Spielstätte beim Festival mitmachen möchten, darauf, ob nicht eine besondere oder außergewöhnliche Idee dahintersteckt, die zu realisieren uns möglich und sinnvoll ist.

Das vom Dreiländereck weit entfernte Bautzen bleibt im Boot?

Ja, das ist auch ein Wunsch des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien als einem unserer Geldgeber. Dort wollen wir vor allem Schulkino anbieten.

Wie groß ist der Druck von außen auf das Festival zu wachsen?

Der ist schon da, auch wenn wir einen sehr guten Stand bei unseren Partnern und Geldgebern haben. Wir wollen selbst ja auch mehr Menschen anziehen. Aber mit zwei Stellen, verteilt auf drei Leute, einigen Honorarkräften und ansonsten ehrenamtlicher Arbeit ist das alles andere als einfach.

Das nächste Neiße-Filmfestival findet vom 15. bis 20. Mai 2018 statt. neissefilmfestival.de